Generative KI – und dann? Humanoide Roboter sind das nächste große Ding!

Generative KI ist seit ihrem Boom in 2022 und 2023 nicht mehr wegzudenken. Nach OpenAIs Chatbot „ChatGPT“ kamen noch weitere Text-KIs, etwa Bard von Google oder Copilot von Microsoft, auf den Markt. Hinzu kommt Indie-Konkurrenz in Form von quelloffenen Sprachmodellen. Außerdem gibt es mittlerweile zahlreiche generative KIs für die Bild- und Videoerzeugung, multimodale Modelle für gemischte Inhalte, und so weiter. Doch die Technik-Welt dreht sich weiter. Das nächste große Ding steht schon vor der Tür, und zwar auf mechanischen Beinen. Es sind humanoide Roboter.

Figure 01 – So heißt der erste humanoide Roboter mit KI-gestütztem Verständnis für verschiedene Aufgaben vom Startup Figure. Dieses stark finanzierte Unternehmen ist nicht der einzige Anbieter für Humanoide.
Figure 01 – So heißt der erste humanoide Roboter mit KI-gestütztem Verständnis für verschiedene Aufgaben vom Startup Figure. Dieses stark finanzierte Unternehmen ist nicht der einzige Anbieter für Humanoide.

Figure – Hoch dotiertes Startup für humanoide KI-Roboter

Figure ist das neueste Technik-Startup von Brett Adcock, der zuvor schon Vettery (eine KI-gestützte Job-Plattform) sowie Archer (Firma für Flugtaxis bzw. „fliegende Autos“) ins Leben gerufen hat. Laut eigenen Aussagen konzentriert er sich nun aber hauptsächlich auf Figure und den wahrscheinlich Jahrzehnte andauernden Weg, elektromechanische, humanoide Roboter zu erschaffen, die in verschiedenen Arbeitsfeldern eingesetzt werden sollen – in schweren, gefährlichen und / oder unangenehmen Jobs. Das Unternehmen sei risikoreich und hätte geringe Chancen, tatsächlich alle geplanten Ziele zu erreichen, gibt Brett Adcock dabei recht ehrlich zu.

Das hält große Namen aus der Tech-Branche aber nicht davon ab, in diese Idee sowie in das Figure-Unternehmen zu investieren. In einer aktuellen Finanzierungsrunde kamen 675 Millionen US-Dollar zusammen; insgesamt werde das Unternehmen laut der Fachpresse bereits mit einem Wert von 2 Milliarden US-Dollar bedacht. Zu den größten Investitionen zählen 100 Millionen Dollar von Jeff Bezos’ Explore Investments LLC, 95 Millionen von Microsoft, jeweils 50 Millionen von Amazon und Nvidia, 25 Millionen von Intel, 8,5 Millionen von LG Innotek und 5 Millionen von Samsung. Nicht zuletzt haben sich solche Risikokapitalgesellschaften wie Parkway Venture Capital (100 Millionen) und Align Ventures (90 Millionen) beteiligt.

Figure 01 – Die Idee von einem elektromechanischen Roboter-Humanoiden

Den „ersten kommerziell realisierbaren, autonomen“ Roboter hat das Unternehmen Figure 01 getauft. Dieser soll ein 1,68 Meter großer Humanoide werden, der 60 kg wiegt und 20 kg tragen kann. Mit einer Akkuladung soll er 5 Stunden auskommen und sich mit bis zu 1,2 Meter pro Sekunde (4,32 Kilometer pro Stunde) bewegen. Der „General Purpose“-Humanoide soll vermittels KI verschiedene Aufgaben verstehen und ausführen können. Dabei wurde die menschenähnliche Form gewählt, um den Roboter direkt in für Menschen gemachte Arbeitsumgebungen einbringen zu können.

Laut dem Figure-CEO Brett Adcock sollen Figure 01 und seine Nachfolgemodelle keine bestehenden Jobs bedrohen, sondern lediglich eine Lücke in der aktuellen sowie zukünftigen Arbeitswelt füllen. Als Beispiel führt er unter anderem Warenlager an, z. B. die großer Versandunternehmen. Dort gäbe es eine Abwanderung von Angestellten, sodass die Konzerne Schwierigkeiten hätten, die frei werdenden Stellen zu füllen und so den schnellen Versand der bei ihnen gekauften Produkte zu garantieren. Ob die Abwanderung von Angestellten nicht vielleicht an schlechten Arbeitsbedingungen, zu niedriger Bezahlung und anderen Problemen liegt, diese Frage wird dabei nicht gestellt.

