DriveDx: Festplatten-Gesundheit am Mac im Detail anschauen

DriveDx Festplatten-Monitoring

Erst vor Kurzem bin ich durch einen Bericht in der englischen Macworld auf das kleine Tool "DriveDx" gestoßen (hier der Download-Link). Mit dieser Mac-App lassen sich interne und externe Festplatten überwachen, indem der SMART-Zustand (Wiki) des Laufwerks abgefragt und ausgewertet wird.

SMART steht dabei für Self-Monitoring, Analysis and Reporting Technology – also zu Deutsch: Ein System, mit dem sich die Festplatte selbst überwachen und Analysen sowie Statusmeldungen ausgeben kann. Das Ganze ist ein Industriestandard und mittlerweile in fast allen Festplatten verfügbar, allerdings sieht man als Benutzer in der Regel nicht viel davon, wenn man sich nicht gerade eine Software wie DriveDx installiert hat.

Im Hauptfenster von DriveDx sieht man als Benutzer an den drei oberen Werten direkt, ob man sich Sorgen um das ausgewählte Laufwerk machen muss. Die interne SSD des MacBook Pro 2018, die man hier sieht, hatte bisher wenig zu tun und ist dementsprechend in bestem Zustand.

Studie zur Aussagekraft des SMART-Systems

Einen interessanten Hinweis hat die Wikipedia-Seite zu diesem Thema auf Lager. So gab es 2007 eine Studie mit dem Titel "Failure Trends in a Large Disk Drive Population" (siehe PDF). Darin wurden über 100.000 Festplatten unterschiedlicher Hersteller überwacht und Ausfälle ausgewertet – unter anderem auch die Meldungen, die das SMART-System ausgeworfen hat.

Das Ergebnis: in ca. 64% der Fälle konnte ein Ausfall der Festplatte mit den Daten des SMART-Systems vorher gesagt werden. Damit bleibt aber immer noch ein Drittel der Ausfälle, auf die man sich nicht durch Analysen vorbereiten konnte. Trotzdem hat die SMART-Analyse eine gewisse Aussagekraft und kann unter Umständen Hinweise geben, wann man seine Daten besser auf eine andere Festplatte umsiedeln sollte.

Mit den Selbsttests lassen sich Laufwerke (HDD oder SSD) innerhalb von wenigen Minuten komplett prüfen.

Mit den Selbsttests lassen sich Laufwerke (HDD oder SSD) innerhalb von wenigen Minuten komplett prüfen.

Installation von DriveDx

Wenn man sich DriveDx auf den Mac lädt, kann man erst mal nur interne Festplatten des Mac auswerten. Je nach Mac stößt man bei der Ansicht der anderen Laufwerke auf das eine oder andere Problem. So passierte es bei mir zum Beispiel, dass ich die externen Festplatten zwar in der Liste von DriveDx sehen konnte, aber diese keine Informationen an DriveDx übertragen haben – und das, obwohl ich den USB-Treiber für die Software installiert und die Sicherheitsfreigabe in Mojave gegeben habe.

Nach einem kurzen Mailwechsel mit dem DriveDx-Support war auch klar, warum dies der Fall war: Bei Macs mit dem T2-Sicherheitschip (wie dem MacBook Pro ab 2018 oder dem iMac Pro) wird beim Booten der USB-Treiber von DriveDx durch den macOS-Treiber überschrieben. Dadurch kann DriveDx nach dem Systemstart nicht auf die externen Festplatten zugreifen.

Die Lösung ist jedoch sehr einfach: Man zieht die Festplatte (nach dem Auswerfen im Finder) kurz aus dem Mac und steckt sie neu an. Bei mir erschienen die externen Festplatten danach mit allen Auswertungen in DriveDx. Nach einem Neustart besteht das Problem allerdings wieder und man muss die Festplatten wieder kurz trennen, wenn man Auswertungen mit DriveDx fahren möchte.

Bei allen Problemen, die bei der Installation auftreten könnten, gibt es zahlreiche Anleitungen in den FAQ bzw. der Knowledge-Base.

Warnungen bei ausgehendem Festplattenplatz

Ich habe es in den letzten Jahren genau einmal geschafft, meinen Mac lahm zu legen, in dem ich das Startvolume komplett mit Daten gefüllt habe. Passiert ist das Ganze beim Schneiden von Videos mit Adobe Premiere, wobei sich doch schnell einige Gigabyte neuer Daten entwickeln, die irgendwo hingeschrieben werden möchten. Als der Festplattenplatz auf meiner "Macintosh HD" irgendwann nur noch einige hundert Megabyte groß war, hat der Finder die weiße Fahne gehisst und sich aufgehängt.

