Photolemur 2 für den Mac: Automatische und intelligente Fotoverbesserung im Test

Photolemur 2: automatischer Fotoverbesserer im Test

Vor einiger Zeit hat schon die Version 1 von Photolemur ein paar Wellen geschlagen, weil sie mit erstaunlich guten Ergebnissen überzeugen konnte. Nun haben die Entwickler mir (und ein paar anderen Beta-Testern) vor dem Verkaufsstart (18.4.2017) von Photolemur 2 eine Vorab-Version zur Verfügung gestellt, damit ich bzw. wir diese auf Herz und Nieren testen können. Und genau das habe ich in den letzten Stunden mit der Mac-Version von Photolemur und einem guten Schwung meiner Fotomediathek gemacht. Mein Testergebnis ist sehr positiv, aber ich möchte euch gerne anhand von einzelnen Beispielen und ein paar weiteren Infos die App näher bringen.

Update: Photolemur Version 3.0 – aktuell 35% Rabatt (Presale)

Im Rahmen des großen Updates auf die neue Version 3.0 gibt es derzeit einen Vorbesteller-Rabatt bei Skylum. Wenn ihr es kaufen möchtet, findet ihr hier die Angebots-Seite. Ansonsten kann ich euch noch meinen Test der aktuellen 3er Version ans Herz legen, in dem ihr auch viele Beispiel-Fotos mit Vorher-Nachher-Effekt sehen könnt. Dieser Beitrag hier ist schon etwas älter, aber er zeigt auch ganz gut, wie die Software funktioniert. Ihr könnt also auch beide Beiträge lesen, da sie unterschiedliche Infos für euch bereit halten.

► Photolemur 3 kaufen: hier beim Entwickler Skylum

Photolemur Logo

Was ist Photolemur überhaupt?

Bei der Software Photolemur 2 handelt es sich um eine App, die auf Windows und macOS läuft. Der Slogan von Photolemur:

Make any picture as vivid as your memories with the help of Computer Science and Artificial Intelligence in one click.

Die Funktion der Software ist also eine Bildverbesserung von Fotos, OHNE sich mit Kontrast, Tonwertkorrektur, Weißableich und Schärfen selbst beschäftigen zu müssen. Es ist quasi die Automatik-Funktion, um einen Haufen Fotos zu verbessern, ohne dass man sich als Benutzer darum kümmern muss. Und das Ganze mit Hilfe von “Computerwissenschaft und künstlicher Intelligenz”.

Man könnte nun denken, dass Photolemur so ein paar Standard-Schritte vornimmt, um ein Foto zu “verbessern”. Beispielsweise mehr Kontrast, mehr Sättigung, mehr Dynamik und danach noch eine Runde Scharfzeichnen, aber in der Praxis macht es sehr viel mehr, denn es analysiert Fotos auch nach ihren Inhalten und optimiert gezielt bestimmte Bereiche mit bestimmten Aktionen. Es macht also keinesfalls nur Dinge, die immer auf das komplette Foto wirken oder die ohne Berücksichtigung der bestehenden Inhalte und Farbwerte geschehen würden.

Bedienung: One Button App – simpel!

Ich bin vom Bedienungskonzept ganz begeistert, denn die Mac App bietet ein Fenster, in das man entweder ein Foto oder auch ein ganzes Bündel mit Fotos zieht. Daraufhin startet Photolemur direkt mit der Optimierung der Fotos und zeigt in dieser Zeit lustige Vektorgrafiken in Bewegung, die einem die Wartezeit versüssen sollen.

Während der Analyse und der Fotoverbesserung wird man per Vektoranimationen und Infos bei Laune gehalten. ;-)

Während der Analyse und der Fotoverbesserung wird man per Vektoranimationen und Infos bei Laune gehalten. 😉

Zieht man gleich mehrere Fotos auf Photolemur, dann werden diese in einer kleinen Übersicht noch unbearbeitet dargestellt. Man kann dann ein beliebiges Foto anklicken und mit der Leertaste die Optimierung des Fotos starten, um einzele Fotos zu bearbeiten. Möchte man alle auf einen Schlag optimiert haben, klickt man rechts unten auf “EXPORT PHOTOS” und hat dann diverse Social Media Portale, E-Mail und Disk zur Verfügung. “Disk” ist natürlich die Variante, die man wählen sollte, wenn man die Fotos auf die Festplatte sichern möchte. 😉

Die Export-Funktion in Photolemur erlaubt nicht nur das Sichern auf der Festplatte sondern auch das Versenden per Mail oder das Sharen auf Social Media Plattformen.

