Der kanadische Developer Andrew Warkentin präsentiert auf der Webseite von The Virtual OS Museum ein so ambitioniertes wie einzigartiges Projekt. Er hat eine Kombination aus Virtuellen Maschinen (VMs) geschaffen, die lokal mehr als 570 verschieden alte Betriebssysteme ausführen kann. Die seit 2003 aufgebaute Sammlung beinhaltet u. a. Mac OS Classic, Mac OS X, Windows 95, Windows 98 und verschiedene DOS-Versionen – aber auch exklusivere und wenig bekanntere Systeme.

The Virtual OS Museum, ein seit 2003 gewachsenes Projekt
Das umfangreiche Projekt, welches das Auftreiben von Betriebssystem-Abbildern und deren Aufbereitung für die Nutzung in VMs beinhaltet, läuft nun schon seit über 20 Jahren. Mittlerweile werden über 250 Plattformen emuliert, mehr als 570 Betriebssysteme (in 1.700+ Installationsmöglichkeiten) angeboten und eine Zeitspanne von den späten 1940er Jahren bis heute abgedeckt.
Enthalten sind dabei nicht nur bekannte Systeme wie das klassische Mac OS aus den 90ern oder frühe Mac OS X Versionen aus den 2000ern. Auch hat Andrew Warkentin mit Mark 1 Scheme A/B/C/T die ersten Vertreter von Mainframe-Software, die man gerade noch so als Betriebssysteme bezeichnen kann, in die Sammlung aufgenommen. Hinzu kommen weitere bekannte und unbekannte Systeme.
Als Beispiele listet der Developer aus Kanada diese auf der Startseite seines Projekts:
- Die frühesten Mainframes: Manchester Baby test/demo Programme, Mark 1 Scheme A/B/C/T (die frühesten Beispiele für Systemsoftware, die man als OS ansehen kann), verschiedene EDSAC-Software, etc.
- Spätere Mainframes und Minicomputer: CTSS, MVS, VM/370, TOPS-10/20, ITS, Multics, RSX, RSTS, und mehr
- Workstations und Unix-Varianten: PERQ OSes, SunOS, IRIX, OSF/1, A/UX, NeXTSTEP, Plan 9, various BSDs, plus Linux Distributionen aus verschiedenen Jahrzehnten, und mehr
- Heimcomputer: verschiedene CP/M Varianten, Apple II, Commodore 8-bit Maschinen, Atari 8-bit, MSX, Tandy TRS-80, BBC Micro, ZX Spectrum, Sharp MZ, und mehr
- PC-Systeme: verschiedene DOS Varianten, OS/2, BeOS, Windows von 1.0 bis frühe Longhorn-Betas, klassisches Mac OS bis Mac OS X 10.5 PPC, und mehr
- Mobile und eingebettete Systeme: PalmOS, EPOC/Symbian, Windows CE, Newton OS, frühes Android und iOS, QNX, etc.
- Forschungs- und obskure Systeme: ZetaLisp, Smalltalk-Umgebungen, Oberon, Plan 9, und viele mehr, die nur wenige Leute jemals gebootet haben
Vollständige Version und Lite-Version für x86-Systeme
Auf der Downloads-Seite bietet der Developer Andrew Warkentin die Früchte seiner Arbeit kostenlos an. Dabei ist jedoch auf die Größe der Downloads sowie auf deren Kompatibilität mit verschiedener Hardware zu achten.
Der vollständige Download, der direkt offline mit allen Features funktioniert, ist komprimiert 121 GB groß. Entpackt wird mit 174 GB noch mehr Speicherplatz gefordert. Die Lite-Version misst als Archiv hingegen nur 14 GB und verbraucht entpackt 21 GB. Dafür werden die Systeme individuell heruntergeladen, wenn man sie nutzen will.
Wichtig ist außerdem, dass das Ganze auf einer Linux-VM fußt, für die QEMU, VirtualBox und UTM vermittels verschiedener Skripte und Codes kombiniert werden. Das Ganze ist auf die Nutzung unter x86-Systemen ausgelegt, also z. B. auf Intel-Macs und PCs ohne ARM-Chips. Auf Macs mit Apple Silicon (M-Chips) kann man also Kompatibilitäts- und Performance-Probleme erwarten.
Screenshots geben Einblick ohne Installation
Wer sich den Aufwand, den Speicherplatz oder mögliche Performance-Probleme sparen will, kann sich auf der The Virtual OS Museum Webseite auch einfach ein paar Screenshots anschauen.
Von alten Apple- und Mac OS-Systemen über NeXTStep (das von Steve Jobs’ Firma NeXT zu Apple überging und die Basis von Mac OS X bildete) und Amiga UNIX sind bis hin zu LisaOS noch viele weitere vertreten.
Ich finde, das ist eine großartige Sammlung. Ich werde sie mir mal auf meinen Linux-PC laden und schauen, wie gut sie lokal läuft. Mein Fokus liegt dabei klar auf den Systemen der (späten) 1990er und der 2000er. Welche OS-Vertreter interessieren euch?
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Johannes ist selbstständiger Redakteur und Texter. Seit über 10 Jahren schreibt er regelmäßig für Sir Apfelot.










