Wie auf der Webseite browsergate.eu aufgezeigt wird, soll Microsoft über seine Business-Plattform LinkedIn umfangreiche Wirtschaftsspionage begehen. Begründet wird dies mit einem Scan des zum Aufrufen der LinkedIn-Webseite verwendeten Browsers sowie dessen installierten Erweiterungen. Da die einzelnen User, deren Arbeitgeber, Jobs und weitere Daten bekannt sind, würden sich auf diesem Weg viele Schlüsse zu einzelnen Personen und ganzen Unternehmen ziehen.

Was LinkedIn von BrowserGate vorgeworfen wird
BrowserGate bzw. der dahinterstehende Allianz für digitale Fairness e.V. aus Greven wirft LinkedIn, einer für Businesskontakte, Networking und Jobsuche genutzten Microsoft-Plattform, Wirtschaftsspionage vor. Nachdem LinkedIn im Dezember 2016 von Microsoft übernommen wurde, sollen bereits seit 2017 Browser-Scans durchgeführt worden sein.
Vor allem für den Chrome-Browser wird die Erkennung von aktuell 6.222 Add-Ons und Plug-Ins genutzt. Die erkannten Erweiterungen können Aufschluss über viele Daten gaben: benötigte Bedienungshilfen, Neurodiversität, Religion, politische Orientierung, Nutzung von konkurrierenden Business-Plattformen, Produktivitätstools, VPNs und Adblocker, etc.
Die Anzahl und der inhaltliche Umfang sind seit 2017 dabei stetig angestiegen. Laut einer Erklärseite von BrowserGate wurde zu Beginn nach 38 Erweiterungen gesucht. Im Jahr 2024 waren es rund 461. Im Mai 2025 wurde nach ca. 1.000 Erweiterungen gesucht. Dieser eher langsame Anstieg ging dann in eine steilere Kurve über. Im Dezember 2025 untersuchte LinkedIn bestimmte Browser schon bezüglich 5.459 Extensions. Und aktuell sind es über 6.200.
Mögliches Profiling ohne Ankündigung oder User-Zustimmung
Das Ganze passiert im Hintergrund sowie ohne Unterrichtung der User, heißt es. Von diesen wird daher auch keine Einwilligung über das Vorgehen eingeholt, so BrowserGate. Es lässt sich aber von allen über einen Chrome-Browser mit aktivierten Developerwerkzeugen beobachten.
Durch die gesammelten Daten ist ein umfangreiches Profiling möglich, welches Microsoft vermittels der Kombination aus persönlichen und arbeitsbezogenen Daten mit den Browserinfos durchführen kann. Einzelne Personen und Unternehmen können so verschieden eingeordnet werden.
Welches (Konkurrenz-)Unternehmen beschäftigt wie viele politisch oder religiös so oder so orientierte Personen? Das wäre eine Frage, die Microsoft sich und gegebenenfalls auch Dritten beantworten kann. Und es wäre nur eine Frage unter sehr vielen Fragen.
DMA und DSGVO: Nach EU-Recht geht LinkedIn illegal vor
Die Plattform BrowserGate rollt den Fall vor allem für die User in der EU auf. So wird etwa auf der Unterseite Why It’s Illegal aufgezeigt, gegen welche DMA-Richtlinien das Vorgehen verstößt und welche Paragrafen der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) durch LinkedIn missachtet werden.
Dabei wird nicht auf die Beweisführung verzichtet. Diese gibt es auf der Unterseite The Evidence Pack. Es wird zum Beispiel eine Kombination aus JavaScript-Scans aufgezeigt, die man sich sogar runterladen kann. Ein Video zeigt das Ganze in Aktion. Hinzu kommen gerichtliche Aussagen aus der LinkedIn-Führungsriege sowie weitere Infos.
Was kann ich als LinkedIn-User tun?
Erst einmal die Webseite von LinkedIn nicht mehr per Chrome-Browser aufrufen. Falls das in der Vergangenheit bereits geschehen ist, vielleicht sogar unter Verwendung von Chrome-Erweiterungen, dann sind wahrscheinlich schon entsprechende Datensätze bei Microsoft gelagert. Wer mit der Plattform direkt abschließen will, kann den Account löschen.
Rechtliche Schritte sind ebenfalls möglich, etwa die Beteiligung an einer Sammelklage. Erste Klagen gegen LinkedIn und Microsoft wurden bereits eingereicht, etwa beim Landesgericht München I. Es gibt aber auch eine US-Sammelklage. Es ist gut möglich, dass weitere folgen. Updates zu den laufenden Klagen gibt es auf der Seite von BrowserGate.
Ähnliche Beiträge
Johannes ist selbstständiger Redakteur und Texter. Seit über 10 Jahren schreibt er regelmäßig für Sir Apfelot.








