Xtra-PC: Aufklärung zum „PC-Wunder“ und Anleitung zum selber machen

Ihr wollt mit dem Xtra-PC-„Wunder“ euren Mac oder PC schneller machen? Auf einer Webseite habt ihr den USB-Stick für 31,12€ gefunden und meint nun, damit einen Neukauf, eine Reparatur oder ähnliches umgehen zu können? Nun, dann müssen wir euch leider entzaubern. Denn bei Xtra-PC, dem USB-Stick, den angeblich die Computerhersteller und Computerläden hassen, handelt es sich einfach um einen Linux-Boot-Stick. Das heißt, dass ein Linux-Betriebssystem von dem Stick gestartet wird. Das hat Vorteile, aber auch einige Nachteile. Hier erfahrt ihr mehr – auch wie ihr euch den Xtra-PC kostenlos selber bauen könnt.

Ist Xtra-PC Betrug oder eine teure Dienstleistung? Ihr könnt euch mit der hiesigen Anleitung einen Xtra-PC Stick selber machen, bei vorhandenem USB-Stick sogar kostenlos!

Ist Xtra-PC Betrug oder eine teure Dienstleistung? Ihr könnt euch mit der hiesigen Anleitung einen Xtra-PC Stick selber machen, bei vorhandenem USB-Stick sogar kostenlos!

Was ist Xtra-PC?

Sowohl auf der Xtra-PC-Shop-Seite aus den USA als auch über Affiliate-Werbende aus Deutschland kommt man leicht zu Inhalten, in denen der USB-Stick mit kostenloser Linux-Distribution als „Wunder“ und „Zauber“ präsentiert wird. Einige deutsche Seiten berichten zudem von namenlosen Testern, die begeistert sind. Zudem werden namenlose Händler aus Computerläden ohne Name und Standort zitiert, die zwar „Millionen verlieren“ werden, aber „zugeben“, dass „dieses Produkt den Verbrauchern viel Geld sparen kann“.

Es grenzt an Betrug, was mit Xtra-PC und der Bewerbung der USB-Sticks abgezogen wird. Denn natürlich ersetzt er keine neue Hardware (CPU, Grafikkarte, Festplatte, Mainboard oder irgendetwas anderes). Er dient lediglich als Speichermedium, von dem ein Betriebssystem gestartet wird, das etwas effizienter funktioniert als Windows. Und das ist wichtig zu wissen: Man bekommt kein Windows und verliert damit auch die Möglichkeiten, Windows-Apps auszuführen, die meisten Videospiele zu spielen und dergleichen mehr. E-Mails abrufen, Webbrowser nutzen, Musik hören, Filme schauen, etc. ist natürlich auch unter Linux möglich.

Ist Xtra-PC Betrug?

Da stellt sich natürlich die Frage: Ist Xtra-PC Betrug oder nur eine überschwänglich präsentierte Dienstleistung? Wenn es um das reine Angebot eines voreingestellten Boot-Sticks für Linux geht, dann ist das Angebot ja okay. Im Hinblick auf die Bewerbung des Produkts sowie einige (auch und vor allem deutsche) Affiliate-Seiten zum Thema kann man schon von Irreführung sprechen. Es wird übertrieben, hinsichtlich der Aussagen von Nutzenden und von Fachleuten mutmaßlich gelogen und dergleichen mehr. Hier wird offensichtlich versucht, eine technisch unaufgeklärte Zielgruppe hinters Licht zu führen.

Schaut man sich im US-Shop von Xtra-PC um, werden dort direkt die drei Versionen mit 16GB, 32GB und 64GB Speicher zum Kaufen angeboten. Durchsucht man die Startseite, die „How it Works“-Seite sowie die FAQ-Seite findet sich nur einmal das Wort „Linux“; der Distributionsname „Lubuntu“ taucht gar nicht auf. Es wird zwar aufgezeigt, dass Windows umgangen und ein alternatives Betriebssystem ausgeführt wird. Über die teils massiven Unterschiede und Einschränkungen bzw. Umstellungen, die das mit sich zieht, wird aber der Mantel des Schweigens gehüllt. Ist Xtra-PC also Fake? Nicht ganz. Ist Xtra-PC Betrug? Ganz knapp dran vorbei.

Eigenen Xtra-PC Stick selber machen: So geht’s!

Wenn ihr wisst, was Linux ist, und wenn ihr damit einen alten PC oder Mac mit Standard-Tools für die virtuelle Welt ausstatten wollt, dann könnt ihr euch einen Xtra-PC Stick selber machen. Das kostet weniger oder ist – wenn ihr einen USB-Stick mit 16GB, 32GB, 64GB oder mehr rumliegen habt – kostenlos. Genauso wie das oben beschriebene Produkt für unwissende Menschen, die auf technische Zauberlösungen reinfallen könnten, führt der Stick mit eigenem Speicher dazu, dass er auch an Computern und Laptops ohne Festplatte genutzt werden kann.

