LanguageTool Plus: Die deutsche Grammarly-Alternative

LanguageTool Bild

Ich bin erst vor einigen Tagen auf das Tool Grammarly aufmerksam geworden, das eine Art Instant-Rechtschreib- und Grammatik-Prüfung für Texte ist, die man zum Beispiel über ein Browser-Plugin in jedem beliebigen Textfeld im Firefox-Browser nutzen kann. Grammarly ist toll, aber leider gibt es Grammarly nicht auf Deutsch. Aus dem Grund habe ich mich nach einer Alternative umgeschaut und mit LanguageTool Plus das gefunden, was Grammarly am nächsten kommt.

Kostenpflichtiger Premium-Account nötig

Ja, es gibt von LanguageTool Plus auch einen kostenlosen Basic-Account, aber dieser ist von den Funktionen stark eingeschränkt. Dennoch hat auch diese Basic-Variante ein paar Vorzüge zu normalen Browser-Plugins zur Rechtschreibprüfung parat: Sie erkennt schon einige Grammatikfehler und findet automatisch die passende Textsprache, während man bei anderen Plugins immer im Browser umstellen muss, welche Sprache nun gerade korrigiert werden soll.

Man muss sich für die kostenlose Nutzung auch nicht registrieren und kann das Plugin dauerhaft gratis nutzen. Mit dem Premium-Account von LanguageTool erhält man neben der üblichen Rechtschreibprüfung noch Hilfe bei der Kommasetzung und noch mehr Verbesserungsvorschläge, wenn es nach einem grammatikalischen Fehler aussieht. Ich habe mir die Premium-Variante angeschaut, da ich sehen wollte, was LanguageTool alles “drauf” hat.

Mit knapp 60 Euro im Jahr erhält man das Upgrade auf den Premium-Account, der aus meiner Sicht die einzig vernünftige Wahl ist, wenn man die Hilfe von LanguageTool nutzen möchte.

Mit knapp 60 Euro im Jahr erhält man das Upgrade auf den Premium-Account, der aus meiner Sicht die einzig vernünftige Wahl ist, wenn man die Hilfe von LanguageTool nutzen möchte.

Der Premium-Account von LanguageTool kostet derzeit ca. 5 Euro im Monat, wenn man die jährliche Zahlung wählt.

Kurze Anmerkung: Auch wenn es bei mir natürlich hauptsächlich um die deutsche Sprache geht, so ist LanguageTool nicht auf Deutsch festgelegt. Auf einer Übersichtsseite kann man die Sprachen sehen, die LanguageTool unterstützt. Der Balken “Activity” zeigt aber, dass Englisch, Deutsch und Portugiesisch am stärksten weiter entwickelt werden.

Wie funktioniert LanguageTool Plus?

Wenn man seinen Account  angelegt und bezahlt hat, installiert man sich im Browser das Add-on bzw. Plugin des Service. Hier findest du die entsprechenden Links:

Nach der Installation kann man in den Einstellungen des Plugins seine Login-Daten eintragen, damit die Zahlung verifiziert werden kann und man seine persönlichen Regeln verwalten kann. Diese werden aktuell leider noch nicht zentral verwaltet, was bedeutet, dass man sein persönliches Wörterbuch und seine Regeln nur im genutzten Browser und an dem speziellen Rechner parat hat.

Ist man nun auf einer beliebigen Webseite und trägt Text in ein Textfeld ein, führt LanguageTool automatisch alle paar Sekunden einen Check des Textes durch. Laut Anbieter wird der Text dafür zwar an den Server des Anbieters geschickt, aber nicht dort gespeichert.

In jedem mehrzeiligen Textfeld blendet LanguageTool unten rechts ein, wieviele Fehler es gefunden hat. Die Anzeige aktualisiert sich automatisch beim Tippen.

In jedem mehrzeiligen Textfeld blendet LanguageTool unten rechts ein, wie viele Fehler es gefunden hat. Die Anzeige aktualisiert sich automatisch beim Tippen.

Rechts unten in der Ecke des Textfeldes sieht man ein kleines, rundes Symbol, das beim Prüfen des Textes kurz blau mit Wellen ist und dann sofort auf eine rote Zahl in einem Kreis umschaltet. Die Zahl zeigt dabei an, wie viele Fehler LanguageTool gefunden hat. Diese werden auch direkt im Text markiert, indem zum Beispiel Worte rot, gelb oder blau unterstrichen werden. Rot werden dabei Worte unterstrichen, die offensichtlich falsch oder unbekannt sind. Blau werden Vorschläge markiert, die einen besseren Wortvorschlag zeigen und gelb werden Grammatik- und Kommafehler unterstrichen.

LanguageTool markiert die entsprechenden Worte im Text und mit einem Klick auf das Wort, öffnet sich ein Fenster mit Hinweisen und Optionen.

