Datenschutz auf dem iPhone gehört für mich zur Grundausstattung, ähnlich wie ein vernünftiges Backup. Wer sein Smartphone täglich für Banking, Kommunikation und Recherche nutzt, hinterlässt Spuren, die weiter reichen, als die meisten ahnen. Apple liefert mit iOS zwar eine ordentliche Basis, an einigen Stellen müsst ihr aber selbst nachhelfen.
Ich habe in den letzten Jahren einige Apps zu dem Thema ausprobiert, ein paar wieder gelöscht und fünf dauerhaft auf meinem iPhone behalten. Genau diese möchte ich euch hier vorstellen, weil sie in der Praxis etwas bringen und nicht nur ein Datenschutz-Etikett auf einer ansonsten löchrigen App tragen.

Warum iOS-Bordmittel nicht immer reichen
Mit iOS 14.5 hat Apple damals die App-Tracking-Transparenz eingeführt, und seitdem fragt jede App, ob sie euch über andere Apps und Webseiten hinweg verfolgen darf. Das ist eine Verbesserung gegenüber früher, hat aber zwei Haken: Erstens gilt die Sperre nur für die werbliche IDFA-Kennung, nicht für andere Tracking-Methoden wie Fingerprinting oder serverseitige Profilbildung. Zweitens sammeln viele Apps weiterhin Daten im Hintergrund, etwa Standort, Kontakte oder Nutzungsverhalten, und die Tracking-Frage betrifft das nur am Rande.
Mein Rat: Geht regelmäßig in Einstellungen > Datenschutz & Sicherheit und schaut euch die Berechtigungen einzeln an. Vor allem der Standortzugriff wird oft viel großzügiger gewährt, als es die App eigentlich bräuchte. Viele Apps kommen mit "beim Verwenden" aus, statt dauerhaft mitzulesen. Wenn ihr dort einmal aufgeräumt habt, helfen euch die folgenden Apps dabei, die Lücken zu schließen, die iOS systembedingt offen lässt.
Der Wunsch nach mehr Kontrolle über persönliche Daten zeigt sich übrigens längst auch in anderen Bereichen. Manche bevorzugen inzwischen Plattformen, auf denen sie ohne Datenabfrage spielen können, statt umfangreiche Registrierungs- und Trackingprozesse zu durchlaufen. Ähnliches sehe ich bei verschlüsselten Messengern, datenschutzorientierten Browsern, temporären E-Mail-Diensten und Suchmaschinen, die auf Profilbildung verzichten. Dahinter steckt ein breiterer Trend: Viele Menschen überlegen sich heute genauer, wem sie welche Information überlassen.
1. Brave Browser: Tracker-Blocker ohne Frickelei
Wenn ich nur einen Browser auf dem iPhone empfehlen müsste, wäre es Brave. Der Browser basiert auf Chromium, also derselben Engine wie Chrome, blockiert aber von Haus aus Werbung, Tracker und Fingerprinting-Versuche. Auf iOS ist die Sache technisch etwas eingeschränkter als auf dem Mac, weil Apple alle Browser zwingt, WebKit als Rendering-Engine zu nutzen. Trotzdem bringt Brave seine sogenannten "Shields" mit, und die merkt man im Alltag deutlich.
Was mir gefällt: Ihr müsst nichts konfigurieren. App installieren, öffnen, fertig. Wer mag, kann den Schutz pro Webseite anpassen, falls eine Seite mit aktivem Schutz Probleme macht. Die Ladezeiten verbessern sich nebenbei spürbar, weil Werbe- und Tracker-Skripte gar nicht erst geladen werden. Das spart bei Mobilfunknutzung auch Datenvolumen.
Brave hat zusätzlich ein optionales Werbeprogramm namens "Brave Rewards", bei dem ihr für das Anzeigen datenschutzfreundlicher Anzeigen die hauseigene Kryptowährung BAT bekommt. Das Ganze ist Opt-in, ihr müsst es also aktiv einschalten. Wer damit nichts anfangen kann, lässt es einfach aus und surft komplett werbefrei. Ich mache das seit Jahren so und vermisse nichts.
2. Onion Browser: Tor-Netzwerk fürs iPhone
Wenn ich anonym recherchieren möchte, etwa zu sensiblen Themen oder bei Recherchen, die ich nicht mit meinem normalen Surf-Profil verknüpfen will, greife ich zum Onion Browser. Die App leitet euren gesamten Datenverkehr über das Tor-Netzwerk und verschleiert eure tatsächliche IP-Adresse über mehrere Knotenpunkte hinweg. Das ist zum einen für Journalisten oder Whistleblower relevant, taugt aber genauso für ganz normale Nutzer, die einfach mal etwas nachlesen wollen, ohne dass Google direkt einen Zusammenhang zu ihrem Profil herstellt.
Wichtig zu wissen: Tor ist langsamer als ein normaler Browser, weil eure Daten mehrere Stationen durchlaufen. Für Streaming oder Banking ist die App also nicht geeignet. Für gezielte Recherchen reicht die Geschwindigkeit aber locker aus. Auch der Datenschutzkanton Zürich bestätigt in seinen Empfehlungen für datenschutzfreundliche Apps, dass Onion Browser eine gute Wahl für anonymes Surfen ist.
Den Onion Browser würde ich nicht als täglichen Hauptbrowser einsetzen, aber als Zweitbrowser für bestimmte Situationen ist er bei mir gesetzt. Eine Kombination aus Brave für den Alltag und Onion Browser für sensible Recherchen deckt das ab, was die meisten Nutzer brauchen.
