Im Test gefunden: Die beste Wärmeleitpaste mit und ohne Flüssigmetall

Die Flüssigmetall-Wärmeleitpasten wie die Thermal Grizzly Conductonaut sind in der Anwendung deutlich anspruchsvoller als normale Wärmeleitpasten (Foto: Thermal Grizzly).

Ich habe mich in den letzten Tagen intensiver mit dem Thema Wärmeleitpasten beschäftigt und vor kurzem einen Artikel mit einem Vergleich der Thermal Grizzly Wärmeleitpasten geschrieben. Dabei bin ich auf diverse andere Hersteller wie Alpenföhn, Coollaboratory (ja, mit zwei L!), Arctic, Innovation Cooling, Phobya gestossen und dachte mir, welches wohl die beste Wärmeleitpaste sein mag.

Paste mit und ohne Flüssigmetall

Grundsätzlich gibt es hier zwei Produktgruppen: Zum einen die üblichen Wärmeleitpasten, die nicht-leitend sind und eine Konsistenz zwischen Hautcreme und Zahnpasta haben. Zum anderen gibt es die neueren Wärmeleitpasten, die auf Flüssigmetall basieren und aus dem Grund oft den Begriff “liquid metal” im Produktnamen haben. Diese sind bei Zimmertemperatur schon flüssig und haben das Problem, dass sie durch die Metalle elektrisch leitend sind, was ein gewisses Risiko birgt, wenn man mit der Wärmeleitpaste auf dem Motherboard oder der Grafikkarte “rumkleckst”.

Liquid Metal-Paste nicht mit Aluminium-Kühlkörpern kompatibel

Ein sehr wichtiger Warnhinweis an dieser Stelle: Während normale Wärmeleitpaste kein Problem mit Metallen im Computer hat, versteht sich Flüssigmetall-Wärmeleitpaste nur mit “edleren” Metall, wozu leider kein Aluminium gehört. Kommt das Gallium aus der Paste mit einem Alu-Kühlkörper in Berührung zersetzt es dieses und bildet eine Legierung an der Oberfläche, was eine isolierende Schicht ist und damit noch schlechter, als hätte man keinen Kühlkörper angebracht. WMöchte man sich mal anschauen, was nur wenige Tropfen Gallium mit einem Kühlkörper aus Alu anrichten, kann man sich das hier im Video anschauen. Ein Screenshot daraus ist hier eingebaut:

Die Reaktion von Gallium mit einem Kühlkörper aus Aluminium.

Die Reaktion von Gallium mit einem Kühlkörper aus Aluminium.

Flüssigmetall-Paste nicht bei der GPU nutzen

Die Verwendung der Flüssigmetall-Wärmeleitpaste ist auf der CPU in der Regel kein Problem, da die Heatsinks derselben fast immer vernickelt sind oder einen Kupferboden haben. Diese Metalle greift Gallium nicht an. Bei der GPU (Grafikkarten Prozessor) liegt der Prozessor jedoch frei und es ist oft nicht klar, aus welchem Metall die Heatspreader sind. Das Anbringen der Flüssigmetall-Paste kann hier unter Umständen den Prozessor beschädigen und die Grafikkarte unbrauchbar machen.

Der große Vorteil der Liquid-Metal-Pasten

Bei sovielen Nachteilen und Risiken, muss es ja auch einen Vorteil der Liquid-Metal-Wärmeleitpasten geben: Sie verbessern die Wärmeabführung im Vergleich zu einer normalen Wärmeleitpaste um den Faktor 5 bis 10. Aus dem Grund sind diese Pasten besonders bei Bastlern beliebt, die Ihren Rechner massiv übertakten möchten. Für Anwender, die nur frische Wärmeleitpaste unter ihren CPU-Kühlkörper machen möchten, ist sie eher weniger zu empfehlen.

Die Flüssigmetall-Wärmeleitpasten wie die Thermal Grizzly Conductonaut sind in der Anwendung deutlich anspruchsvoller als normale Wärmeleitpasten (Foto: Thermal Grizzly).

Die Flüssigmetall-Wärmeleitpasten wie die Thermal Grizzly Conductonaut sind in der Anwendung deutlich anspruchsvoller als normale Wärmeleitpasten (Foto: Thermal Grizzly).

Tests zur Wärmeleitpasten

Um nun die beste Wärmeleitpaste zu finden, habe ich einige Tests durchgelesen, die ich im Internet finden konnte. Viele von den Seiten sind keine Tests, sondern präsentieren nur irgendwelche Top10 Liste, wo man sich fragt, wie es hier zu der Reihenfolge kam.

