Venezuela: Sprengstoff-Attacke mit Drohnen des Herstellers DJI

Regelmäßige Besucher von Sir-Apfelot.de haben sicher schon den einen oder anderen Beitrag über DJI an dieser Stelle gelesen. Der chinesische Hersteller für Profi-Drohnen und Hobby-Fluggeräte mit Kameras für Fotos und Videos hat viele Modelle im Sortiment, die man für den Urlaub, für Fotos aus der Luft sowie für halb- und vollprofessionelle Filmprojekte empfehlen kann. Anfang des Monats wurden zwei „DJI Matrice 600“-Drohnen allerdings für perfidere Zwecke präpariert – jeweils mit C4-Sprengstoff beladen sollten Sie bei einer Militärparade in Venezuela den Präsidenten Nicolás Maduro attackieren.

Ein Attentat mit DJI Drohnen: Sprengstoff sollte Anfang des Monats bei einer Militärparade in Venezuela zum Präsidenten Nicolás Maduro geflogen werden.

Ein Attentat mit DJI Drohnen: Sprengstoff sollte Anfang des Monats bei einer Militärparade in Venezuela zum Präsidenten Nicolás Maduro geflogen werden.

Zwei DJI Matrice 600 attackierten Militärparade in Venezuela

Unter anderem WeTalkUAV.com hat in einem Beitrag über den Vorfall informiert und ein Video eingebunden, dass eine der Drohnen zeigt. Zu sehen ist der Anflug der Drohne sowie deren Explosion in der Luft. Laut dem Artikel sowie weiteren Quellen wurden dabei sieben Soldaten verletzt. Die zweite erwähnte Drohne flog in ein Fenster eines Wohnhauses und verursachte in der entsprechenden Wohnung einen Brand. Deshalb war auch erst von einer Gasexplosion die Rede, welche nicht zuletzt aufgrund der Videoaufnahmen der anderen Drohne dementiert wurde.

Zum Attentat bekannt hatte sich via Twitter die Gruppe „Soldados de Franela“, berichtete unter anderem die spanische Seite ElMundo.es in einem Artikel. Im Tweet meinte die Gruppe, dass die Drohnen von Scharfschützen abgeschossen wurden. Nicolás Maduro sprach in einer Pressekonferenz jedoch von der venezuelischen Rechten, die das Attentat in Zusammenarbeit mit der kolumbianischen Rechten durchgeführt haben soll. Auch beschuldigte er als einen der Hintermänner den bis Anfang August 2018 im Amt des Präsidenten von Kolumbien gewesenen Juan Manuel Santos. 

Video zum Thema von TRT World (Englisch):

Video zum Thema von Reuters (Deutsch):

Welche Auswirkung hat das Attentat auf Drohnen-Hersteller?

Diese Frage hat unter anderem Dezeen.com aufgeworfen und DJI auf die Gefahren von ferngesteuerten, unbemannten Fluggeräten dieser Art angesprochen. In einem Artikel wurden die Aussagen des weltgrößten Drohnenherstellers veröffentlicht. Die Grundaussage lautet, dass man sich zwar darum bemühe, dass die Drohnen in ihrer Grundfunktion friedlich agieren und für friedliche Zwecke eingesetzt werden, dass man aber limitiert sei in der Möglichkeit, die letztendliche Verwendung der Produkte zu überwachen. Zudem müssen die Anwender für ihre Aktionen zur Rechenschaft gezogen werden, nicht die Hersteller. 

Darüberhinaus berichtete DJI gegenüber dem Magazin von der Zusammenarbeit mit Regierungen und Aufsichtsbehörden weltweit, um den Himmel zu einem sicheren Raum für Innovationen zu machen. In diesem Zusammenhang wurde dann auch das sogenannte Geofencing genannt, mit dem der Drohneneinsatz an bestimmten Orten oder um bestimmte Areale (Flughäfen, Militärbasen, Innenstädte, etc.) eingeschränkt bzw. komplett blockiert werden könnte. Einschränkungen von DJI und anderen Herstellern hinsichtlich Produktion und Verkauf der Fluggeräte sind aufgrund des Attentats oder ähnlicher Fälle nicht zu erwarten.