Weitere Beispiele für Humanoiden-Hersteller

Figure ist ein gerade gehyptes Beispiel für eine Branche, die noch unter dem allgemeinen Radar fliegend einen Wachstumsschub verzeichnet. Und wenn ihr denkt, dass ich als nächstes den „Optimus“-Roboter von Tesla oder „Atlas“ von Boston Dynamics nenne, liegt ihr erstmal falsch. Denn es gibt noch mehr Firmen, die sich einen Platz in der elektromechanischen Arbeitswelt sichern wollen. So gibt es beispielsweise das norwegische Unternehmen 1X Technologies, das dieses Jahr schon eine Investition von 100 Millionen US-Dollar verzeichnen konnte. Mit EVE gibt es ein bereits erhältliches, rollendes Roboter-Modell. NEO, ein laufendes Modell, befindet sich derzeit noch in der Entwicklung.

EVE (links) ist der bereits erhältliche Roboter von 1X Technologies. Das zweite Modell, NEO (rechts), befindet sich noch in der Entwicklung.
EVE (links) ist der bereits erhältliche Roboter von 1X Technologies. Das zweite Modell, NEO (rechts), befindet sich noch in der Entwicklung.

Dann gibt es auch noch Sanctuary AI mit dem 1,7 Meter großen „Phoenix“-Roboter, der bis zu 5 Kilometer pro Stunde laufen und bis zu 25 kg tragen können soll. Das KI-System, das dabei zum Einsatz kommen soll, wird von dem Unternehmen selbst entwickelt und „Carbon“ genannt. Sanctuary AI schmückt sich damit, dass Phoenix als einziger General-Purpose-Roboter auf der „Best Inventions 2023“-Liste des TIME Magazines stand. Ob sich diese angeblich beste Roboter-Erfindung aber gegen die Konkurrenz durchsetzen wird, das bleibt abzuwarten. Auch und vor allem, in welchem speziellen Arbeitsbereich das der Fall sein soll.

Bei Sanctuary AI entwickelt man den Phoenix genannten humanoiden Roboter. Wie gut die "menschenähnliche, allgemeine Intelligenz" seine Einsatzfähigkeit bestimmen wird, das wird sich zeigen müssen.
Bei Sanctuary AI entwickelt man den Phoenix genannten humanoiden Roboter. Wie gut die “menschenähnliche, allgemeine Intelligenz” seine Einsatzfähigkeit bestimmen wird, das wird sich zeigen müssen.

Die großen Namen: Tesla, Boston Dynamics und Ghost Robotics

Am medienwirksamsten waren in den vergangenen Jahren Tesla und Boston Dynamics. Wobei letztere Firma hier vor allem im Hinblick auf die mechanischen Fähigkeiten und Bewegungsabläufe von Robotern auf zwei bis vier Beinen als Pionier bezeichnet werden kann. Der Roboter-Hund Spot ist wahrscheinlich das bekannteste Beispiel von schon im Einsatz befindlichen Robotern dieser Art. Unter anderem die Polizei in NRW hat 2022 Tests für den Einsatz von Spot durchgeführt. Nicht zu verwechseln ist dieser dabei mit dem Roboter-Hund von Ghost Robotics, einer Firma, die nichts gegen den militärischen Einsatz ihrer Geräte hat (u. a. durch Rheinmetall).

Auf der Webseite von Ghost Robotics wird klar, dass man die allgemeinen und für die Wirtschaft präsentierten Einsatzfähigkeiten von Robotern auch gleich durch Militär-Beispiele ersetzen kann.
Auf der Webseite von Ghost Robotics wird klar, dass man die allgemeinen und für die Wirtschaft präsentierten Einsatzfähigkeiten von Robotern auch gleich durch Militär-Beispiele ersetzen kann.

