Pass zappen: RFID Chip, Datenerfassung und sollte man dagegen angehen?

Der Chaos Computer Club (CCC bzw. C3) hat sich unlängst in einem Beitrag namens Heute mal ohne Biometrie: Reisepass „well done“ über die persönlichen Daten, biometrische Bilder und dergleichen ausgelassen, die auf dem RFID-Chip von Reisepass und Ausweis gespeichert sind. Zudem ging es in dem Beitrag darum, die Chips in den Ausweisdokumenten unbrauchbar zu machen – zum Beispiel mit den Herdplatten eines Induktionsherds. Wieso, weshalb, warum und wie ihr selber die Daten in Pass und Ausweis auslesen bzw. nutzen könnt, das möchte ich euch hier kurz aufführen.

Reisepass, Ausweis, RFID Chip, zappen, zerstören

Vorabbemerkungen

In diesem Artikel soll weder das Verändern oder unkenntlich machen eines Ausweisdokuments beworben werden, noch gilt dieser Blog-Eintrag als Rechtsberatung. Es handelt sich bei diesem Text um das Ergebnis einer Recherche in offiziellen und / oder öffentlich zugänglichen Quellen. Für die Inhalte der verlinkten Seiten sind deren Betreiber verantwortlich.

Auslesen der Daten von Reisepass und Ausweis

Der Pass und der „neue“ Personalausweis der Bundesrepublik Deutschland verfügen jeweils über einen RFID-Chip, auf dem persönliche Daten, Fingerabdrücke, ein biometrisches Passbild und dergleichen gespeichert sind. Das Auslesen dieser Daten ist bei Behörden, an der Grenze und so weiter zur Kontrolle der Identität des Vorlegenden Standard. Jedoch könnt ihr die Daten aus eurem Pass oder Ausweis auch selber auslesen. Für verschiedene amtliche oder andere Online-Dienste gibt es entsprechende Geräte, die ihr per USB an den Rechner anschließen könnt. Eine Auswahl bietet Amazon.

Solche Geräte sind nützlich wenn ihr Bürgerdienste, Versicherungen, Finanzen, Shopping und ähnliche Services online sowie mit Identitätsnachweis in Anspruch nehmen wollt. Informationen dazu gibt es auch unter personalausweisportal.de oder in der Broschüre „Der neue Personalausweis“, die ihr kostenlos im nächsten Rathaus, Bürgeramt, im Einwohnermeldeamt, etc. bekommt. Wenn ihr solche Dienste nicht nutzen wollt, sondern einfach mal die Dokumente auslesen möchtet, dann geht das auch kostenlos mit entsprechenden Apps für iPhone und Android-Geräte, die eine NFC-Verbindung (Near Field Communication) aufbauen können.

NFC Apps zum Auslesen von Pass und Ausweis

Bei der Recherche ist mir aufgefallen, dass es für iOS weniger solche Apps gibt, für Android aber einen ganzen Haufen. Das liegt vor allem daran, dass Apple seine NFC-Chips nicht so leicht für Developer freigibt und APIs verteilt – eigentlich nur für das Wallet, Apple Pay und dergleichen. Für das iPhone gibt’s im offiziellen Store daher nur den Passport Reader, den ihr ausprobieren könnt.

Aufgrund dieser Angebotsknappheit habe ich gestern mal den Test mit einem Android-Gerät gemacht. Hier hat sich die App eCl0wn als besonders aufschlussreich herausgestellt. Sie hat zwar eine alberne Aufmachung, gibt aber viele Daten – sogar das biometrische Foto – wieder. Im Google Play Store gibt es überdies noch viele weitere NFC Apps, die ihr testen könnt.

Warum den RFID Chip im Pass zappen / zerstören?

Nun zum Beitrag vom CCC zum Thema Chip zappen im Reisepass. Darin wird das automatisierte Überprüfen von Daten an Grenzen kritisiert, welches durch Auslesen der Passdaten und dem Abgleich derselben mit einer Datenbank von statten geht. „Dagegen hilft nur das Deaktivieren des Chips im Reisepass.“, heißt es von Autor frank. Dadurch wird zwar der Abgleich beim Einzelnen erschwert, möchte ich dazu sagen, das System an sich wird dadurch aber nicht abgeschafft. Zudem sollte man anmerken, dass die mutwillige Veränderung eines Ausweisdokuments gegen diverse Paragraphen verstoßen kann (von §273 StGB über §303a StGB hin zur Sachbeschädigung nach §303 StGB, da der Ausweis / Pass nach §4 PAuswG Eigentum der BRD ist).

Auslesen im Vorbeigehen, Bewegungsprofile, etc.

Klar, die Privatsphäre ist heutzutage ein heiliges Gut, das sich manche zwar via Facebook und Co. selber kaputt machen, andere aber zu schützen versuchen. Im Hinblick auf den Personalausweis, den Reisepass und die darin verbauten RFID Chips gibt es dann immer Schlagworte wie Bewegungsprofil, Überwachung, Spionage und Betrug. Und klar: wie oben mit den Apps dargelegt, kann man die Dokumente unschwer auslesen. Aber noch einfacher ist es, sich dagegen zu schützen: entweder mit speziellen Ausweishüllen, einer Passhülle oder indem man den Aluhut abnimmt und die Metallfolie statt um den Kopf um das Ausweisdokument wickelt.

Zusammenfassung

Ein Fazit will ich nicht geben, da es sich hier um ein großes Streitthema handelt, zu dem man eine Meinung haben kann, aber nicht haben muss. Die Erstellung einer internationalen Datenbank mit persönlichen Daten sowie den Abgleich an den Grenzen (des Schengen-Raums und andernorts) wird man durch das Zappen des eigenen Dokuments nicht abschaffen. Im Zweifelsfall verzögert man seine Reise nur, weil der Pass nicht lesbar ist und ein manueller Abgleich nötig wird. Wer sich im Alltag ausspioniert fühlt, der kann eine spezielle Hülle oder Alufolie zum Blocken nutzen.

Kommentare sind übrigens willkommen, wenn sie sachlich und konstruktiv sind 😉

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