Wird das iPhone nie zum USB-C-Smartphone?

Geht es nach einem EU-Beschluss, sollen Smartphones künftig einheitliche Schnittstellen für Lade- und Datenkabel haben – mit großer Wahrscheinlichkeit in Form von USB-C. Apple argumentiert eher schlecht als recht dagegen, wird sich aber bei Inkrafttreten einer entsprechenden Richtlinie / eines Gesetzes für den europäischen Markt beugen müssen. Oder doch nicht? Denn anstatt für USB-C auf Lightning zu verzichten, könnte es sein, dass das Apple iPhone ab 2021 gar keinen Anschluss mehr hat. Das Aufladen des Akkus müsste dann komplett über Qi-Ladegeräte realisiert werden. Im Folgenden findet ihr Details sowie Vor- und Nachteile des möglichen Vorgehens.

Lieber ein Apple iPhone ohne Anschluss als mit USB-C? Wird das Smartphone aus Cupertino ab 2021 ohne physische Schnittstelle gebaut? Hier die Vorteile und Nachteile.

Lieber ein Apple iPhone ohne Anschluss als mit USB-C? Wird das Smartphone aus Cupertino ab 2021 ohne physische Schnittstelle gebaut? Hier die Vorteile und Nachteile.

Der Vorteil von USB-C bei allen Smartphones

Aktuell sind Smartphones auf dem Markt, die die unterschiedlichsten Anschlüsse nutzen. Neuere Modelle aus dem Android-Bereichen setzen für schnellere Ladetechniken, eine bessere Datenübertragung und eine höhere Kompatibilität mit Zubehör auf USB-C. Es gibt aber auch noch aktuelle Modelle mit Micro-USB-Anschluss. Bei Apple setzt man seit 2012 (iPhone 5) auf den Lightning-Anschluss als Schnittstelle. Das bedeutet, dass sogar im gleichen Haushalt bei entsprechender Geräteverwendung bis zu drei verschiedene Ladegeräte oder zumindest Ladekabel vorhanden sind. Eine Vereinheitlichung würde die Lader- und Kabelmenge sowie damit auch die Menge an Elektroschrott massiv reduzieren. Und deshalb gibt es auch einen entsprechenden EU-Beschluss.

Apple: Lieber kein Anschluss statt USB-C beim iPhone 2021?

Dass die kommenden iPhone 12 Modelle für 2020 noch mit Lightning-Anschlüssen ausgestattet sein werden, das kann man mit höchster Wahrscheinlichkeit annehmen. Wie aber Golem in einem Beitrag aufzeigt, könnte sich das schon nächstes Jahr grundlegend ändern. Bezugnehmend auf einen Tweet von Apple-Kenner und Leaker Jon Prosser (hier) wird aufgezeigt, dass wohl mindestens eines der 2021er iPhone-Modelle gar keinen Anschluss haben soll. Das Fehlen der physischen Schnittstelle würde ein effizientes Umgehen des EU-Beschlusses und der dadurch zu erwartenden EU-Richtlinie bedeuten. Es wird im Prosser-Tweet sowie bei Golem aufgezeigt, dass statt nur einem vielleicht sogar alle iPhone-Modelle in 2021 ohne Anschluss daherkommen könnten.

Warum der Verzicht Sinn ergibt, und warum nicht

Apple ist nicht gerade dafür bekannt, besonders offene oder mit anderer Technologie als der eigenen kompatible Systeme auf den Markt zu bringen. Die iPad Pro Modelle mit USB-C sind da eine Ausnahme, aber sie richten sich ja auch an „Pro-User“, also an jene, die wahrscheinlich auf das Tablet verzichten würden, brächte es keine USB-C-Kompatibilität. Sinn würde der Verzicht auf USB-C beim iPhone also ergeben, weil es die bekannte Firmenpolitik ist. Das war schon bei den ersten Mac-Modellen so. Eher weniger Sinn ergibt der Verzicht auf jegliche physische Schnittstelle, weil damit einige Nachteile wie fehlender Nutzungskomfort während des Akkuladens einhergehen.  Denn ein auf der Ladematte liegendes Smartphone lässt sich schlecht nutzen.