3. Signal: Der Standard für verschlüsselte Kommunikation
Bei den Messengern führt für mich kein Weg an Signal vorbei. Die App nutzt das Signal-Protokoll, das mittlerweile auch andere Messenger im Hintergrund einsetzen, etwa WhatsApp. Der Unterschied liegt aber nicht nur in der Verschlüsselung, sondern in dem, was drumherum passiert. Signal speichert praktisch keine Metadaten, gibt nichts an Werbenetzwerke weiter und ist als gemeinnützige Stiftung organisiert, die kein Geschäftsinteresse an euren Daten hat.
Was ich an Signal mag, ist die Schlichtheit. Nachrichten, Sprachanrufe, Videoanrufe, Gruppen, Sticker, Stories, das alles funktioniert wie erwartet. Verschwindende Nachrichten lassen sich pro Chat aktivieren, auch der Hintergrund eurer Profilfotos ist verschlüsselt. Die App ist Open Source, der Code lässt sich also überprüfen, und das wird von der Sicherheits-Community auch regelmäßig getan.
Noch ein Tipp: Signal verlangt für die Anmeldung weiterhin eine Telefonnummer, ihr könnt sie aber inzwischen vor euren Kontakten verbergen und stattdessen einen Benutzernamen nutzen. Die App ist dadurch auch dann brauchbar, wenn ihr eure Nummer nicht mit fremden Gesprächspartnern teilen wollt.
4. Threema: Anonym ohne Telefonnummer
Threema ist die einzige kostenpflichtige App in dieser Liste. Der Schweizer Anbieter verzichtet komplett auf Pflichtangaben wie Telefonnummer oder E-Mail-Adresse. Bei der Einrichtung erstellt die App eine zufällige Threema-ID, und nur die teilt ihr mit euren Kontakten. Wer maximale Anonymität möchte und gleichzeitig auf Komfort nicht verzichten will, ist hier richtig.
Die App ist DSGVO-konform und speichert Nachrichten nur kurzzeitig auf den Servern, bis sie zugestellt wurden. Anschließend werden sie gelöscht. Threema habe ich in der Praxis weniger oft im Einsatz als Signal, weil weniger Leute aus meinem Umfeld den Messenger nutzen. Für sensible berufliche Kontakte oder für Konversationen, die nicht mit der eigenen Identität verknüpft sein sollen, finde ich die App aber sehr gelungen.
Auch in den Datenschutz-Einstellungen-Empfehlungen von Konsumentenschutz wird Threema als geeignete Lösung für iPhone-Nutzer genannt. Der Kaufpreis von einigen Euro ist meiner Meinung nach gut investiert, schließlich finanziert ihr damit den Betrieb statt mit euren Daten zu bezahlen.
5. Wire: Verschlüsselung für Teams und Arbeitsumgebungen
Wire richtet sich eher an Nutzer, die Verschlüsselung nicht nur privat, sondern auch für berufliche Kommunikation einsetzen wollen. Die App stammt aus Europa, ist DSGVO-konform und bietet Chat, Sprachanrufe, Videokonferenzen und Dateifreigaben mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Eine Registrierung ist mit E-Mail-Adresse möglich, eine Telefonnummer ist nicht nötig.
Wire eignet sich gut für kleine Teams oder Projekte, bei denen ihr nicht auf einen großen Anbieter wie Microsoft oder Google zurückgreifen wollt. Die Oberfläche ist aufgeräumt, und die App synchronisiert sauber zwischen iPhone, iPad und Mac. Für rein private Kommunikation würde ich eher Signal oder Threema empfehlen, für die Arbeit mit Kollegen, Freelancern oder externen Partnern ist Wire die bessere Wahl.
Was sich darüber hinaus lohnt
Über die fünf genannten Apps hinaus lohnt sich ein Blick auf Dienste, die das Prinzip der Datensparsamkeit ebenfalls ernst nehmen. Bei Cloud-Speicher ermöglicht ein Anbieter wie Tresorit verschlüsselten Dateiaustausch, ohne dass der Anbieter selbst auf eure Inhalte zugreifen kann. Auch temporäre E-Mail-Dienste oder Suchmaschinen wie Startpage, DuckDuckGo oder Kagi sind meiner Meinung nach eine Überlegung wert, wenn ihr Google nicht jeden Klick mitteilen möchtet.
Wer noch einen Schritt weitergehen möchte, kann auf dem Mac und iPhone zusätzlich mit einem VPN arbeiten oder bei iCloud die Funktion "Privat-Relay" aktivieren, sofern ihr iCloud+ habt. Diese leitet euren Safari-Traffic über zwei separate Server und versteckt eure IP-Adresse vor den besuchten Seiten. Das ist kein vollwertiges VPN, aber für viele Alltagssituationen eine gute Ergänzung ohne Zusatzkosten.
Wie ich das sehe
Datenschutz ist kein einmaliges Setup, das man am Wochenende einrichtet und dann vergisst. Ich gehe selbst alle paar Monate die App-Berechtigungen meines iPhones durch, lösche Apps, die ich nicht mehr nutze, und prüfe, ob neue Versionen der genannten Tools sinnvolle Änderungen mitbringen. Der Aufwand hält sich in Grenzen, und das Ergebnis ist ein iPhone, das weniger über mich erzählt, als es ohne diese Pflege tun würde.
Wenn ihr nur eine einzige App aus dieser Liste mitnehmen wollt, dann Brave als Browser oder Signal als Messenger. Beide sind kostenlos, einfach einzurichten und bringen sofort einen spürbaren Unterschied. Den Rest könnt ihr nach und nach ergänzen, je nachdem, wie tief ihr in das Thema einsteigen möchtet.
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