Amazon Projekt Kuiper – Entwicklung, Zahlen und Kritik

Dass der Amazon-Konzern sowie vor allem dessen Gründer Jeff Bezos in der Raumfahrtindustrie mitspielen, das ist kein Geheimnis. Bereits seit September 2000 besteht das von Bezos gegründete Unternehmen Blue Origin, welches sich mit der Raumfahrt auseinandersetzt. Dass eine weitere Firma, die aus Amazon hervorging, außerdem tausende Satelliten für die Internetversorgung weiter Teile der Welt in verschiedene Erdorbits bringen will, das wurde 2019 bekannt. Ähnlich wie Starlink von Elon Musks SpaceX, das bereits um die Erde kreist und Internet aus dem All ermöglicht, soll das Projekt Kuiper von Amazons Kuiper Systems LLC funktionieren – und genauso die Erdumlaufbahnen zumüllen.

Amazon Projekt Kuiper, SpaceX Starlink, OneWeb und mehr – Internet aus dem Erdorbit, Weltraumschrott sowie Krieg über der Erde werden vorangetrieben von der Privatwirtschaft bzw. einzelnen Milliardären.

Amazon Projekt Kuiper, SpaceX Starlink, OneWeb und mehr – Internet aus dem Erdorbit, Weltraumschrott sowie Krieg über der Erde werden vorangetrieben von der Privatwirtschaft bzw. einzelnen Milliardären.

In aller Kürze: Was ist Projekt Kuiper?

  • Ein Projekt der Kuiper Systems LLC, einer Amazon-Tochter
  • Im Top-Management des Unternehmens sitzen ehemalige SpaceX-Manager/innen, die 2018 von Elon Musk entlassen wurden, weil diesem die Entwicklung des Unternehmens zu langsam voranschritt
  • Das Projekt wurde 2019 nicht durch direkte Bestreben der Firma bekannt, sondern weil für die Nutzungserlaubnis der zu belegenden Funkfrequenzen einige Pflichtveröffentlichungen zu tätigen waren
  • Insgesamt sollen demnach zukünftig 3.236 Satelliten auf drei Orbits aufgeteilt (590 km, 610 km und 630 km Höhe) um die Erde fliegen
  • Abgedeckt werden soll tendenziell ein Bereich von 56° nördlicher Breite bis 56° südlicher Breite, was einem Bereich entsprechen soll, der 95% der Weltbevölkerung abdeckt
  • Neben den Satelliten ist ein Netz von Bodenstationen nötig, die „Gateway Earth Stations“ genannt werden
  • Aus den Funklizenzbestimmungen geht hervor, dass die Hälfte der Satelliten bis zum Jahr 2026 in den Einsatz gebracht und der Rest bis 2029 aktiv sein müssen

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Wie kommen 3.236 Satelliten in den Erdorbit?

Aktuellen Angaben zufolge sollen 784 Satelliten in einer Höhe von 590 km platziert werden. Weitere 1.296 Satelliten sollen in einer Höhe von 610 km über der Erde kreisen. Und die dritte Gruppe von insgesamt 1.156 Satelliten soll sich in einer Höhe von 630 km tummeln. Doch wie kommen die alle da hoch? Wie in einem Artikel von Ars Technica vom April 2022 aufgezeigt, so sollen drei Raumfahrtunternehmen mit insgesamt 68 bis 83 Flügen den Transport übernehmen. Unter der (übersetzten) Überschrift „Jeff Bezos und Amazon haben gerade alle außer SpaceX für Projekt Kuiper eingestellt“ gibt es folgende Übersicht:

  • Mit der Ariane 6 Rakete von Arianespace sind 18 Starts geplant
  • Mit der New Glenn Rakete von Blue Origin sind 12 Starts geplant (mit Option für 15 weitere)
  • Mit der Vulcan Rakete von der United Launch Alliance sind 38 Starts geplant

Ein Wettbewerb mit unbekannten Teilnehmer/innen

Wer jetzt denkt, dass mit den Internet-Satelliten von Jeff Bezos und Elon Musk einfach nur deren Weltraum-Wettlauf, der bereits mit Blue-Origin- und SpaceX-Flügen ausgetragen wurde, weitergeht, denkt nicht kapitalistisch genug. Natürlich gibt es noch andere Firmen, die sich einen Platz im Orbit sichern sowie vom gigantischen Markt der weltweiten Internetabdeckung profitieren wollen. Ein Beispiel dafür wäre OneWeb, ein 2012 gegründetes Unternehmen, das seine ersten Satelliten 2019 platzierte. Weitere folgten in 2020, dann stand erst einmal ein Insolvenzverfahren an. Nachdem OneWeb aufgekauft und damit wieder im Geschäft war, ging es aber weiter – insgesamt sind bis zu 6.372 Satelliten für deren weltweite Internetversorgung geplant.