Vorteile und Nachteiles eines iPhones ohne Anschluss

Neben dem fehlenden Nutzungskomfort beim Aufladen gibt es noch weitere Kritikpunkte, die ein ohne Anschluss auskommendes iPhone auf sich laden müsste. Erst wenn Apple die damit einhergehenden Nachteile aus dem Weg räumen könnte, würde sich der Schritt hin zum Smartphone ohne physische Schnittstelle lohnen. Hier eine Übersicht:

VorteileNachteile
Besserer Schutz gegen Staub und WasserReparatur der Ladetechnik im Smartphone wäre schwieriger
Für Apple: Umgehung von EU-VorschriftenUnterwegs: Ladematte nimmt mehr Platz ein als Kabel
Für Nutzer/innen: keine Ladekabel mehrVerwendung des Handys während des Aufladens mit aktueller Technik kaum möglich
Datenaustausch und Updates funktionieren eh schon über FunkSchnellladefunktion mit aktueller Qi-Technik nicht nutzbar

Was es bräuchte: flexible, platzsparende, kabellose Ladegeräte

Als ich mit Blick auf das damals neue iPhone X in 2017 über Qi-Ladegeräte schrieb, da war „AirPower“ noch im Gespräch. Laut Jon Prosser könnte eine abgespeckte Version im Q4 2020 oder Q1 2021 auf den Markt kommen (Quelle). Doch wäre die Ladematte für iPhone, Apple Watch und AirPods-Ladecase dann nicht schon längst überholt? Sie ist kaum flexibel einsetzbar, alles andere als platzsparend und braucht ein Kabel mit (wahrscheinlich) Lightning-Anschluss. Gerade für unterwegs ist das absoluter Quatsch. Wer also aktuell auf kleine, starke GaN-Ladegeräte mit individuellem Kabel setzt, bräuchte kleinere, flexiblere Lösungen, bei deren Nutzung das iPhone weiter verwendet werden könnte und die Leistung hoch wäre – ähnlich wie beim 40-Watt-Lader von Xiaomi.

Fazit und eure Meinung zum iPhone ohne Anschluss

Ein iPhone ohne jegliche physische Schnittstelle würde in einigen wenigen Punkten Sinn ergeben. Doch die Nachteile wären nach aktuellem Stand der Technik und ihrer Verwendungsmöglichkeiten recht zahlreich und schwerwiegend. Gerade fürs mobile Aufladen des Akkus sind Kabelanschlüsse aktuell noch die beste Lösung. Und die iPad Pro Modelle haben überdies gezeigt, dass Apple-Hardware nichts an Funktionalität oder Wert verliert, wenn sie einen USB-C-Anschluss aufweist – im Gegenteil. Was ist also eure Meinung zum Thema? Sollte Apple den Lightning-Anschluss endlich für USB-C einstampfen? Sollte Apple-Hardware gänzlich auf Anschlüsse verzichten? Lasst gern einen Kommentar da 😉


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10 Kommentare

  1. Wolf sagt:

    für mich eine schwachsinnige Entscheidung Apples. Wegfallende Buchsen sind ok, aber die Wasserfestigkeit wird dadurch nicht wesentlich erhöht – es gibt Anschlussbuchsen die auch IP X9 zertifiziert sind.
    Was für mich viel schlimmer ist: beim kabellosen Laden geht Energie verloren. Ich weiß nicht, wieviel dies heute ist. Bei einem einzelnen Handy sicherlich zu verschmerzen. Aber bei hunderten von Millionen kommt da natürlich eine Riesenleistung zusammen, die einfach verbrannt wird.

