Mac: Ruhezustand für interne UND externe Festplatten einstellen

Nicht immer greift die Deaktivierung des Ruhezustand von macOS auch bei externen Festplatten. Wie man sie trotzdem dazu bewegt, nicht in den Spindown zu gehen, erkläre ich in diesem Artikel (Foto: Sir Apfelot).

Vor kurzem hatte ich eine interessante Unterhaltung mit einem Leser, der gefragt hat, ob man bei Mac-Rechnern den Ruhezustand bei externen Festplatten deaktivieren kann. Mein erster Gedanke war die Systemeinstellung „Energie sparen“, die ja unter anderem eine Option beherbergt, die den „Ruhezustand“ von den Festplatten bei einer gewissen Zeit Inaktivität erlaubt. Allerdings habe ich nach einiger Recherche herausgefunden, dass die Deaktivierung dieser Option meistens nur bei internen Festplatten funktioniert.

Bei externen Festplatten liest man unterschiedliche Aussagen. Manche meinen, dass diese sich überhaupt nicht von der Einstellung im Kontrollfeld „Energie sparen“ beeinflussen lassen, während andere wiederum sagen, es hängt vom Hersteller ab, ob eine Festplatte diese Einstellung von macOS berücksichtigt oder nicht.

Fest steht: Die Zeitspanne bis zum Spindown wird bei externen Festplatten nicht einheitlich gehandhabt. Wenn eine bestimmte Festplatte, auf die Einstellung von macOS nicht reagiert, gibt es allerdings noch die Möglichkeit mit Drittanbieter-Apps eine gewisse Einflussnahme zu ermöglichen. Dazu aber weiter unten mehr. Hier erst einmal die Erkenntnisse, die ich bei der Recherche über das Kontrollfeld „Energie sparen“ und die Option zum Festplatten-Ruhezustand bekommen habe.

Nicht immer greift die Deaktivierung des Ruhezustand von macOS auch bei externen Festplatten. Wie man sie trotzdem dazu bewegt, nicht in den Spindown zu gehen, erkläre ich in diesem Artikel (Foto: Sir Apfelot).

Nicht immer greift die Deaktivierung des Ruhezustand von macOS auch bei externen Festplatten. Wie man sie trotzdem dazu bewegt, nicht in den Spindown zu gehen, erkläre ich in diesem Artikel (Foto: Sir Apfelot).

Einschub: Warum man Festplatten in den Ruhezustand schicken sollte

In manchen Fällen ist es durchaus sinnvoll, einen Spindown (also das Herunterfahren in den Ruhezustand) von einer Festplatte zu verhindern. Dies ist zum Beispiel dann der Fall, wenn man Audio oder Video aufzeichnet und der Ruhezustand der Festplatte dazu führt, dass Frames gedroppt werden oder die Audioaufnahme Lücken aufweist, weil die Festplatte eine kurze Zeit keine Daten schreiben konnte. Dies sind aber Ausnahmefälle. In der Regel ist der Ruhezustand für Festplatten nicht nur aus Energiespargründen empfehlenswert, sondern auch, um die Lebensdauer der Platten nicht zu verkürzen.

Übliche Festplatten sind dafür aber weniger ausgelegt. Es gibt spezielle Festplattenserien, wie die WD RED, WD RED Pro, WD Ultrastar oder Seagate IronWolf,  die speziell für Server-, RAID- und NAS-Systeme konzipiert wurden. Diese speziellen Festplatten halten einen Dauerbetrieb mit der entsprechenden Hitzeentwicklung aus und verkraften es auch, wenn sie ständig Daten schreiben oder lesen – was ja bei einer „normalen“ Festplatte nie der Fall ist. Das läuft höchstens mal ein längerer Kopiervorgang, aber ansonsten sind die Platten eher im Warte-Modus.

Nutzt man nun eine günstige Festplatte, die für den Betrieb an einem Desktop-Computer ausgelegt ist, in einem NAS- bzw. RAID-System oder gönnt ihr nie den Ruhezustand, dann schlägt sich dies natürlich in der Lebenserwartung der Festplatte nieder. Sicher bekommt sie kein „Burnout“, wie bei einem Serverbetrieb, wo ständig kleine Datenmengen von vielen Prozessen gleichzeitig abgefragt werden, aber dennoch dürfte sie früher mit Problemem zu kämpfen haben. Gönnt man der Festplatte dagegen mit der Option „Ruhezustand“ hier und da Pausen, wirkt sich dies sicher positiv auf die Haltbarkeit aus.

