Einige private Radiosender – etwa von der The Radio Group (Radio Frankfurt, Antenne Koblenz, etc.) – spielen nachts bereits mehrere Stunden lang KI-Musik. Das soll der Unterhaltung dienen und Lizenzkosten sparen. Doch man muss sich die Frage stellen, ob es auf Dauer beim Nachtprogramm bleibt. Und was das allgemein für die Radiolandschaft bedeutet.

Kapitel in diesem Beitrag:
Mehrere private Radiosender spielen von ein bis vier Uhr KI-Musik
Während der „KI-Musik-Nacht“, die auf Sendern der The Radio Group von 1:00 Uhr bis 4:00 Uhr stattfindet, werden von generativer KI erstellte Songs abgespielt, wie heise online mit Bezug auf den Geschäftsführer Tim Lauth berichtet. Dass auf Sendern wie Antenne Kaiserslautern, Radio Frankfurt, Radio Cottbus und Co. KI-Musik gespielt wird, soll durch entsprechende Ansagen im Sendezeitraum transparent gemacht werden.
Laut dem Bericht wurde zudem von der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien bestätigt, dass auch beim Münchner Radiosender 95.5 Charivari von ein Uhr bis vier Uhr nachts KI-generierte Musik gespielt wird. Jede Stunde laufe dabei ein Jingle, der darauf hinweist, dass es sich bei dem Programm um Musik von künstlicher Intelligenz handelt, heißt es. Die Gründe für die Aufnahme von KI-gemachter „Musik“ ins Programm sind vielfältig.
Warum läuft im Radio jetzt KI-Musik?
„Wir sehen den Einsatz von KI-generierten Inhalten als logischen nächsten Schritt in der Evolution des Radios“, wird der Geschäftsführer der The Radio Group, Tim Lauth, bei heise online zitiert. Das KI-Programm in der Nacht liefere einen Unterhaltungswert, der beim Publikum angeblich erkannt und positiv aufgenommen werde. Aber es geht nicht nur um das Entertainment während der Nachtstunden.
Natürlich werden auch und vor allem wirtschaftliche Argumente bedacht. In den hörerschwachen Stunden, für welche die Werbeplätze tendenziell günstiger sind, rechnet es sich, weniger für die Musik auszugeben. Anstatt also GEMA-Gebühren für aktuelle Hits auszugeben, setzen einige private Radiosender nun also auf das wesentlich günstigere Gedudel, das sich irgendein Server „ausdenkt“.
Im verlinkten Bericht wird angemerkt, dass Radiosender immer einen gewissen Anteil ihrer „sendungsbezogenen Einnahmen“ an die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (GEMA) zahlen müssen – inkl. Werbe- und Sponsoringeinnahmen. Dank der Nutzung von KI-Musik sinkt der Anteil der GEMA-geschützten Musik im Gesamtprogramm. Und damit werden auch die Abgaben niedriger.
Die ungeklärte Frage des Urheberrechts
Oftmals wird im Hinblick auf KI-Musik juristisch argumentiert, dass sie frei von urheberrechtlichen Ansprüchen sei. Jedoch müssen KI-Modelle mit musikalischem Material trainiert werden – und für dieses wurden nicht immer die nötigen Lizenzen eingeholt. Es kann also sein, dass ein Anbieter für die KI-Musikerstellung das Urheberrecht gebrochen hat und nun Werkzeuge anbietet, die darauf beruhen. Wie sind die Ergebnisse aus der Nutzung dieser Werkzeuge rechtlich einzuordnen?
Diese Probleme sehe ich bezüglich KI-Musik im Radio
KI-Inhalte in der Unterhaltung und Berichterstattung sind auf vielen Ebenen fragwürdig. Nicht nur verwässern sie echte händische Produktionen von Kreativen und Redaktionen. Die KI-Modelle, die dafür verantwortlich sind, werden auch nicht selten mit geschütztem Material trainiert. Außerdem werfen sie oft gefällige, massenwirksame Inhalte aus, die keine große Vielfalt aufweisen.
Insgesamt sind mir bei der Betrachtung des Themas mehrere negative Punkte aufgefallen. KI-Musik führt, zumindest beim Ausbau des aktuell schon gesendeten Programms, tendenziell zu diesen Problemen:
- Weniger musikalische Vielfalt: KI-generierte Songs neigen dazu, bewährte Muster zu reproduzieren. Das führt zu homogeneren Sendungen, welche Nischenstile und einzigartige Künstler/innen bzw. Bands verdrängen.
- Weniger Förderung neuer Bands: Wenn Radiosender kostengünstige und lizenzfreie KI-Musik vorziehen, sinkt die Chance für aufstrebende Musiker/innen, Sendezeit und damit Reichweite aufzubauen.
- Verlust regionaler und kultureller Identität: Lokale Musiktraditionen und dialekt- oder kulturspezifische Produktionen werden durch die zunehmende Ausstrahlung von KI-generierter Musik seltener gespielt. KI-Songs sind allgemeingefällig und basieren auf globalen Hits, die nichts mit der Senderegion zu tun haben.