LanguageTool markiert die entsprechenden Worte im Text und mit einem Klick auf das Wort, öffnet sich ein Fenster mit Hinweisen und Optionen.

Nun kann man mit der Maus auf das markierte Wort klicken und erhält direkt eine Beschreibung des Fehlers oder eine Anmerkung. Unbekannte Worte, die man aber sicher richtig geschrieben hat, lassen sich hier mit einem Klick zum persönlichen Wörterbuch hinzufügen und für Regeln, die man nicht möchte, kann man per Klick eine Ausnahme einrichten. Diese Ausnahmen lassen sich im persönlichen Account einsehen und wieder entfernen, wenn man die Einstellungen des Add-ons aufruft.

Auch bei der Kommasetzung hilft LanguageTool gerne weiter.

Auch bei der Kommasetzung hilft LanguageTool gerne weiter.

Wie Fehler durch LanguageTool erkannt werden

Wie das Tool “technisch” prüft, ist auf der Webseite gut beschrieben:

LanguageTool prüft jeden Text gleichzeitig mit drei Verfahren:

  • Rechtschreibprüfung: LanguageTool prüft jedes Wort auf seine Rechtschreibung und benutzt dazu das gleiche Wörterbuch wie LibreOffice, allerdings um mehr als 10.000 Wörter erweitert.
  • Fehlermuster: LanguageTool verfügt für Deutsch über etwa 2200 Fehlermuster, die bestimmte Probleme in Texten erkennen. Diese Muster beziehen sich auf eine Folge von bestimmten Wörtern und Wortarten. Beispielsweise wird “ja schneller, desto” als Fehler erkannt, weil eine Regel existiert, die die Folge “ja”, gesteigertes Adjektiv, “desto” als wahrscheinlichen Fehler erkennt und statt “ja” das Wort “je” vorschlägt.
  • Statistik: Viele Wortpaare aus ähnlichen Wörtern werden darauf hin geprüft, ob nicht möglicherweise das andere Wort gemeint sein könnte. Dazu wird geprüft, wie oft das Wort üblicherweise in welchem Kontext wie häufig vorkommt. Kommt ein Wort im konkreten Kontext wesentlich häufiger vor als das andere, wird es als korrekt angenommen und das weniger häufig vorkommende als falsch. Als Kontext werden jeweils zwei Wörter vor und nach dem betroffenen Wort benutzt. Ein Beispiel dafür ist das Wortpaar dich/doch. Beide sind jeweils für sich genommen korrekt geschrieben – erst durch den Kontext ergibt sich, welches Wort korrekt ist.

Man sieht, hinter dem Tool steckt einiges an Know-how und technischem Anspruch. Das zeigt auch die aktive Community, die hilft die Regeln und Markierungen zu verbessern oder die Fehlerdatenbank auszubauen.

Auch LanguageTool ist nicht unfehlbar: Hier möchte er ein falsches Komma gesetzt haben, aber erkennt nicht, dass ich

Auch LanguageTool ist nicht unfehlbar: Hier möchte er ein falsches Komma gesetzt haben, aber erkennt nicht, dass ich “erkennt” statt “erkannt” geschrieben habe.

Wie immer bei automatischen Rechtschreib- und Grammatikprüfern, ist auch bei LanguageTool die Verwendung mit “Hirn” angesagt. Nicht alle Worte, die es ankreidet oder korrigieren möchte, sind wirklich falsch. Wenn man seinen Satz aber im Kontext liest, dann erkennt man in der Regel schon, ob der Vorschlag von LanguageTool richtig oder falsch ist. Meistens hat er aber leider recht. 😉

So neu ist die neue Rechtschreibung nicht mehr, aber ich kann sie immernoch nicht. Erst heute habe ich gelernt, dass man

So neu ist die neue Rechtschreibung nicht mehr, aber ich kann sie immer noch nicht. Erst heute habe ich gelernt, dass man “wie viele” auseinander schreibt.

Mein Fazit zum LanguageTool Service

Ich habe Grammarly noch nicht exzessiv ausprobiert, da ich keine Texte auf Englisch schreibe. Soweit ich es von meiner Frau (sie ist englische Muttersprachlerin) erklärt bekommen habe, hilft Grammarly noch ein bisschen mehr als LanguageTool, da es auch Dinge erkennt, die nicht direkt falsch sind, die man aber in Texten vermeiden sollte:

  • gleicher Satzanfang bei folgenden Sätzen
  • Wiederholung von Verben in aufeinanderfolgenden Sätzen
  • falsche Zeitformen in Texten
  • unglückliche Formulierungen

Bei LanguageTool gibt es auch Funktionen, die in diese Richtung gehen, sie sind aber noch nicht in der Tiefe aktiv, wie man es bei Grammarly sieht. Ich habe aber große Hoffnungen, dass die Entwickler ab Ball bleiben und den Service immer besser machen. Die Bezahlung durch das Abo-Modell sollte hier helfen, dass stetige Motivation in der Richtung besteht.