Durch Amazon finanziert und getestet: Agility Robotics

Und dann gibt es da auch noch Agility Robotics, ein ebenfalls von Amazon mitfinanziertes Unternehmen, von dem bereits Roboter in Warenlagern des Versandkonzerns zum Einsatz kommen. Die Investition in Agility Robotics durch Amazon fand bereits 2022 statt. Die neueste Investition in Figure – und zwar durch gleich zwei Unternehmen von Jeff Bezos – zeigt, dass man es bei Amazon ernst meint und nicht nur auf ein einzelnes Arbeitspferd setzen will. Ich kann mir kaum vorstellen, dass es da nur um das Besetzen von dauerhaft leeren Stellen geht. Aber es wird sich wohl zeigen müssen, wie und in welcher Menge humanoide Roboter in unbeliebten, wenn auch nicht per se gefährlichen, Jobs eingesetzt werden.

Agility Robotics zeigt, dass Roboter, die einem die Arbeit wegnehmen, auch ganz knuffig aussehen können.
Agility Robotics zeigt, dass Roboter, die einem die Arbeit wegnehmen, auch ganz knuffig aussehen können.

Humanoide Roboter: Einsatz in Lagerlogistik, Handel, Pflege, Rettung, Militär

Natürlich stellt sich bei der ganzen Sache die große Frage: Wozu das Ganze? Denn bei den Einsatzbeispielen in der Lagerlogistik kann man sich ausmalen, dass der Ersatz von Menschen durch Roboter keine Gefahren-, sondern Kostenfrage ist. Man will den Angestellten keine höhere Bezahlung und bessere Arbeitsbedingungen geben. Also müssen Roboter her, die den verbleibenden Menschen deutlich zeigen, dass sie ersetzbar sind. Doch wo können Figure, Agility Robotics, Sanctuary AI, 1X Technologies und Co. noch mit Absatz rechnen? Im Grunde gibt es die verschiedensten Einsatzbereiche – die einen verständlich, die anderen eher dystopisch.

So kann es einen angenehmeren Eindruck machen, wenn ein menschengleicher Roboter dabei hilft, eine zu pflegende Person anzuheben. Mehr, als wenn zur Unterstützung der Pfleger/innen eine industriell anmutende Apparatur zum Einsatz kommt, die eher wie ein Gabelstapler aussieht. Aber durch die aktuell mit nur 20 bis 25 kg angegebene Zuladung ist dieser Einsatzbereich bisher noch gar nicht wirklich denkbar. Die Suche nach Verschütteten nach einem Erdbeben oder anderen Katastrophen ist da eher denkbar. Auch die Begehung von einsturzgefährdeten Gebäuden oder ähnliche Einsatzgebiete sind logisch. Der militärische Einsatz ist da der nächste Schritt, der auch gleichzeitig der bedenklichste ist.

Was ist mit den „gefährlichen Jobs“?

Unter anderem bei Figure ist die Rede davon, dass der Roboter Figure 01 etwa für Jobs geschaffen sein soll, die für Menschen zu gefährlich sind. Doch wirklich konkretisiert wird da nichts. Im oben eingebetteten Video geht es, wie schon erwähnt, viel um Lagerlogistik. Meine Meinung dazu habe ich schon abgegeben. Für mich persönlich sind da noch zu viele Fragen offen. Gibt der Markt genug „gefährliche Jobs“ her, um die Menge an Humanoid-Herstellern zu rechtfertigen bzw. um diesen genug Absatz zu bieten? Wo sind die Grenzen der Unternehmen und werden diese z. B. fürs Militär überschritten, wenn der Preis stimmt? Ein schwieriges Thema, zu dem ich mich weiter informieren werde.

Fazit: Humanoide Roboter sind das nächste große und gruselige Ding

Wir sehen an den bereits nutzbaren technologischen Fortschritten der letzten Jahre und Jahrzehnte, wie sich bei ihnen die Chancen und die Schäden die Waage halten. Die generative KI mit ihrem Potenzial für Deepfakes, Falschinformationen und andere fehlgeleitete Einsatzmöglichkeiten ist das aktuellste Beispiel. In Zukunft wird neben der digitalen auch die physische Welt direkt damit konfrontiert, wenn Roboter-Hersteller auf den Arbeitsmarkt drängen. Dabei wird es nicht nur um zu füllende Stellen gehen; nicht, wenn jemand auf die Idee kommt, die Langzeitkosten von menschlichen Arbeitskräften mit denen von Robotern zu vergleichen. Bei letzteren kann eine Weiterbildung immerhin per Softwareupdate durchgeführt werden.

Quellen und weiterführende Lektüre

Unsere aktuellen Beiträge zu generativer KI

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