GameStop und der Flashmob-Aktienhandel

Ob Tagesschau, Twitter, Technik- oder Finanzmagazine: Aktuell kommt man kaum an den Themen „GameStop“ und „Börse“ vorbei. In diesem Beitrag versuche ich mal, die Ereignisse, die dazu führten, verständlich aufzuzeigen. Allgemein lässt sich schon einleitend folgendes sagen: Kleinanleger/innen haben sich organisiert, um einen Aktienkurs so zu manipulieren, dass vor allem Hedgefonds und Großanleger, die auf einen sinkenden Kurs gewettet haben, Verluste erzielen. Denn an der Börse geht es nicht mehr nur um Kaufen, Warten und Verkaufen. Es gibt ausgeklügelte Geschäftsmodelle, die Unternehmensaktien als Wettinhalte nutzen. Und das ist einigen Anleger/innen nun auf die Füße gefallen.

GameStop und der Flashmob-Aktienhandel: Was sind Leerverkäufe und wie verdienen Hedgefonds daran? Wie hat sich Reddit eingemischt? Hier versuche ich mich an einer Erklärung zur Causa GameStop-Aktie.

GameStop und der Flashmob-Aktienhandel: Was sind Leerverkäufe und wie verdienen Hedgefonds daran? Wie hat sich Reddit eingemischt? Hier versuche ich mich an einer Erklärung zur Causa GameStop-Aktie.

GameStop: Hedgefonds wetten auf sinkende Kurse (und verlieren)

Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht, neben der Organisation von kleineren Anleger/innen (s. u.), vor allem der Begriff „Leerverkauf“. Dabei leihen sich Hedgefonds Wertpapiere und verkaufen sie auf dem Markt. Später, wenn der Kurs gesunken ist, kaufen sie die Wertpapiere wieder zurück und geben sie an die Verleihenden ab. Damit wird – wenn alles gut läuft – durch den Verkauf eine Summe eingenommen, welche nicht nur den Rückkauf und die Leihgebühren deckt, sondern auch einen Gewinn bedeutet.

Es geht also bei diesen Leerverkäufen, bei denen teils extrem hohe Summen an Geld bewegt werden, nicht darum, Unternehmen zu unterstützen oder ein langfristiges Portfolio aufzubauen. Vielmehr ist es ein Glücksspiel. Bei schwächelnden Unternehmen, deren Aktienkurs tendenziell sinken wird, ist das Ganze relativ sicher. Aufgrund der Covid-19-Pandemie waren sich die Großanleger im Hinblick auf die Leerverkäufe der Ladenkettenaktie „GameStop“ sicher, dass sie die höher verkauften Aktien später zum kleinen Preis zurückbekommen.

Reddit und Co: Wie die GameStop-Aktie ihren Boom erlebte

Anfang des Jahres 2021 lag die Aktie des Unternehmens GameStop (auch in Deutschland mit Läden in Einkaufspassagen u. ä. vertreten) bei rund 20 US-Dollar. Nachdem aber unter anderem im Subreddit r/WallStreetBets bekannt wurde, dass die sinkenden Preise von Hedgefonds für Leerverkäufe genutzt werden, stiegen die (mittlerweile 7,8 Millionen) Nutzer/innen in den Handel ein. Sie kauften koordiniert die GameStop-Aktie und trieben so den Preis nach oben. Für die leerverkaufenden Hedgefonds bedeutete das: die billig verkauften Aktien mussten extrem teuer zurückgekauft werden.

Anja Kohl, die Börsenkorrespondentin der Tagesschau an der Frankfurter Börse, betont im Video zu diesem Bericht, dass das Ganze funktioniert hat, weil sich „die Kleinen“ zu einer „Schwarmintelligenz mit kritischer Masse“ zusammengefunden haben. Das Vorgehen funktioniere dabei vor allem bei angeschlagenen Unternehmen. Allerdings sind auch große, sonst als „gesund“  zu bezeichnende Unternehmen durch die Corona-Pandemie derzeit angeschlagen. Also gibt es für diese nicht per se eine Garantie für den Schutz gegen Internetaktivismus.

Nützlicher Aktivismus oder zig Straftaten?

Nun kann man sich fragen, ob sich die Aktion nicht schon gelohnt hat, weil bei Sir Apfelot nun erklärt wird, was man unter „Leerverkäufen“ versteht. Oder ob es sich einfach nur um illegale Marktmanipulation von Millennials handelt, die mit GameStop schöne Kindheitserinnerungen an Videospiele verbinden und es deshalb als Instrument genutzt haben, um reichen Glücksspieler/innen an der Börse eins auszuwischen. Am Ende ist es wohl beides. Denn ohne diese Aktion wären Themen wie Hedgefonds, Leerverkauf und Co. nicht ins Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit gerutscht.

Was sollen nun aber die Folgen sein, außer dass Strafverfolgungsbehörden jetzt weltweit einiges zu tun bekommen könnten? Braucht es eine Marktregulierung, um Glücksspiel-Geschäfte zu unterbinden? Braucht es eine Regulierung, die kontrollierte Kleinanleger/innen-Käufe verhindert (und damit in den Markt eingreift sowie nur Großhandelnde schützt)? Muss es mehr Abgaben auf Erträge aus Finanzgeschäften geben, damit diese dem Gemeinwohl dienen? Und was passiert am Ende mit GameStop als Unternehmen? Die ganze Aktion wirft also viele Fragen auf, die Wirtschaft und Politik noch lange beschäftigen werden.

GameStop und die Börse: Weiterführende Links

Ich erhebe mit diesem Beitrag keinen Anspruch auf eine umfangreiche Aufklärung zum Thema. Deshalb möchte ich euch für eure eigene Recherche noch ein paar Startpunkte aufzeigen. Einen davon findet ihr ja schon in Form des Tagesschau-Beitrags weiter oben verlinkt. Des Weiteren können euch diese Seiten weiterhelfen:


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