Die Export-Funktion in Photolemur erlaubt nicht nur das Sichern auf der Festplatte sondern auch das Versenden per Mail oder das Sharen auf Social Media Plattformen.

Im Menü findet man lediglich den Punkt “Plugins installieren”, der in meiner Vorab-Version noch keine Funktion hatte. Er ermöglicht in der finalen Version jedoch, die Installation von Photolemur unter “Adobe Lightroom” und “Apple Fotos”, damit man auch direkt in diesen Programmen die 1-Klick-Verbesserung von Photolemur nutzen kann.

Ich bin noch am Grübeln, ob man nicht auch die Möglichkeit geben sollte, ein paar Einstellungen vorzunehmen, um zum Beispiel bei manchen Fotos die Intensität von Photolemur zu verändern, aber das würde natürlich irgendwie dem Konzept der Software widersprechen, dass man hier per Drag and Drop hunderte von Fotos mit einem Schlag optimieren kann.

Warum Photolemur und nicht Lightroom oder Photoshop?

Diese Frage hatte ich auch als erstes im Kopf, denn mit dem Adobe CC Abo habe ich schließlich Profi-Software zur Verfügung, die extrem viele Möglichkeiten bietet, um meine Fotos zu verbessern. Und ja: Ich kann die Optimierungen alle auch mit Lightroom machen, aber ich bekomme es definitiv nicht so schnell hin. Aus dem Grund würde ich Photolemur auch eher dem privaten Bereich zuordnen.

Wer beruflich mit Fotos arbeitet, der nimmt sich in der Regel Zeit, um bei jedem einzelnen Foto das Maximum herauszuholen. Ob Photolemur da gegen den eigenen Geschmack “ankommen” kann, ist fraglich. Photolemur bietet eine Rundum-Verbesserung ohne Einstellungsmöglichkeiten. Wenn man also einen bestimmten Stil hinbekommen möchte, muss man immernoch auf Photoshop und Lightroom zurückgreifen.

Beim RAW-Import konfrontiert Photoshop den Benutzer erstmal mit einer Batterie an Schiebereglern und Menüs, die zwar viele Einstellungsmöglichkeiten bieten, aber eine Auto-Optimierungs-Funktion gibt es hier leider nicht.

Beim RAW-Import konfrontiert Photoshop den Benutzer erstmal mit einer Batterie an Schiebereglern und Menüs, die zwar viele Einstellungsmöglichkeiten bieten, aber eine Auto-Optimierungs-Funktion gibt es hier leider nicht.

So sieht es aus, was Photolemur nach 20 Sekunden Analyse und Bearbeitung der DNG-Datei anzeigt:

Das Ergebnis einer DNG-Datei, die mit Photolemur bearbeitet wurde. In der Vorschau noch etwas pixelig, aber das exportiere Endergebnis ist einwandfrei und scharf.

Das Ergebnis einer DNG-Datei, die mit Photolemur bearbeitet wurde. In der Vorschau noch etwas pixelig, aber das exportierte Endergebnis ist einwandfrei und scharf.

Das Foto wurde als RAW-Datei mit einer DJI Phantom 4 Drohne fotografiert und zeigt das Schloss Hohenaschau. Hier noch ein anderes Foto, das ebenfalls als DNG vorlag:

Foto von einem Wasserpark im Sonnenuntergang. Links das Original DNG in Photoshop und rechts die Überarbeitung von Photolemur. Die rötliche Abendstimmung hat Photolemur entfernt, aber dafür auch die Farben herausgeholt und mehr Details gefunden (Fotos: Sir Apfelot).

Foto von einem Wasserpark im Sonnenuntergang. Links das Original DNG in Photoshop und rechts die Überarbeitung von Photolemur. Die rötliche Abendstimmung hat Photolemur entfernt, aber dafür auch die Farben herausgeholt und mehr Details gefunden (Fotos: Sir Apfelot).

In dieser 100% Ansicht des gleichen Fotos sieht man besser, wie die Scharfzeichnung von Photolemur den Wald und die Wasseroberfläche bearbeitet und mehr Struktur rausgeholt hat

In dieser 100% Ansicht des gleichen Fotos sieht man besser, wie die Scharfzeichnung von Photolemur den Wald und die Wasseroberfläche bearbeitet und mehr Struktur rausgeholt hat (anklicken zum Vergrößern!).