In der Regel bemerkt man die voller werdende Festplatte lange vorher daran, dass der Finder immer zäher wird und hin und wieder kleine Aussetzer hat. Diese entstehen, weil er verzweifelt versucht, Daten hin und her zu schaufeln, um noch irgendwie weiter machen zu können. Bei mir war es jedoch ein abrupter Übergang vom normalen Betrieb zu "unbedienbar", da mir Premiere von Adobe innerhalb von wenigen Minuten allen verfügbaren Festplattenplatz auf der Systemplatte vollgeschrieben hat.

Um solchen Problemen in Zukunft aus dem Weg zu gehen, kann man ein hilfreiches Feature von DriveDx nutzen, das beim Unterschreiten von frei festlegbaren Limits (in Prozentangaben) Warnungen in Form von Benachrichtigungen auswirft. Diese Limits kann man für jede Festplatte getrennt einstellen, aber auch hier zeigte sich bei mir wieder das Problem mit dem T2-Chip: Nach jedem Neustart hat DriveDx keinen Zugriff auf die entsprechenden Daten der externen Festplatten, wenn ich sie nicht kurz abstecke.

Das obere Laufwerk ist meine externe SSD, von der aus ich auch starte. Durch die Probleme die es zwischen dem DriveDx USB-Treiber und dem T2-Chip von neueren Macs gibt, kann man das Monitoring für freien Speicherplatz leider nicht bei jeder Festplatte ohne Einschränkungen nutzen.

Das obere Laufwerk ist meine externe SSD, von der aus ich auch starte. Durch die Probleme die es zwischen dem DriveDx USB-Treiber und dem T2-Chip von neueren Macs gibt, kann man das Monitoring für freien Speicherplatz leider nicht bei jeder Festplatte ohne Einschränkungen nutzen.

E-Mail-Reports für die Überwachung von entfernten Festplatten

Neben der Überprüfung über das Interface von DriveDx gibt es auch die Möglichkeit, sich automatisierte Reports von der Software mailen zu lassen. Diese kann man entweder zeitgesteuert in bestimmten Intervallen erstellen oder durch Warnungen der Festplatten auslösen lassen.

Hilfreich ist dies zum Beispiel, wenn man die Festplattengesundheit von Servern oder den Macs von entfernt wohnenden Bekannten im Blick behalten möchte. Natürlich kann man sich aber auch einen Report der eigenen Laufwerke mailen lassen.

Die Reports, die per E-Mail verschickt werden, lassen sich in den Einstellungen einrichten.

Die Reports, die per E-Mail verschickt werden, lassen sich in den Einstellungen einrichten.

Probleme, die DriveDx auf meinen Laufwerken gefunden hat

Um zu zeigen, wie die Auswertung von DriveDx funktioniert, habe ich meine ganzen externen Festplatten gecheckt. Die meisten zeigten keine besonderen Probleme, aber einige die Sachen hat DriveDx doch gefunden.

Das Schöne ist, die Dinge, die angemeckert wurden, werden bei DriveDx selbst für Laien klar und verständlich mit grünen, orangenen oder roten Balken und Begriffen wie "ok" und Angaben in Prozent dargestellt. Man kann sich also über dem Gesundheitszustand seiner Festplatten informieren, ohne dafür ein Diplom in Informatik abgeschlossen zu haben.

Viele der Werte in der detaillierten Auswertung sind auf den ersten Blick von den Bezeichnungen eventuell etwas kryptisch, aber die Hinweise, die man durch das Bewegen der Maus über die entsprechenden Werte erhält, geben einen guten Einblick darüber, was die Daten aussagen und welche Werte normal wären.

Hier habe ich ein paar Screenshots für euch, die einige "unnormale" Punkte bei meinen Laufwerken zeigen:

Bei dieser Festplatte ist der Load-Cycle-Count bei einem Wert von über 60.000 angelangt, wobei die durchschnittliche Menge an Load-Cycle-Counts bei ca. 300.000 bis 600.000 liegt, bevor eine Festplatte ausfällt. Die ermittelten 60.000 sind also noch keine richtige Warnung, aber schon ein Balken, der prozentual abgenommen hat.

Bei dieser Festplatte ist der Load-Cycle-Count bei einem Wert von über 60.000 angelangt, wobei die durchschnittliche Menge an Load-Cycle-Counts bei ca. 300.000 bis 600.000 liegt, bevor eine Festplatte ausfällt. Die ermittelten 60.000 sind also noch keine richtige Warnung, aber schon ein Balken, der prozentual abgenommen hat.