  2. Max sagt:

    Wenn Apple auf eine physikalische Schnittstelle verzichten würde, würde ich auf Apple verzichten müssen.
    Mein Smartphone nutze ich seit ewigen Zeiten auch als Messgerät, Datenlogger, OBD Gerät, ect..
    Die komplette Infrastruktur neu zu kaufen, so sie denn überhaupt jemals zur verfügung stünde, steht in keinem Verhältnis.
    Dann muss eben ein Samsung als Werkzeug dienen und zum telefonieren nehm ich halt n Raspberry mit Wählsscheibe😉😂, hätt ja auch mal was.
    Da würde Apple den Bogen einfach überspannen…

  3. Renato sagt:

    Futuristisch – visionär…
    …und für die meisten von uns erstmal unvorstellbar und deshalb abwegig…

    Aber was wäre Apple ohne futuristische, visionäre und abwegige Ideen geworden?!! Steve Jobs hat uns nicht nur 1x Science Fiction in die Gegenwart „gebeamt“ 😊!
    Und seit seinem Tod hält man seinen „Erben“ ständig vor, dass es nu vorbei sei mit Innovation aus dem Hause Apple – und nu isses wieder nicht recht ?!?!!!

    Denkt einfach mal zwei, drei Schritte weiter….

    • Sir Apfelot sagt:

      Ich bin bei dir. Anfangs sicher ungewohnt und natürlich muss an der Effizienz gearbeitet werden, aber langfristig dürfte da schon was umsetzbar sein, das auch praxistauglich ist.

  4. G-S sagt:

    Ob Kabel oder nicht ist für mich nict die Frage, sondern eher die Stecker sind das Problem. Für mich vollkommen unverständlich warum Apple den Magnetstecker vom Macbook Air nicht generell als Standard durchgestzt hat. Egal ob Apple oder andere Geräte, meist ist der erste Defekt der Stecker oder die Buchse. Steckerlos sollte die Devise sein! Muss j anicht zwangsweise Kontaktlos mit Matte sein oder?

    • Sir Apfelot sagt:

      Der Magnetstecker ist für Strom ok, aber wenn du Daten durchschiebst (wie zum Beispiel am iPad Pro USB-C auf einen externen Speicher), dann willst du eine "feste" Verbindung haben, denn eine Magnetverbindung wird nicht die Verlässlichkeit haben, wie ein Stecker und eine Unterbrechung beim Schreiben auf eine Festplatte kann die ganze Platte unlesbar machen. Das wäre etwas unglücklich…

      • G-S sagt:

        Hi, Deine Ausage ist korrekt wenn es sich um Ipad etc. dreht.
        Beim Iphone ist der Stecker gegenüber dem Magnetsöpsel im Nachteil.
        Ich musste noch nie per Kabel auf mein Iphone zugreifen. Ein Freund von mir ist durch Krankheit in den manuellen Fähigkeiten eingeschränkt, für den habeich im Netz so nen einfachen Magnetadapter-Stecker besorgt, der ist überglücklich damit.
        Gruß
        G-S

  5. Elisabeth Hillebrand sagt:

    Es gibt bessere Möglichkeiten Elektroschrott zu vermeiden. Da sollte sich die
    EU was Besseres einfallen lassen. Mit jedem neuen Gerät gibt es doch eh wieder ein neues Kabel. Und andere Geräte wie e-book, Kameras brauchen auch welche. Sollen die auch vereinheitlicht werden? Ich würde Lightning sehr vermissen. Wenn es dann so kommt, könnte ich mir ein iPhone in UK kaufen?

    • Sir Apfelot sagt:

      Du kannst dir immer ein iPhone in UK kaufen. Aber ich bezweifele, dass Apple für den EU-Markt ein eigenes Modell herausbringen wird. 😀

  6. AndyG68 sagt:

    Der Verlust eines Steckers wäre in meinen Augen auch erstmal alles andere als angenehm aber wir wissen ja noch gar nicht wie Apple das umsetzen wird.

    Vorstellbar wäre doch eine leichte, kleine Ladematte die magnetisch am Gerät hält und somit die Nutzung des iPhones trotz laden weiter ermöglicht.

    Auch wissen wir das Apple gerade im Bereich der kabellosen Verbindung zwischen iMac, MacBook, iPhone etc. vorzügliche Arbeit leistet.

    Lassen wir uns überraschen bevor wir eine Kuh durchs Dorf jagen 😉

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