Hier habe ich Photolemur mal ein Problembild gegeben. Fotografiert mit dem iPhone 6 gegen einen zu hellen Himmel. Ich finde die Software hat trotzdem noch einiges rausgeholt. Die Struktur der Steine im Vordergrund und auch die Häuser im Mittelbereich sind deutlich besser als im Original.

Hier habe ich Photolemur mal ein Problembild gegeben. Fotografiert mit dem iPhone 6 gegen einen zu hellen Himmel. Ich finde die Software hat trotzdem noch einiges rausgeholt. Die Struktur der Steine im Vordergrund und auch die Häuser im Mittelbereich sind deutlich besser als im Original.

Auch Fotos, die man mit dem iPhone im Panoramamodus geknipst hat, werden von Photolemur gepimpt. Hier hat er einen Grauschleier vom Bild entfernt und die Wolken etwas aufgemöbelt. Ein sehenswertes Ergebnis, wie ich finde.

Auch Fotos, die man mit dem iPhone im Panoramamodus geknipst hat, werden von Photolemur gepimpt. Hier hat er einen Grauschleier vom Bild entfernt und die Wolken etwas aufgemöbelt. Ein sehenswertes Ergebnis, wie ich finde.

Noch eine Luftaufnahme, die mit der DJI Phantom 4 vom Schloss Hohenaschau gemacht wurde. Links ist das Original und rechts die automatisch verbesserte Version (Foto: Sir Apfelot)..

Noch eine Luftaufnahme, die mit der DJI Phantom 4 vom Schloss Hohenaschau gemacht wurde. Links ist das Original und rechts die automatisch verbesserte Version (Foto: Sir Apfelot).

Hier ein 100% Detail-Auszug von dem oberen Foto. Man sieht hier deutlich, wie die Farbschattierungen der Ziegel deutliche schöner sind. Auch die sonstigen Details der Blätter an den Bäumen und beim Turmdach sind deutlich hervorgehoben.

Hier ein 100% Detail-Auszug von dem oberen Foto. Man sieht hier deutlich, wie die Farbschattierungen der Ziegel deutliche schöner sind. Auch die sonstigen Details der Blätter an den Bäumen und beim Turmdach sind deutlich hervorgehoben.

Vorteile auch für Profis

Auch wenn ich nicht glaube, dass ein Portrait-Fotograf Photolemur verwenden wird, so sehe ich bei Profi-Fotografen grundsätzlich auch Potential für die Software. Der Grund: Man kann auch RAW Dateien in der App überarbeiten lassen und man bekommt mit der Software relativ schnell eine gute Überarbeitung von sehr vielen von der Art her unterschiedlichen Fotos.

In Lightroom kann man zwar auch Optimierungsschritte von einem Foto auf andere Fotos kopieren, aber dann hat man genau die gleichen Veränderungen auf alle Fotos kopiert. Wenn man zum Beispiel 20 mal das gleiche Motiv fotografiert hat, dann kann das durchaus sinnvoll sein, aber bei einem Ordner mit vielen Urlaubsfotos hat man meistens sehr viele unterschiedliche Motive, die auch ganz unterschiedliche Bearbeitungsschritte erfordern. Und genau hier punktet aus meiner Sicht Photolemur: Man kann halbwegs schnell eine Menge Fotos individuell verbessern lassen. Diese kann man dann dem Kunden zur Ansicht senden und dieser sucht dann vielleicht die Fotos aus, die man gezielter mit Lightroom verbessert.

Gutes Foto-Tool für Blogger

Eine andere Zielgruppe für Photolemur sind aus meiner Sicht Blogger, die nicht die Zeit und Muse haben, jedes einzelne Foto für einen Blogbeitrag per Hand zu überarbeiten. Macht man einen Produkttest und hat 10 bis 20 Fotos gemacht, kann man die in Photolemur werfen und hat nach spätestens 15-20 Minuten hübsch aufgearbeitete Fotos, die man nur noch beschneiden und vielleicht für das Internet optimiert speichern muss. Eine Zeitersparnis, die ich gerne mit Geld bezahle.