Links die Festplatte mit "drehenden Teilen" und rechts die SSD von SanDisk, die ohne mechanische Teile auskommt.

Links die Festplatte mit „drehenden Teilen“ und rechts die SSD von SanDisk, die ohne mechanische Teile auskommt.

Externe SSD besitzen keinen Ruhezustand

Ich hatte vor kurzem ja schon einen kleinen Testbericht zu einer Billig-SSD, die extern an den Mac angeschlossen werden kann. Diese Art von externem Speicher hat quasi keinen Ruhezustand und ist immer in Bereitschaft, da es ein Speicher wie ein USB-Stick ist. Hier gibt es keine drehenden Teile und entsprechend keine mechanische Abnutzung, die man durch einen Spindown minimieren müsste. Wer also eine externe Festplatte sucht, die extrem schnelle Zugriffszeiten bietet, der sollte sich mal die externe SSDs von SanDisk anschauen, die ich mir auch zugelegt habe.

Die Option für den Ruhezustand von internen und externen Festplatten findet man über "Energie sparen" in den Systemeinstellungen.

Die Option für den Ruhezustand von internen und externen Festplatten findet man über „Energie sparen“ in den Systemeinstellungen.

Systemeinstellung „Energie sparen“

In den Systemeinstellungen unter „Energie sparen“ findet man sowohl unter dem Reiter „Batterie“ wie auch unter „Netzteil“ die Option „Wenn möglich, Ruhezustand für Festplatten aktivieren“. Diese Einstellung läßt sich also für den Batteriebetrieb und die Zeit, in der zum Beispiel ein MacBook am Netzteil hängt, getrennt festlegen. Ich nehme an, dass es bei einem iMac, der ja nur ohne Akku läuft, keine getrennten Bereiche gibt, aber die Option für den Ruhezustand der Festplatten dennoch vorhanden ist.

Wie oben erwähnt, beeinflusst diese Einstellung in der Regel nur interne Laufwerke. Man kann trotzdem eventuell versuchen alle Ruhezustände (auch Monitor etc) komplett zu deaktivieren. In manchen Fällen, fährt dann auch eine externe Festplatte nicht herunter. Meistens muss man dazu allerdings mit Drittanbieter-Apps tricksen, die ich unten vorstelle.

Im Kontrollfeld "Energie sparen" versteckt sich auch die Option, um den Spindown von Festplatten zu aktivieren.

Im Kontrollfeld „Energie sparen“ versteckt sich auch die Option, um den Spindown von Festplatten zu aktivieren.

Ist der Ruhezustand aktiv?

Setzt man ein Häkchen bei der Option „Wenn möglich, Ruhezustand für Festplatten aktivieren“, ist die Zeit üblicherweise auf 10 Minuten Inaktivität gestellt. Ist die Festplatte solange nicht im Schreib- oder Lesemodus gewesen, wird sie in den Ruhezustand versetzt. Diese 10 Minuten findet man in den Systemeinstellungen nicht, aber man kann sie auslesen, indem man über das Terminal folgenden Befehl eingibt:

pmset -g

Die Ausgabe zeigt dann unter dem Eintrag „disksleep“ die entsprechende Zahl an. Im Screenshot sind die 10 Minuten zu sehen.

Über den Terminal-Befehlt pmset läßt sich auch die Zeitspanne bis zum Ruhezustand der Festplatte auslesen.

Über den Terminal-Befehlt pmset läßt sich auch die Zeitspanne bis zum Ruhezustand der Festplatte auslesen.

Ruhezustand der Festplatte minutengenau einstellen

Während man über das Kontrollfeld „Energie sparen“ nur eine Aktivierung des Ruhezustandes mit ja oder nein vorgeben kann, gibt es mit dem Terminal mehr Möglichkeiten. Über den Befehl „pmset“ läßt sich der Parameter „disksleep“ nämlich minutengenau vorgeben. Hierzu ein Beispiel, mit dem man den Ruhezustand der Festplatte nach einer Inaktivität von 45 Minuten vorgibt:

sudo pmset disksleep 45

Der Befehl „sudo“ vor dem „pmset“ sagt, dass dieser mit Administratorrechten ausgeführt werden soll. Aus dem Grund wird nach der Eingabe auch ein Administrator-Passwort verlangt, bevor der Befehl tatsächlich ausgeführt wird.