- Reduzierte Redaktionsarbeit und kuratorische Kompetenz: KI-Playlists und -Automationen können die Rolle von Musikredaktionen schwächen. Mittel- bis langfristig geht damit ein Stück kuratorische Expertise verloren, welche die Sender einzigartig macht.
- Vertrauen in die Sender sinkt: Das Ausspielen von ähnlicher, vorhersehbarer KI-Songs kann die Abwanderung des Publikums zur Folge haben. Hörer/innen könnten Sender als weniger authentisch empfinden, was auch die Interaktion (Anrufe, Teilnahme an Aktionen, etc.) mindert.
- Mögliche Arbeitsplatzverluste: Nicht nur werden aufstrebende Bands ihrer Sendezeit beraubt, auch könnten Senderverantwortliche neben der Songs bald auf KI-Moderation in den Nachtstunden setzen. Einsparungen in Redaktion und Moderation gehen mit Jobverlusten einher.
- Qualitätsverfall und Einheitsgeschmack: Generative KI kann technisch „perfekte“ Tracks erzeugen, aber subtile kreative Fehler, Unvollkommenheiten und experimentelle Elemente menschlicher Komponisten fehlen. Das Musikprogramm wird damit echter menschlicher Qualität beraubt und Songs vermitteln nur noch den kleinsten gemeinsamen Nenner des Einheitsgeschmacks.
Meine Abend- und Nacht-Tips: „Pop – Die Abendshow“ und „ARD-Popnacht“
Ich höre abends und nachts gerne Radio. Allerdings nicht auf den Sendern von The Radio Group, und schon gar nicht wegen der potenziellen Ausstrahlung von KI-Songs. Viel lieber schalte ich einen der öffentlich-rechtlichen Sender ein, auf denen die SWR3-Produktionen „Pop – Die Abendshow“ und „ARD-Popnacht“ laufen.
Hier gefallen mir sowohl die Musikauswahl als auch die Moderation und die Mitmach-Aktionen. Die Pop-Sendungen decken auf mehreren Sendern (ARD Pop-Stationen wie Bremen Vier, WDR2, hr3, SR1, SWR3, NDR2 und MDR Jump) die Zeit von 19:00 Uhr bis 5:00 Uhr ab. Die Abendshow läuft dabei bis Mitternacht. Der neue Tag startet mit der Popnacht.
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Johannes hat nach dem Abitur eine Ausbildung zum Wirtschaftsassistenten in der Fachrichtung Fremdsprachen absolviert. Danach hat er sich aber für das Recherchieren und Schreiben entschieden, woraus seine Selbstständigkeit hervorging. Seit mehreren Jahren arbeitet er nun u. a. für Sir Apfelot. Seine Artikel beinhalten Produktvorstellungen, News, Anleitungen, Videospiele, Konsolen und einiges mehr. Apple Keynotes verfolgt er live per Stream.










Schlussendlich dürfte es egal sein, ob KI die Musik komponiert oder ein Mensch. Die Leute werden sich anhören, was ihnen gefällt, egal wo die Titel herkommen. Man kann es nun gut oder schlecht finden, KI wird sich in immer mehr Bereichen durchsetzen, selbst dann, wenn die derzeit zu beobachtende Blase platzt. Von daher sollte man sich eine gewisse Kompetenz KI-betreffend zulegen.
Ja, das ist die richtige Sichtweise… und wie du es mit der Musik beschreibst, so handhabt es Google auch mit KI-generierten Texten. Wenn diese gut geschrieben sind und die Erwartungen des Lesers erfüllen, können auch KI-Texte gut in Google platziert werden. Google hat bewusst gesagt, dass sie nicht unterscheiden. Aber sie haben auch gesagt: Wenn jemand einfach sinnlos KI-Texte auf seine Webseite packt, die keinen Mehrwert bieten, dann werden sie so schlecht bewertet, wie es die Bewertungsskala zulässt.
Bin gerade durch Googel auf diesen Artikel gestoßen. Finde ich gut und sehe das genau so. Die Pop Sendungen die am Ende genannt werden hab ich mal gehört. Die laufen hier über Bremen Vier und sind meistens unterhaltsam.
Die Kommentare von „Timewalker“ und „Jens Kleinholz“ kann ich nicht nachvollziehen. Wie soll ich mir als berufstätige Mutter die sich um Arbeit und Kinder und Haushalt kümmert auch noch „eine gewisse Kompetenz KI-betreffend zulegen“? Soll ich nebenbei noch studieren, umzu erkennen was für Musik im Radio läuft???
Ich finde es absolut nicht die richtige Sichtweise. Was dieser Vergleich mit Google soll verstehe ich kein Bisschen. Was eine Suchmaschine macht hat doch nichts mit dem echten Leben zu tun. Ich glaube die beiden stecken zu tief in ihrer Technikblase fest.