Ein Produktfoto im Vergleich. Oben das Original – fotografiert mit dem iPhone 7 Plus, das an sich schon sehr schöne Farben in Fotos macht – und unten das Ergebnis von Photolemur: es wirkt frischer, schärfer und ist innerhalb von 20 Sekunden aus Photolemur gefallen.

Ein Produktfoto im Vergleich. Oben das Original – fotografiert mit dem iPhone 7 Plus, das an sich schon sehr schöne Farben in Fotos macht – und unten das Ergebnis von Photolemur: es wirkt frischer, schärfer und ist innerhalb von 20 Sekunden aus Photolemur gefallen.

Das Wichtigste: Die Ergebnisse

Die Software Photolemur macht es einem leicht, um einen Vorher-Nachher-Vergleich vornehmen zu können. Öffnet man nur ein Foto, so wird sofort nach der Überarbeitung das Bild in einem Fenster dargestellt, in dem man mit Hilfe von einem beweglichen Slider zwischen dem Originalfoto und dem überarbeiteten Foto wechseln kann. Auf diese Weise sieht man sehr anschaulich, was die Unterschiede sind. Solche Slider findet man übrigens auch auf der Webseite von Photolemur, um die Ergebnisse anzuschauen.

Ein Vorher-Nachher-Slider, wie man ihn auf der Webseite von Photolemur findet. Die Ergebnisse sind nicht aus der Luft gegriffen und durchaus realistisch. Der Slider ist hier allerdings nur ein Screenshot, ist aber hier funktionsfähig aufrufbar.

Ein Vorher-Nachher-Slider, wie man ihn auf der Webseite von Photolemur findet. Die Ergebnisse sind nicht aus der Luft gegriffen und durchaus realistisch. Der Slider ist hier allerdings nur ein Screenshot, ist aber hier funktionsfähig aufrufbar.

Realistische Referenzen auf Photolemur.com

Man könnte nun glauben, dass die Fotos auf der Webseite photolemur.com geschönte Referenzen sind, die besonders gut “funktioniert” haben, aber in der Tat ist es so, dass die Software in allen meinen Tests ein besseres Bild abgeliefert hat, als mein Original war. Nur bei den HDR-Fotografien und insbesondere bei Grüntönen von Gras, ist die Farbsättigung nach der Überarbeitung durch Photolemur etwas unnatürlich hoch. Aber schaut euch meine Beispiele unten im Detail an. Ich finde im Großen und Ganzen sind die Verbesserungen gut gelungen.

Meine Beispielfotos und die entsprechenden Ergebnisse

Hier zeige ich euch einfach mal ein paar Fotos, die ich besonders bemerkenswert finde. Teilweise sind es auch Vergrößerungen von bestimmten Details, die ich erwähnenswert finde. Insgesamt bekommt man aber einen besseren Eindruck, wenn man die Software selbst mal ausprobiert und dann mit dem Slider auch hin und her ziehen kann, um den Vorher-Nachher-Effekt zu sehen. Bei meinen Screenshots kommt er manchmal nicht ganz so gut raus.

Luftbild von einem Ferien-Bauernhof: Die untere Hälfte ist von Photolemur und oben das Original… der Unterschied ist deutlich.

Luftbild von einem Ferien-Bauernhof: Die untere Hälfte ist von Photolemur und oben das Original… der Unterschied ist deutlich.

Ein Landschaftsfoto, das in Frankreich gemacht wurde. Ich finde es faszinierend, wie plastisch die Büsche im Vordergrund durch die Überarbeitung werden. Auch der Himmel bekommt einen schöneren, aber realistischen Blauton.

Ein Landschaftsfoto, das in Frankreich gemacht wurde. Ich finde es faszinierend, wie plastisch die Büsche im Vordergrund durch die Überarbeitung werden. Auch der Himmel bekommt einen schöneren, aber realistischen Blauton.

 

Was macht Photolemur im Einzelnen?

Wenn man auf der Webseite der Programmierer schaut, findet man eine Grafik, die die einzelnen Punkte auflistet, die Photolemur prüft und korrigiert.

Diese Punkte analysiert und verbessert Photolemur in einem Foto.

Diese Punkte analysiert und verbessert Photolemur in einem Foto.