 

In diesem Fall hat die Auswertung des SMART-Status gezeigt, dass die Festplatte hin und wieder mit zu hohen Temperaturen zu kämpfen hat. In diesem Fall sinkt die Performace des Laufwerks, damit weniger Hitze entsteht.

In diesem Fall hat die Auswertung des SMART-Status gezeigt, dass die Festplatte hin und wieder mit zu hohen Temperaturen zu kämpfen hat. Dadurch senkt die Festplatte seine Leistung, damit weniger Hitze entsteht.

 

Bei dieser Festplatte zeigt der UDMA CRC Error Count, dass es hin und wieder Fehler bei der Datenübertragung liegt. Dies passiert interessanterweies genau bei einer Festplatte, die aufgrund eines schrägen Gehäusedesigns mit einem lockeren Stecker zu kämpfen hat. Ein schöner Hinweis, der zeigt, dass man hier definitiv ein anderes Kabel oder Gehäuse verwenden sollte.

Bei dieser Festplatte zeigt der UDMA CRC Error Count, dass es hin und wieder Fehler bei der Datenübertragung gibt. Dies passiert interessanterweise genau bei der Festplatte, die aufgrund eines schrägen Gehäusedesigns mit einem lockeren Stecker zu kämpfen hat. Ein schöner Hinweis, der zeigt, dass man hier definitiv ein anderes Kabel oder Gehäuse verwenden sollte.

Mein Fazit zu DriveDx

Ich habe DriveDx nicht vermisst und werde es vermutlich auch in Zukunft nicht täglich öffnen. Die Eigenheit der Software, schön im Hintergrund zu bleiben und mir nur bei Warnungen einen Hinweis zu geben, ist für mich sehr schön. Ich habe viele Familienfotos, etliche Festplatten mit Filmmaterial und Sicherungskopien von Kundenwebseiten auf diversen Laufwerken schlummern. Einiges davon wird schon von Backblaze gesichert, aber einige Sachen sind eben doch nur einmal vorhanden. Da ist es ein Segen, wenn man vor einem baldigen Ausfall darüber informiert wird, dass die Festplatte eventuell bald das Zeitliche segnet.

Gerade für Leute, die noch nicht viel mit Backups arbeiten, sollten vielleicht DriveDx nutzen, um im Ernstfall noch vor dem Ausfall eine Kopie der Daten ziehen zu können. Aber nicht vergessen: 36 % der Ausfälle ließen sich laut der Studie nicht vorhersagen!

DriveDx hat bei Macs mit T2-Chip nur eingeschränkte Funktionalität

Was in meinem speziellen Fall jedoch unpraktisch ist: Ich kann mir keine Reports per Mail zusenden lassen und auch keine automatischen Warnungen geben lassen, wenn meine Festplatten voll werden. Dies liegt daran, dass meine externen Festplatten für DriveDx nicht lesbar sind, wenn ich sie nach jedem Neustart nicht einmal vom Mac getrennt und wieder verbunden habe (die Erklärung dafür steht weiter oben).

Im Alltag starte ich mein MacBook Pro aber mit allen Laufwerken angesteckt und ich bin nicht gewillt, immer wieder die Platten ab- und anzustecken, wenn ich mal einen Neustart mache. Aus dem Grund werde ich wohl eine Erinnerung in meinen Kalender packen und die Laufwerke einfach manuell alle drei bis vier Wochen mit DriveDx prüfen.

Auf die Funktionalität von DriveDx möchte ich jedenfalls nicht mehr verzichten. Und ich freue mich fast schon auf die erste Festplatte, bei der ich eine Warnung erhalte, um zu schauen, wann sie dann tatsächlich den Löffel abgibt. 😉

Interessiert an der Software? Hier geht es zur Unterseite des Entwicklers:
https://binaryfruit.com/drivedx

Sir Apfelot auf SteadyHQ unterstützen

3 Kommentare

  1. Eva sagt:

    Hallo lieber Sir Apfelot,
    erstmal "Danke" für Deinen tollen Newsletter! Habe schon das ein oder andere Problem an meinen Macs damit beheben bzw. kontrollieren können!
    Jetzt möchte ich das DriveDx laden, hast Du eventuell einen Link für mich? Im deutschen Mac-Appstore bekomme ich die App nicht … und bevor ich eventuell einem dubiosen Anbieter auf den Leim gehe … hast Du bestimmt einen Tipp 😉
    Im Voraus vielen Dank für Deine Hilfe!
    Eva

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.