Schritt 1 – Lubuntu herunterladen

Lubuntu ist eine schlanke, Ressourcen schonende und leicht zu bedienende Linux-Distribution mit optischen Ähnlichkeiten zu Windows. Es gibt Versionen für 32-bit sowie 64-bit Systeme. Außerdem gibt es eine PowerPC-Version für alte Apple-Computer und eine Version für Raspberry Pi 2 und 3. Den Download für euren Mac oder PC bekommt ihr komplett gratis hier: https://lubuntu.net/downloads/ 

Schritt 2 – Rufus oder Etcher herunterladen

Am Windows-PC könnt ihr das kostenlose Programm Rufus nutzen, um Lubuntu auf eurem USB-Stick zu mounten. Am Apple Mac mit macOS bietet sich dafür die Etcher App an, die es ebenfalls für Windows und auch Linux gibt. Beide Programme sorgen dafür, dass euer USB-Stick und die heruntergeladene Lubuntu-Version zu einem Boot-Stick zusammengeführt werden.

Schritt 3 – Lubuntu mounten und Boot-Stick erstellen

Und genau darin besteht der dritte von drei einfachen Schritten, mit denen ihr euch günstig oder gratis einen eigenen Xtra-PC basteln könnt. Steckt den USB-Stick ein, startet Rufus oder Etcher, stellt die nötigen Parameter ein (oder lasst sie auf den Standardeinstellungen) und installiert damit ein voll funktionsfähiges Betriebssystem auf dem mobilen Speicher. Um ihn am Mac zu nutzen, haltet ihr beim Start die Option-Taste (Alt) gedrückt und wählt dann im Startup Manager den Stick als Startmedium aus.

Mit Linux-Stick den alten PC „schneller“ machen – Pro und Contra

Mit einem Xtra-PC oder anderem Lubuntu-Boot-Stick macht man keinen Computer schneller oder besser. Es wird lediglich ein schlankes OS ausgeführt, das die verbauten Hardware-Komponenten etwas effizienter nutzt. Zudem ändert sich nichts an der veralteten Version von Windows oder Mac OS X. Dennoch: Wer lediglich im Web surfen, E-Mails schreiben und empfangen, Bilder, Videos und Filme anschauen sowie Musik hören und der Textverarbeitung frönen will, kann sich auch mit Linux anfreunden.

Linux-Boot-Stick nutzen

Vorteile

  • Alte Computer können ein bisschen schneller genutzt werden
  • Selbst Computer ohne Festplatte verwenden ist möglich
  • Man kann sich den Boot-Stick günstig selber herstellen
  • Viele Standard-Funktionen der Computernutzung sind möglich
  • Immer mehr (professionelle) Programme gibt es auch für Linux

Nachteile

  • Der Computer wird nicht „schneller“ oder durch Zauberhand repariert
  • Apps, die nur unter Windows / macOS laufen, können nicht genutzt werden
  • Eine Umstellung hinsichtlich Nutzung einzelner Funktionen ist nötig
  • Ein paar Funktionen und Bequemlichkeiten können und werden wegfallen
  • Es gibt keine Zauberlösung für technisch unbedarfte Menschen



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10 Kommentare

  1. Scheler sagt:

    Hallo, lieber Johannes,

    wie gut, daß es Menschen wie Dich gibt, die Ihr Wissen an Nicht-, oder wenig Wissende wie mich alten Knaben (72) uneigennützig weitergeben. Dafür möchte ich mich ganz wirklich herzlich bedanken. Möge Gott Dich beschützen.

    Herzlichst
    Klaus-Dieter

  2. Benjamin sagt:

    Mir ist schon bei den ersten stätzen klar gewesen das sich das hier um einen einfachen bootstick mit nem linux darauf handelt, da ich seit jahren auf linux arbeite und entwickle.

    Das mit dem nicht ausführen können von windows programmen ist nicht ganz richtig Wine oder Lutris sind ein programme zum ausführen von windows programmen. Auch der großteil aller windows datei formaten werden in den meisten distros unterstützt und es gibt passende programme dazu. mag sein dass man nicht mit eiem klick ein windowsprogramm starten kann aber wenn sich die macher von dem stick dahinterklemmen würden könnten sie auch das realisieren.

    ich habe mir aus interresse mal solch einen stick gekauft. ich wollte wissen ob das ding wirklich für die zielgruppe der nichtswissenden geeignet ist und wie es umgesetzt ist.

    mein fazit daraus ist der verwendete usb sick ist ein topproduckt der marke CnMemory der sich duch sein aluminiumgehäuse und einem langlebingen flashspeicher auszeichnet. ich besitze selbt solche sticks und bin von ihnen überzeigt. Aber was die benutzer freundlichkeit angeht ist mehr so ein mehh. Der erste punkt ist den pc dazubekommen vom usb zustarten. Gerade laptops neigen dazu dies nicht zu tun bzw haben nicht die möglichkeit aufgrund den gesichterten bios. Dann die angesprochene linux distro sie ist eine mehr oder weniger standart lubuntu mit dem xtrapc logo und ein paar helfern auf dem desktop plaziert.
    kurz um das ding ist mehr als betribssystem ersatz gedach um zumindest wieder etwas mit dem pc anfangen zukönnen aber reparaturen sind nicht möglich.