Im Einzelnen sind dies also folgende Punkte, die ich mehr oder minder gut übersetzt habe:

  • Farbwiederherstellung: holt die Brillianz von Blau-, Gelb- und Rottönen hervor
  • Verbesserung des Himmels: erkennt Wolken am Himmel und gibt diesen mehr Details und Volumen
  • Belichtungsanpassung: erkennt falsche Belichtungseinstellungen und passt diese an, indem es das Bild leicht aufhellt oder abdunkelt
  • Entfernung von Pixelrauschen: erkennt Rauschen in Low-Light-Fotos und versucht dies zu entfernen
  • Perfektionierung der Tönung: versucht die beste Tönung (kalt oder warm) zu ermitteln und diese einzustellen
  • Gesichtsretusche: erkennt Gesichter und versucht Hautunreinheiten und Problemzonen zu verbessern
  • Entfernen von Dunst in der Ferne: erkennt Nebel, Dunst, Smog und andere ablenkende Elemente im Foto und entfernt diese so gut wie möglich
  • Korrektur von natürlichem Licht: versucht die Tageszeit der Aufnahme zu erkennen und passt entsprechend die Farbtöne, Belichtung und Kontrast an und die natürlichen Farben dieser Tageszeit wiederzugeben
  • Verbesserung von Pflanze: stellt die natürlichen Farben in Landschaftsaufnahmen wieder her, indem es Bäume, Blätter und Pflanzen erkennt und diese gezielt bearbeitet
  • JPEG Korrektur: erkennt Fehler in JPEG Dateien und korrigiert diese und unterdrückt Artefakte, die durch die JPEG Komprimierung entstanden sind
  • RAW Verarbeitung: erkennt mittlerweile über 600 RAW-Profile von Kameras
  • Ausgleich von schiefem Horizont: passt leichte Abweichungen beim Horizont oder dem Hintergrund an

Dazu vielleicht noch ein paar Details. Die Verbesserung von Laub kann man deutlich sehen. Die Software erkennt Wald und Wiesen und gibt diesen knackige Grüntöne. Ebenso werden Wolken am Himmel deutlich spannender durch die Optimierung. Die Dunstentfernung kann natürlich nichts rausholen, was nicht da ist, aber insgesamt erkennt man auch bei entfernten Bildbereichen viel mehr Details, bessere Farben und weniger Dunst.

Die Gesichtsverbesserung habe ich mit ein paar Aufnahmen von Personen getestet und konnte dabei sehen, dass zum einen die Hautfarbe verbessert wird (weniger Grau) und manchmal werden die Bereiche rechts und Links der Mundwinkel ganz leicht verkleinert, um das Gesicht unten schmaler wirken zu lassen. Das geschieht aber in einem Maße, dass man es nur in der direkten Überlagerung mit dem Originalfoto erkennt.

In Einzelfällen pimpt mir die Software die Farbe der Lippen ein bisschen zu sehr. Was bei Frauen vielleicht noch ok aussieht, wirkt bei Männern dann eher affig.

In Einzelfällen pimpt mir die Software die Farbe der Lippen ein bisschen zu sehr. Was bei Frauen vielleicht noch ok aussieht, wirkt bei Männern dann eher affig.

Ansonsten kann man durchweg eine Besserung in den Farben, der Schärfe und der Detailtreue der Fotos erkennen. Die Beispiele zeigen hier, was ich meine.

Übrigens: Die EXIF Daten der Fotos werden 1:1 übernommen und nicht gelöscht oder verändert. So kann man die Fotos auch wieder in Lightroom oder Apple Fotos werfen und hat immernoch die Anzeige mit der Karte, wo die Fotos gemacht wurden.

Die Nachteile: Rechenzeit, etwas zu hohe Farbsättigung und Abomodell

Wenn man meinen Bericht zum Test von Photolemur liest, fragt man sich bestimmt, ob die Software auch Nachteile hat, da ich soviel Lob für sie über habe. Und ja, sie hat auch drei Punkte, die weniger gut sind, aber die mich nicht davon abgehalten haben, mir die Software jetzt schon zu kaufen.