Die Seiten, die ich für den Vergleich ausgewertet habe, sind weiter unten als Quelle verlinkt. Dabei möchte ich die Testergebnisse jedoch nach Wärmeleitpasten mit und ohne Flüssigmetall aufgliedern, denn ich denke, entweder man möchte entweder eine Paste aus der einen oder aus der anderen Gruppe verwenden.

Schaut man sich die beiden echten Tests und im Besonderen, den sehr umfangreichen Test von Tom’s Hardware an, dann sieht man, dass der Test nach Einsatzbereichen untergliedert ist. Dies ist sinnvoll, da unterschiedliche Kühlungsmethoden abweichende Anforderungen stellen.

Der Test von Hardware-Inside ist deutlich weniger umfangreich und hat eventuell auch ein paar Probleme mit dem Testaufbau, weshalb ich mich auf die Ergebnisse von Tom’s Hardware konzentriere. Als Quelle nennen, wollte ich jedoch alle Seiten, die ich für nennenswert halte.

Die Kryonaut-Paste von Thermal Grizzly bietet sowas wie

Die Kryonaut-Paste von Thermal Grizzly bietet sowas wie “The best bang for the money”: Hohe Wärmeübertragung für relativ schmales Geld (Foto: Thermal Grizzly).

Die beste Wärmeleitpaste ohne Flüssigmetall

Ich nenne euch hier in der Liste den Einsatzbereich und dann die drei besten Wärmeleitpasten aus dem Test von Toms’s Hardware mit Link zu Amazon.

Wasserkühlung

  1. Thermal Grizzly Kryonaut
  2. Innovation bzw. Innovative Cooling Diamond 24
  3. Cooler Master MasterGel Maker Nano

Luftkühlung (großer Turmkühler)

  1. Thermal Grizzly Kryonaut
  2. Innovation bzw. Innovative Cooling Diamond 24
  3. Gelid Solutions GC Extreme

Luftkühlung (Boxed-Kühler)

  1. Thermal Grizzly Kryonaut
  2. Cooler Master MasterGel Maker Nano
  3. Gelid Solutions GC Extreme

Grafikkarten-Kühlung (GPU)

  1. Thermal Grizzly Kryonaut
  2. Innovation bzw. Innovative Cooling Diamond 24
  3. Cooler Master MasterGel Maker Nano

Die beste Flüssigmetall-Wärmeleitpaste

Schaut man sich die Testergebnisse an, findet man auf den vorderen zwei bis drei Plätzen natürlich Pasten mit Flüssigmetall, da diese einen sehr hohen Wärmedurchgangskoeffizienten haben. Allerdings sind diese Wärmeleitpasten auch deutlich teurer und schwerer zu verarbeiten.

Wasserkühlung

  1. Coollaboratory Liquid Ultra
  2. Coollaboratory Liquid Pro
  3. Phobya LM

Luftkühlung (großer Turmkühler)

  1. Coollaboratory Liquid Pro
  2. Thermal Grizzly Conductonaut
  3. Coollaboratory Liquid Ultra

Luftkühlung (Boxed-Kühler)

  1. Coollaboratory Liquid Pro
  2. Thermal Grizzly Conductonaut
  3. Phobya LM

Grafikkarten-Kühlung (GPU)

  1. Thermal Grizzly Conductonaut
  2. Coollaboratory Liquid Metal Pad
  3. keine Angabe

Platzierung und Einstufung vom Amazon Bestseller “Arctic MX-4”

Nur zur Ergänzung: Wenn man auf Amazon nach den oben genannten Top-Produkten sucht, stösst man durch massive Werbung auch auf die Wärmeleitpaste Arctic MX-4. Diese wurde auch im großen Test von Tom’s Hardware berücksichtigt, ist aber nur auf Plätze zwischen 10 und 20 gekommen. Man sollte sich also durch vollmundige Werbeversprechen wie “Besser als Flüssigmetall” nicht beeinflussen lassen.

Die technischen Daten zeigen meist schon, wo der Hase lang läuft: Während die Arctiv MX-4 (2019er Version) nur eine Wärmeleitfähigkeit von 8,5 W/mk hat, besitzt schon die Thermal Grizzly Kryonaut 12,5 W/mk. Die Wärmeleitfähigkeit der Flüssigmetall-Variante “Conductonaut” von Thermal Grizzly hat mit 73 W/mk fast die 10-fache Wärmeleitfähigkeit der Artic MX-4. Man hält sich also besser an die oben genannten “Testsieger” anstatt Versuche mit Produkten zu starten, die einfach nur die Werbetrommel rühren und darum unter den Bestsellern bei Amazon landen.

Quellen:

Sir Apfelot auf SteadyHQ unterstützen

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