    Ich finde der preis ist nur teilweise Gerechtfertigt aber das gleiche gilt auch für eine Windows lizenz meiner meinung nach.
    wer nur ab der rettung seiner daten interessiert ist der sollte sich besser einen billigen stick kaufen ein belibiges linux drauf und kann los legen aber wer wirklich damit arbeiten will der kann sich das schon kaufen man muss halt abstriche machen und sich anpassen. aber meine meinung nach einfach daten retten und dann linux auf der internen hdd sshdd oder ssd installieren und dann damit arbeiten.

    • Jens Kleinholz sagt:

      Hallo Benjamin! Vielen Dank für deine ausführliche Rückmeldung. Schön, mal Feedback von jemanden zu bekommen, der sich mit Linux auskennt und der auch noch das XtraPC Ding ausprobiert hat. Das ist eine schöne Ergänzung zum Artikel, welche sicherlich vielen Lesern helfen wird. LG, Jens

  3. BL sagt:

    Eine übersichtliche und anfängerfreundliche Anleitung, vielen Dank. Auch die Ergänzung von Benjamin ist sehr nützlich. Allerdings ist sie wohl sehr schnell geschrieben worden. Ich habe mir erlaubt, eine in der Lesbarkeit erleichterte Fassung anzufertigen, vielleicht interessiert es jemanden:

    "Mir ist schon bei den ersten Sätzen klar gewesen, dass sich das hier um einen einfachen Bootstick mit ‘nem Linux darauf handelt, da ich seit Jahren auf Linux arbeite und auch entwickle.
    Das mit dem nicht Ausführenkönnen von Windowsprogrammen ist nicht ganz richtig. Wine oder Lutris sind Programme zum Ausführen von Windowsprogrammen. Auch der Großteil aller Windows-Dateiformate wird in den meisten Linux-Distros unterstützt und es gibt passende Programme dazu. Mag sein, dass man nicht mit einem Klick ein Windowsprogramm starten kann, aber wenn sich die Macher des Sticks dahinterklemmen würden, könnten sie auch das realisieren.
    Ich habe mir aus Interesse mal solch einen Stick gekauft. Ich wollte wissen, ob das Ding wirklich für die Zielgruppe der Nichtswissenden geeignet ist, und wie es umgesetzt ist.
    Mein Fazit daraus ist: Der verwendete USB-Stick ist ein Topprodukt der Marke CnMemory, der sich durch sein Aluminiumgehäuse und einem langlebigen Flashspeicher auszeichnet. Ich besitze selbst solche Sticks und bin von ihnen überzeugt. Aber was die Benutzerfreundlichkeit angeht, ist es eher ein Flop. Der erste Punkt ist, den PC dazu zu bekommen, vom USB zu starten. Gerade Laptops neigen dazu, dies nicht zu tun, bzw. haben nicht die Möglichkeit aufgrund des gesicherten Bios‘. Dann die angesprochene Linux-Distro: Sie ist mehr oder weniger ein Standard-Lubuntu mit dem Xtra-PC-Logo und ein paar Helfern, die auf dem Desktop platziert sind.

    Kurzum, das Ding ist mehr als Betriebssystemersatz gedacht, um zumindest wieder etwas mit einem PC anfangen zu können, aber Reparaturen sind nicht möglich.
    Ich finde, der Preis ist nur teilweise gerechtfertigt, aber das Gleiche gilt meiner Meinung nach auch für eine Windowslizenz.
    Wer nur an der Rettung seiner Daten interessiert ist, der sollte sich besser einen billigen Stick kaufen, ein beliebiges Linux drauf, und kann loslegen, aber wer wirklich damit arbeiten will, der kann sich das schon kaufen – man muss halt Abstriche machen und sich anpassen. Aber meine Meinung nach lassen sich damit Daten retten und dann kann Linux auf der internen HDD oder SSD installiert werden, um damit zu arbeiten."

  4. vera nemetz sagt:

    Vielen Dank für diesen Beitrag. Das hat mir sehr geholfen.
    Eigentlich habe ich eine Anleitung gesucht,wie mann eine Sicherheitskopie auf einen Stick
    machen kann.
    Ich bin 66 jahre alt und versuche immer alles selber hinzubekommen.
    Liebe Grüße Vera

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