20 bis 30 Sekunden Rechenzeit pro Bild

Mein erster “Kritikpunkt” ist die Rechenzeit, die nötig ist, um Fotos mit Photolemur zu optimieren. Mein Test mit 100 zufällig ausgewählten Fotos hat genau 1 Stunde und 2 Minuten gedauert. Dies wurde an meinen MacBook Pro Retina 2012 durchgeführt – also an einem mittlerweile etwas betagtem MacBook Pro Modell, das sicher nicht das Schnellste ist. Die Fotos lagen in der Dateigröße zwischen 1,8 MB und 6 MB und wurden mit dem iPhone 6 bzw. iPhone 7 Plus gemacht. Eine Stunde Rechenzeit für 100 Fotos ist natürlich nicht ohne und oft macht man sicher mehr Fotos im Urlaub. Allerdings muss man anmerken, dass man die Berechnung problemlos über Nacht durchführen kann, da man nicht am Mac sitzen muss. Photolemur macht schließlich alles autonom.

Ruft man die Aktivitätsanzeige auf, während Photolemur ein paar Bilder überarbeitet, sieht man schnell, dass die Software wirklich fleissig die CPU nutzt. Man kann zwar noch mit Arbeiten, aber Videoschneiden oder 3D-Renderings sollte man lieber vertagen. Beim Surfen oder Mailen war mein MacBook Pro aber nicht ausgebremst worden und reagierte noch normal.

Ruft man die Aktivitätsanzeige auf, während Photolemur ein paar Bilder überarbeitet, sieht man schnell, dass die Software wirklich fleissig die CPU nutzt. Man kann zwar noch mit Arbeiten, aber Videoschneiden oder 3D-Renderings sollte man lieber vertagen. Beim Surfen oder Mailen war mein MacBook Pro aber nicht ausgebremst worden und reagierte noch normal.

Zieht man testweise ein einzelnes Foto (vom iPhone 7 Plus mit 6,1 MB Dateigröße) auf Photolemur, so benötigt die Software ca. 30 Sekunden für die Analyse und Verbesserung. Aus meiner Sicht eine Zeit, die durchaus zu handhaben ist. Wenn ich ein Foto schnell in Photoshop überarbeiten möchte, brauche ich sicher eher 5 Minuten. Also eigentlich “Meckern auf hohem Niveau”… aber vielleicht geht ja noch was mit den nächsten Updates. 😉

Etwas kräftige Farben und fehlende Einstellungsmöglichkeiten

Mein zweiter Kritikpunkt ist die hohe Farbsättigung, die die Fotos teilweise etwas künstlich wirken läßt. Besonders Grüntöne von Wäldern und Wiesen poppen ein bisschen zu stark. Hier würde ich mir dann doch ein globales Einstellungspanel wünschen, in dem man bestimmte Variablen ein bisschen persönlich anpassen kann. Nicht jeder ist Freund von so kräftigen Farben, aber vielleicht hätte man gerne die anderen – durchaus brauchbaren Verbesserungen – die Photolemur vornimmt.

Abomodell zur Monetarisierung

Der dritte Kritikpunkt ist die Bezahlung, denn die Software wird mit einer Jahreslizenz bezahlt, die normalerweise bei 5,99 USD liegt. Ich persönlich bin immer etwas abgeschreckt von Software, die monatlich oder jährlich bezahlt werden möchte. Ich greife lieber einmal tiefer in die Tasche und habe dann für 2-3 Jahre meine Ruhe, bis das nächste größere Update wieder eine Investition rechtfertigt. Aber bei Programmen, die ich häufig nutze, akzeptiere ich auch eine monatliche oder jährliche Abozahlung. Wie in dem Fall bei Photolemur.

Wer jetzt schnell zuschlägt (was ich empfehlen würde), kann noch ein Frühstarter Angebot nutzen, mit dem ich 75% Rabatt bekommen habe. Aber ich persönlich würde die Software selbst für 5,99 USD pro Monat nehmen, denn die Ergebnisse sind wirklich überzeugend. Und die Rechenzeit kann natürlich auch mit kommenden Versionen noch deutlich besser werden. Aber auch so ist es ein grandioser Helfer, um mal eben eine Reihe Fotos zu pimpen.

Es gibt auch eine 30 Tage Geld zurück Garantie, falls man das Tool mal ohne Risiko testen möchte. Ich habe genug gesehen und weiss, dass ich kein Geld zurück möchte. 🙂

Update 06.09.2018: Kein Abomodell mehr vorhanden

Derzeit wird gerade die neue Version 3.0 von Photolemur beworben. Diese setzt nicht mehr auf ein Abomodell. Somit fällt für mich dieser Kritikpunkt weg. Leider ist der Preis nicht ganz günstig, aber wenn ich überlege, wieviel Zeit mir Photolemur schon gespart hat, zahle ich diese “Strafgebühr” gerne.