Drohnen sind eigentlich eine Militärtechnologie

Wie GPS und viele andere technische Entwicklungen, die mittlerweile im Alltag von Otto-Normal-Verbrauchern Anwendung finden, so sind auch Drohnen der militärischen Entwicklung entwachsen. Unbemannte Fluggeräte, die im Vergleich zu Flugzeugen oder Raketen klein, leise und flexibel lenkbar sind – ideal für die moderne Kriegsführung. Durch die günstigere Entwicklung und Herstellung sowie Anwendungsmöglichkeiten in Film, Fotografie und Industrie wurden die Geräte massentauglich. Genauso wie GPS für Navigationsgeräte. Und neben destruktiven Einsätzen gibt es natürlich auch Fälle, in denen Drohnen Leben gerettet haben.

Sir Apfelot auf SteadyHQ unterstützen

5 Kommentare

  1. Tom sagt:

    Der Spiegel schreibt ja schon in seinem jüngsten Artikel über Drohnen in der Unterüberschrift: “Sie spionieren, sie überwachen, sie tragen Bomben.”

    Kein Wunder, dass hier die Hexenjagd eröffnet wird und der 0815 Horst aus dem ländlichen Dorf sofort die Polizei ruft und mich mit einem Stock attackiert, wenn er mich auf einem Feld mit der Drohne sieht.

    • Sir Apfelot sagt:

      Ja, auf dem Feld hat mich jetzt noch niemand schräg angemault, aber wenn man in Wohngegenden oder Städten unterwegs ist, kommt eigentlich immer jemand. Selbst wenn man dann Genehmigung, Versicherung und Drohnenführerschein vorlegt, sind die meisten am meckern. Ich empfehle dann immer, sie sollen das Ordnungsamt oder Polizei anrufen und nachfragen. Dann gebebn die meisten Ruhe. 😀 Aber man muss schon eine Engelsgeduld mitbringen, um professioneller Drohnenfotograf zu sein… ich würde das auf Dauer nicht als Hauptjob aushalten.

      • Tom sagt:

        Mir hat es den Spaß versaut, muss ich ehrlich sagen. Jeder, der sich von Medien blenden lässt, ist auf einmal Hobbypolizist und geht mit so einer Aggression vor, das ist ohne Worte. Selbst im Wald werde ich schon krumm angemacht. Meine Mavic Pro ist schon 1 Jahr auf dem Boden. genau 2x geflogen.

        Die Lust ist mir leider gänzlich vergangen. Bin da bei Dir. Als Hauptjob würde ich da eingehen.

        • Sir Apfelot sagt:

          Ja, es ist schade. Die Technik ist so gut… aber die Leute in Deutschland nicht bereit dafür. Jeder Seppel darf mit dem Hubschrauber über dein Haus bröseln, aber wenn ich mit ne 300 Gramm Drohne fliege, ist es verboten. Da vertehe ich auch nicht die Logik. Aber egal… mit der neuen EU-Regelung tut sich ja mal wieder ein bisschen was. Dann müssen wir nur noch die griesgrämigen Drohnenhasser bekehren und schon wird es wieder Spaß machen! 😀

  2. Sascha Hönisch sagt:

    Das ist ein Witz in Venezuela … das Land verfügt über riesige Erdöl vorkommen … aber der extrem Sozialistischen Weg den das Land ging … hat es völlig heruntergewirtschaftet … dann die Medien die über den Drohnenangriff berichten als wäre Maduro es selbst gewesen … der Mann ist recht unbliebt im eigenen Lande … solch ein Angriff lässt ihn schwach aussehen und schwächt seine Position nur noch mehr … um härter gegen die Opposition vorgehen zu können braucht er einen solchen Unfug auch nicht … es sind mehrere seiner Soldaten dabei verletzt worden … die USA haben damit auch nichts am Hut … es ist das Volk das unter der Regierung leidet … das Teile dann gegen ihn aufbegehren, auch mit solchen Mittel ist nur logisch … obwohl sie sich den Mist ja auch selbst eingebrockt haben … wirklich eine Schande … Venezuela hatte alle Voraussetzungen ein blühendes Land werden zu können … aber an den dortigen Menschen ist es gescheitert …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.