Holprige Siri-Entwicklung: Team-Chaos, Machtkämpfe und Einschränkungen

Interne Differenzen in den jeweils zuständigen Teams, verschiedene Machkämpfe unter Führungskräften, zu konservative Einstellungen gegenüber neuer KI-Technik sowie die Abwanderung von Fachkräften sollen bei Apple in den letzten Jahren für die eher holprige Weiterentwicklung der Siri genannten virtuellen Assistenz geführt haben. Das Team, welches an dem Mixed-Reality-Headset arbeitet, soll sogar in Betracht gezogen haben, eine eigene Sprachsteuerung für das neue Gerät zu entwickeln, weil Siri nicht die nötigen Fähigkeiten bietet. Das alles geht aus einem Bericht hervor, den Wayne Ma für The Information geschrieben hat.

Die Weiterentwicklung von Siri wird nicht nur von außen betrachtet als zu langsam angesehen. Auch intern gibt es wohl viele Probleme und Spott. Bei Apple scheinen Weiterentwicklungen und Modernisierungen der Sprachassistenz aktiv unterbunden zu werden.
Die Weiterentwicklung von Siri wird nicht nur von außen betrachtet als zu langsam angesehen. Auch intern gibt es wohl viele Probleme und Spott. Bei Apple scheinen Weiterentwicklungen und Modernisierungen der Sprachassistenz aktiv unterbunden zu werden.

Chaos, Streits und Einschränkungen in der Siri-Entwicklung

Leider kann ich mir nicht alle Abos leisten, die nötig wären, um immer alle Informationen aus allen Paywall-Primärquellen zu ziehen. Im Fall des BeitragsApple’s Siri Chief Struggles as New AI Era Begins“ zu den Siri-Problemen bei Apple macht das aber nichts. Denn z. B. MacRumors hat sich des Themas angenommen und einige Details in einem eigenen Artikel zusammengefasst. Demnach hat der Journalist Wayne Ma mit mehren Leuten gesprochen, die in den vergangenen Jahren für Apple an Siri und weiteren KI-Instrumenten gearbeitet haben. Diese berichten von Machtkämpfen, einer schlechten Organisation und rückständigen Einstellungen gegenüber der aktuellen KI-Entwicklung. Selbst Apple-intern soll Siri viel Spott abbekommen.

In 2018 soll es bereits Streits darüber gegeben haben, in welche Richtung sich Siri eigentlich entwickeln sollte. Diese konnten unter anderem deshalb nicht geklärt werden, weil sich leitende Angestellte einen Revierkampf lieferten und die gesamte Siri-Entwicklung ein einziges Chaos war. Zudem wurde nicht in die Nutzungsanalyse investiert, sodass die Weiterentwicklung nicht auf der tatsächlichen Anwendung von Siri fußen konnte. Es wurde also, wenn denn mal aktiv entwickelt wurde, an den Nutzer/innen vorbei entwickelt, sodass auch von außen Unmut und Spott an das Siri-Team drangen. Kein Wunder also, dass mehrere Entwickler/innen des Siri-Teams auf kurz oder lang Apple verlassen haben.

Das soll weiterhin an zu langsamen Entscheidungsprozessen und an der fehlenden Einbeziehung moderner KI-Möglichkeiten gelegen haben. Große Sprachmodelle, die etwa zur Entwicklung von ChatGPT oder ähnlichen Tools genutzt werden, wurden zwar für die Weiterentwicklung von Siri vorgeschlagen, aber von eher konservativen Führungskräften abgelehnt. Außerdem wurde ein Feature im Keim erstickt, das Unterhaltungen mit Siri (also Fragen, Antworten, Folgefragen und auf dem Ganzen aufbauende Antworten) zulassen sollte. Diese Funktion wurde einerseits als Spielerei und andererseits als zu schwer zu kontrollieren abgetan. Weitere Entwicklungen wurden dadurch ausgebremst, dass Siri mehr und mehr lokal auf dem Einzelgerät denn servergestützt funktioniert.

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Project Blackbird, Mixed-Reality-Headset und Abwanderung zu Google

Dass bei Apple zeitgleich mehrere Teams in ähnlichen Bereichen konkurrieren, das scheint nicht nur damals beim LISA-Computer und dem Macintosh der Fall gewesen zu sein. Auch 2019 soll es im Bereich der Siri-Entwicklung zwei große Teams gegeben zu haben. Das eine widmete sich einer Neuauflage von Siri, die unter dem Codenamen „Blackbird“ geführt wurde. Siri sollte im Rahmen des Projekts komplett neugeschrieben werden und neue Funktionen sollten von App-Entwickler/innen eingereicht werden. Zudem war Teil des Projekts, dass Siri lokal auf dem iPhone statt in der iCloud laufen sollte. Blackbird-Siri soll intern ein Erfolg gewesen und auf Begeisterung gestoßen sein.

Jedoch gab es auch noch das konkurrierende Team, das sich mit „Siri X“ beschäftigte. Das X steht für die römische 10 und das Team sollte die Entwicklung der Jubiläumsausgabe zum zehnjährigen Bestehen der virtuellen Assistenz abwickeln. Vorangetrieben wurde Siri X von zwei leitenden Führungskräften der Siri-Abteilung, weshalb diesem Projekt mehr Gewicht gegeben wurde. Das große Ziel von Siri X war eigentlich nur, die Siri-Verarbeitung aus Datenschutzgründen lokal zu realisieren. Also im Grunde ein Teil des Blackbird-Projekts, das aber trotzdem letztendlich abgelehnt wurde. So wurden hunderte Leute vom Blackbird-Projekt zu Siri X berufen und ihre Ambitionen zunichte gemacht.

Siri soll auch ein Teil des Mixed-Reality-Headsets sein, dessen Vorstellung für die WWDC23 erwartet wird. Die schnelle Steuerung des Headsets für VR und AR durch Spracheingaben ergibt durchaus Sinn, soll aber nicht so gut funktionieren, wie es sich das Team, welches das Gerät entwickelt, wünschen würde. So wurde sogar in Erwägung gezogen, eine komplett eigene Sprachsteuerung zu entwickeln, die nichts mit Siri zu tun hat. Ähnliche Probleme soll es auch beim Team für die Modernisierung von Siri gegeben haben. Da die Leute dort unzufrieden waren und ausgebremst wurden, wanderten sie zu Google ab, wo sie Sprachmodelle entwickelten, die aktuell z. B. das Fundament der ChatGPT-Entwicklung bilden.

Fazit zum Bericht der Siri-Entwicklung bei Apple

Dass Apple Siri aufgrund des Datenschutzes lieber lokal laufen lässt anstatt die Sprachassistenz erst über das Internet auf die hauseigenen Server zu schicken, das ist natürlich eine gute Sache. Dass dies aber nur das Minimum des Möglichen ist und mit Blackbird schon seit Jahren ein viel größerer Leistungsumfang mit Raum für Developer-Anpassungen möglich wäre, ist ernüchternd. Und das nur wegen internen Machtkämpfen. 

Weiterhin ist es absolut verständlich, dass mehrstufige Gespräche mit Siri schlecht zu kontrollieren wären und daher fragwürdige Ausgaben befürchtet werden müssten. Dass damit aber die komplette Weiterentwicklung mit großen Sprachmodellen ausgebremst wurde, ist auch nicht gerade förderlich. Einige Befürchtungen sind also nachvollziehbar, die sich daraus teils ergebenden Einschränkungen haben aber mit den Jahren zu einem zu großen Rückstand geführt.

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