Mein Fazit zu Photolemur

Es wird nie eine Software geben, die die Fotos so optimiert, dass sie allen Leuten gefallen. Photolemur ist mit seinen Verbesserungen schon recht gut und wird sicher den Geschmack vieler Leute treffen. Ich denke, die Software hat definitiv Potential und gerade für Leute, die viele Fotos überarbeiten möchten, die aber eigentlich keine Zeit haben, sie alle in Photoshop oder Lightroom zu pimpen, dürfte Photolemur eine interessante Software sein.

Ich habe sie mir gleich gekauft und finde die Ergebnisse schon recht überzeugend. Die teilweise etwas starken Farben kann ich akzeptieren – vor allem, weil auch die restlichen Optimierungen sehr gut sind und mehr Details vom Bild erkennbar machen.

Auf meiner Sicht ist die Software also definitiv eine Empfehlung für alle, die den “Auto-Optimieren-Button” in Apples Fotos praktisch aber zu wenig umfangreich finden. Vielleicht kauft Apple ja das Team von Photolemur mal ein und wir finden die Optimierungen gratis in “Fotos” integriert. Fände ich persönlich sinnvoller als den Kauf von Beats… 😉

► Photolemur 3 kaufen: hier beim Entwickler Skylum

Ich hoffe, ihr habt meinen Test spannend gefunden. Er ist deutlich umfangreicher geworden, als ich plante, aber mir sind immer mehr Sachen eingefallen, die ich zeigen und erkäutern wollte. Sorry, falls es langweilig wurde. 😉

Mich würde interessieren, wie ihr zu der automatischen Fotooptimierung im Allgemeinen steht und welche Erfahrungen ihr mit Photolemur sammeln konntet. Die Kommentare sind offen. 😀

 

 

 

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9 Kommentare

  1. DDraum sagt:

    Danke sehr für die Beschreibung! Wie kann man Photolemur praktisch testen?

    • Sir Apfelot sagt:

      Man hat eine 30-Tage-Geld-zurück-Garantie, die man nutzen kann, um das Programm zu testen. Einen kostenlosen Download als Demo gibt es leider nicht. Viele Grüße!

      Jens

  2. George Knochel sagt:

    Hello and thank you for your review. I plan to use PhotoLemur 2.0 to enhance old 8mm film, which is over 50 years old and has faded colors. Each frame of the film has been telecine to individual .tiff photos, and I have about 11 hours of film, which is around 600,000 frames of film. Using both my iMac and PC, I will use a combination of Lightroom / Perfectly Clear / PhotoLemur to enhance it all. We’ll see how that looks. . . Then Apple Compressor to put the frames back into a movie, and Final Cut Pro X to edit the video … to Vimeo. 🙂

    • Sir Apfelot sagt:

      Hi George! Interesting project. I am not sure, if you can enhance single frames with Photolemur because it does not care about the last and the next frame to keep colors similar. I would be glad to read about the result of your workflow! 🙂

  3. George Knochel sagt:

    Hi. I’ve tried out the current PhotoLemur 1.0.3, 40 film frames at a time (the limit), for 400 frames testing, and it keeps the exposure and colors the same from frame to frame, so I’d hope the new PhotoLemur 2.0 will do the same. I’ll comment on the results after I do a full reel of film.

    Athentech’s Perfectly Clear plugin for Lightroom also does a real nice job, as it also analyizes colors, faces, etc. Then after Perfectly Clear is applied, PhotoLemur brings out everything more and sharpens it very nicely. Both will operate in an automated batch processing mode, where you just click on a folder of film photos (an Image Sequence), and come back in an hour to see the results.

  4. Heinz Pfaffinger sagt:

    Bester und sehr schlüssiger Vergleich. Vielen Dank für diesen Bericht.

    • Sir Apfelot sagt:

      Hallo Heinz! Dank dir! Ich teste gerade die Beta von Photolemur 2.2 (Spectre). Die übersteuerte Farbsättigung ist nun im Griff und man kann mit einem 0 – 100% Regler auch die Wirkung der Optimierung festlegen. Und das Beste ist natürlich, dass sie sich wieder von dem Abo-Modell entfernt haben und das Programm wieder für einen einmaligen Festpreis anbieten. Ich habe es über SetApp gebucht, aber das ist keine Pflicht. Es gibt Photolemur auch losgelöst davon.