Kein Fair-Play: Es ist vielleicht als Witz gemeint, wirkt aber ein bisschen unfreundlich, wenn der Mitbewerber

Kein Fair Play: Es ist vielleicht als Witz gemeint, wirkt aber ein bisschen unfreundlich, wenn der Mitbewerber “Grammarly” als falsche Schreibweise unterstrichen wird und man als richtige Schreibweise “LanguageTool” vorgeschlagen bekommt.

Insgesamt ist die Nutzung des Tools sehr intuitiv und optisch ansprechend gelöst. Die Tatsache, dass die Prüfung auch ständig und in jedem Textfeld erfolgt (man kann Ausnahmen für Domains anlegen), sorgt dafür, dass man sich schnell an den Umgang damit gewöhnt. Ich nutze es erst wenige Tage, aber weiß die aktive Unterstützung beim Bloggen schon so zu schätzen, dass ich es nicht mehr missen möchte.

Wer den Service mal kostenlos checken möchte, kann dies entweder über die Installation des Plugins mit dem eingeschränkten Gratis-Account erledigen, oder seine Texte testweise in den Online-Prüfer auf der Webseite kopieren. Dort sieht man schon, was das Tool erkennt und wie die Texte markiert werden. Die Hervorhebung mit dem Firefox-Add-on sieht allerdings wesentlich hübscher aus.

Was könnte man besser machen?

Mir sind drei Sachen aufgefallen, die ich gerne als Verbesserungsvorschlag einreichen möchte:

  • Das Tool erkennt keine doppelten Leerzeichen. Dies ist ein typischer Fehler, der beim Schreiben von Texten immer wieder vorkommt und der natürlich korrigiert werden sollte.
  • Der gleiche Anfang von aufeinanderfolgenden Sätzen sollte als Problem erkannt und markiert werden (wird es aktuell aber nicht).
  • Wenn ich im WordPress-Editor bin und unten auf die Zahl der Fehler klicke, öffnet sich ein Fenster mit einer Liste der entsprechenden Fehler. Bleibe ich mit dem Mauszeiger über diesem Fenster, scrollt plötzlich der komplette Artikel nach oben (für die Entwickler: macOS Mojave mit Firefox Browser in aktuellster Version).

Für mich als Autor wäre es sehr schön, wenn sich LanguageTool weiter in Richtung Grammarly bewegen würde, was die Vorschläge für Formulierungen und Verbesserungsvorschläge für gut-lesbare Texte angeht.

Transparenzhinweis

Ich habe von den Entwicklern ein Jahr “Premium” gratis erhalten, um das Tool zu testen. Allerdings bin ich auf sie zugegangen, da ich den Service interessant finde und als Blogger natürlich ständig Texte im Browser verfasse. Für das “Premium-Jahr” möchte ich mich bei den Machern von LanguageTool bedanken. Ich kann euch aber versprechen, dass mich dies nicht dazu veranlasst hat, positiv über das Tool zu berichten. Für mich, der täglich Texte im Browser verfasst, ist der Service so hilfreich, dass ich jetzt schon weiß, dass ich ihn auch nach dem Jahr weiter buchen werde.

 

 

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5 Kommentare

  1. Hartmut sagt:

    Moin und lieben Dank für den interessanten Artikel. Das Komma im zweiten Spiegelstrich des Absatzes “Was könnte man besser machen” darf aber getrost ganz entfallen (Der gleiche Anfang von aufeinanderfolgenden Sätzen sollte als Problem erkannt und markiert werden (ist es aber derzeit nicht).).
    😉
    Einen guten Start in die neue Woche
    Hartmut

  2. Ingrid sagt:

    Hallo,

    Ich glaube, dass es im letzten Beispiel um die Wiederholung von Grammarly geht und dass LanguageTool als Ersatz genommen werden soll. Nur hat das Tool die Aussage nicht verstanden.
    Diese Funktion suche ich auf Deutsch. Nämlich dass Synonyme vorgeschlagen werden. Gibt es das? Bzw. kann das dieses LanguageTool?

    • Sir Apfelot sagt:

      Hallo Ingrid! Nein, Synonyme schlägt LanguageTool nicht vor. Das was du suchst, ist ein Thesaurus. Da würde ich dir das Projekt https://www.openthesaurus.de/ empfehlen. Ich glaube, dafür gibt es auch Browser Addons, mit denen du dann Synonyme im WordPress Editor oder anderen Online-Textbereichen finden kannst.

  3. Ingrid sagt:

    Bingo! Vielen Dank!

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