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Niedriger, schneller, mehr: Starlink als größter und bekanntester Mitbewerber

Weltraumflüge für Reiche, Mondbasen, Marskolonialisierung und vieles mehr bringt man mit Elon Musk und SpaceX in Verbindung. Aber kennt ihr schon die geplante Satelliten-Anzahl, die für das Starlink-Internet in verschiedenen Höhen und Umlaufbahnen über der Erde platziert werden soll? Bis zu 42.000 Stück sollen es sein. Dafür sind verschiedene Schritte geplant, von denen die ersten bereits abgeschlossen sind. Die Höhen rangieren von 328 km bis 614, wobei die Bahnhöhen im Low Earth Orbit (LEO) schnelle Reaktionszeiten und damit geringste Latenz versprechen. Phase 1 und 2 brachten schon 4.408 Satelliten nach oben; Phase 3 stellt das mit weiteren 30.000 Stück in den Schatten.

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Platzprobleme, Sicherheitsrisiken und Müll

Die Aufstockung von 1.091 erdumkreisenden Satelliten in 2012 auf 4.877 über der Erde befindlichen Satelliten in 2021 sowie Pläne für weitere Platzierungen aus den Reihen der Privatwirtschaft zeigte auch das ZDF Magazin Royale in einem Beitrag vom 23.09.2022 auf. Dabei ging es vor allem um SpaceX von Elon Musk, aber auch um Projekt Kuiper von Amazon und Jeff Bezos. Starlink als privatwirtschaftliches Satelliteninternet eines Milliardärs hatte zudem direkte Folgen auf die Entwicklung des Angriffskriegs von Russland in der Ukraine – zwar zum Vorteil der angegriffenen Ukraine, aber dennoch eine streitbare Entwicklung der gesamten Kommunikationslage. Warum im Weltraum so viel für private Unternehmen möglich ist, wird ebenso aufgezeigt.

Weiterhin geht es um die Kriegsführung im Bereich der tausenden und potenziell zehntausenden Satelliten. Mehrere Staaten haben bereits die Zerstörung von Satelliten geprobt. Die Folge war dabei aber nicht nur die Ausschaltung eines Kommunikationsgeräts, sondern auch die Schaffung von Weltraumschrott, der gefährlich für andere erdkreisende Gerätschaften sowie auch die Internationale Raumstation ISS ist. Dazu berichtete heise online im November 2021, weil sich die ISS-Besatzung aufgrund von Weltraumschrott in die Raumkapseln zurückziehen musste. Der Schrott resultierte übrigens aus einer Satellitenzerstörung, die sich bereits 2007 aufgrund eines Raketentests seitens China ereignete. Auch dazu mehr im ZDF-Bericht:

Kritik an Projekt Kuiper, Starlink und ähnlichen Unternehmungen

Neben dem immer wieder in den Vordergrund gestellten Ziel der weltweiten Internetversorgung – u. a. auf abgelegenen Inseln, auf dem Meer, im Wohnmobil und sonstwo – ergeben sich also viele Probleme mit dem immer dichter werdenden Netz aus Satelliten in Erdnähe. Bei OneWeb gibt man die Lebensdauer der Funktechnik übrigens mit lediglich fünf Jahren an, was am Aufwand für Installation und (noch nicht ausreichend entwickelter) Beseitigung gemessen ein Witz ist. Zudem wird die Weltraumbeobachtung von der Erde aus gestört. Und nicht zuletzt werden die einzelnen Unternehmen sicher nicht primär von privaten Nutzer/innen und deren Internettarifen leben, sondern vielmehr von Finanzierungen aus dem militärischen Bereich.

In dem Wikipedia-Beitrag, den ich weiter oben als Quelle für die Angaben zu Starlink verlinkt habe, findet ihr unter der Überschrift „Kritik“ übrigens noch ausführlicher ausformulierte Negativpunkte. Diese lassen sich eigentlich übergreifend auch auf Projekt Kuiper, OneWeb und Co. anwenden. Die ersten zwei Punkte „Weltraumschrott“ und „Kollisionsrisiken“ werden zudem gut in einem Video von Terra X zusammengefasst, das zwar bereits seit 2018 online ist, aber nicht wirklich etwas an seiner Aktualität eingebüßt hat – im Gegenteil. Und damit schließe ich diesen Beitrag vorerst. Wenn ihr noch Ergänzungen habt, lasst gern einen Kommentar da.


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