  5. Minotaurus007 sagt:

    AI? Künstliche Intelligenz? – Macht den 10xTest!

    Auch ich suche One-Click-Software, die optimale Bilder produziert, bessere als out of the camera jpegs (OOC). Warum? Damit ich von einem Shoot gleich 1000 “vernünftige” Bilder habe, wo die wesentlichen Schwächen schon automatisch beseitigt wurden? Warum will ich das? Damit die mühsame und zeitaufwändige Selektion vereinfacht und verbessert wird.
    Denn ein technisch suboptimales Bild – auch wenn es inhaltlich konzeptionell gelungen ist – wandert schnell beim oberflächlichen Durchstöbern in den Müll bzw. wird nicht selektiert. Es bekommt nicht die Bewertung, die Sterne, die es eigentlich verdient hätte.

    OOC-JPEGs, Perfectly Clear, Portrait Professional und jetzt auch Photolemur mit AI sind ein erster Schritt auf dem Weg zu einem optimierten Ausgangsfoto, vollautomatisch, sehr gut.

    Doch nun kommt das ABER: macht spaßeshalber mit den genannten Programmen mal den 10xTest! D.h. wendet das Programm 10x hintereinander auf das gleiche, jeweils schon optimierte Bild an. Easy, wenngleich ein bisschen arbeitsaufwändig.

    Kluge statische Algorithmen (Perfectly Clear), die sich an einem Optimum an Kontrast, Belichtung, Sättigung orientieren, erkennen irgendwann, dass ausreichend optimiert wurde.
    Kluge statische Algorithmen (Portrait Professional), die sich an angeblich optimaler Gesichtsform orientieren, optimaler Größe der Augen, optimaler Hautglättung, sollten irgendwann erkennen, dass es ausreichend optimiert wurde.
    Erst recht kluge dynamische, angeblich AI-basierte Algorithmen (Photolemur Spectre 2.2) sollten irgendwann erkennen, dass die Optimierung erreicht wurde und “nichts” mehr tun.

    Der simple 10xTest (Metadaten zwischen den Iterationen löschen!) deckt aber auf: weder Portrait Professional noch das angeblich AI-basierte Photolemur Spectre 2.2 erkennen, wann genug des Guten ist! Portrait Professional macht die Augen z.B. immer größer, bis irgendwann ein Alien entstanden ist. Photolemur Spectre 2.2 degeneriert ebenfalls sukzessive bis hin zu katastrophalen Kontrasten und Farben.

    Fazit: Das heißt nicht, das Photolemur Spectre 2.2 unbrauchbar ist. Meine Hypothese aber ist, dass in Wirklichkeit keine künstliche Intelligenz (AI: z.B. Deep Learning, heute durchaus zur Optimierung von Bildern denkbar) hier zur Anwendung kommt und lediglich ein Hype-Wort ist, um Käufer zu locken.

    Die Technik von Photolemur Spectre 2.2 scheint viel mehr sehr simpel zu sein: immer etwas mehr Sättigung, immer etwas mehr Kontrast, etwas mehr Schärfe etc., fertig. Und zwar egal wie das Ausgangsbild aussieht! Schade eigentlich.

    -Mino

    • Sir Apfelot sagt:

      Hallo Mino! Dank dir für deinen kritischen Kommentar. Das mit dem 10x Test ist eine gute Idee. Werde ich demnächst mal machen, aber ich denke, es ist wie du sagst: Das Bild wird vermutlich jedes Mal “optimiert”… aber ich gebe Photolemur Spectre gerne mal eine Chance… Ansonsten ist das mit AI aus meiner Sicht auch korrekt. Ich denke nicht, dass hier viel “Intelligenz” am Werk ist, aber was mir aufgefallen ist: Nicht alle Teile des Bildes werden gleich behandelt. Es gibt auf jeden Fall beim Himmel und bei Landschaften Unterschiede. Aber es wäre trotzdem mal interessant eine “automatische Optimierung” von Lightroom (Autotonwertkorrektur und ähnliches) gegen Photolemur laufen zu lassen. Vielleicht mache ich da demnächst mal einen Test… Dank dir für deine Einschätzung! Freut mich immer wieder, wenn Leser ein paar neue Aspekte beisteuern! LG! Jens

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