Stellt man den Wert für „disksleep“ auf „0“, wird die Option für den Ruhezustand übrigens deaktiviert. Aber dies läßt sich auch über das Kontrollfeld erledigen, indem man einfach das Häkchen bei der Option für den Ruhezustand der Festplatten entfernt.

Wenn man mit dem Terminal-Befehl an einem MacBook die Einstellungen für Batterie- und Netzteilbetrieb vornehmen möchte, nutzt man das folgende Kommando:

sudo pmset -c disksleep 0 -b disksleep 60

Damit wird der Spindown für den Betrieb am Netzteil (-c) deaktiviert und beim Batteriebetrieb (-b) auf 60 Minuten gesetzt.

Spindown bei externen Festplatten durch Hilfsprogramme beeinflussen

Möchte man nun trotzdem den Spindown, also den Ruhezustand, bei externen Festplatten am Mac deaktivieren, gibt es einige Apps, die helfen, hier Einfluss zu nehmen. In seltenen Fällen funktionieren aber selbst diese Apps nicht, da die Zeit zum Spindown vom Festplatten-Controller vorgegeben wird.

Die Features von Cocktail umfassen auch ein paar Punkte in Bezug auf Festplatten. Unter anderem auch die individuelle Zeiteinstellung bis zum Spindown.

Die Features von Cocktail umfassen auch ein paar Punkte in Bezug auf Festplatten. Unter anderem auch die individuelle Zeiteinstellung bis zum Spindown.

Cocktail

Die Software „Cocktail“ ist – wie Tinkertool und OnyX – grundsätzlich eine Empfehlung. Mit ihr lassen sich viele Systemparameter einstellen, an die man sonst nur über das Terminal kommt. Die Zeit bis zum Festplatten-Ruhezustand ist nur eine davon. Letztendlich erreicht man das Gleiche aber auch mit den Systemeinstellungen. Wenn diese Einstellung von der externen Festplatte ignoriert wird, kann aus dem Grund auch Cocktail nicht helfen. Dann ist vielleicht die App „Keep Drive Spinning“ hilfreich.

Eine kleine Warnung sollte man bei Cocktail vielleicht noch vor den automatisierten Wartungsscripten und ähnlichen geben, was über reine „Einstellungen“ hinaus geht. Diese „Optimierungsfunktionen“ haben bei einigen Leuten schon einigen Schaden angerichtet.

http://www.maintain.se/cocktail/

Keep Drive Spinning

Diese kleine App macht nur eine Sache: externe Festplatten am Laufen halten. Auf der Seite steht zwar nur „Mac OS X 10.4“, aber im Support-Forum sind auch neue Einträge von Dezember 2018, so dass ich davon ausgehe, dass die Software auch mit Mojave funktioniert. Im Gegensatz zu Cocktail, das nur die macOS Einstellungen ändert, besteht bei „Keep Drive Spinning“ auch die Möglichkeit, dass Festplatten, die die macOS Einstellungen ignorieren, hiermit am Spindown gehindert werden.

http://jon.stovell.info/software/keep-drive-spinning/

Veraltete Apps und aufgegebene Projekte

Man findet im Netz zwar noch einige andere Apps, die bei dem Problem helfen sollen, aber die Webseiten sind nicht mehr verfügbar, die Projekte eingestellt oder sie funktionieren einfach nicht mehr mit den aktuellen macOS Versionen wie Mojave. Ich hoffe, für euch ist ein hilfreicher Ansatz dabei, der euer Problem löst. Wenn nicht meldet euch gerne bei mir. Vielleicht fällt uns gemeinsam ja noch etwas ein.

 

 

 

2 Kommentare

  1. Peter sagt:

    Interessanter Artikel – tatsächlich hatte ich auch schon einmal daran gedacht, zu fragen, warum meine per Firewire am iMac angeschlossene externe Festplatte (auf der derzeit auch das Startvolume ist), offenbar zwischendurch gelegentlich kurz aus dem – eigentlich ganz normal aktivierbaren – Ruhemodus aufwacht, ein bisschen etwas „tut und sich dann wieder zur Ruhe begibt. Das Display (und vermutlich auch die interne (Daten-)Festplatte) erwachen dabei aber nicht.

    Ich hatte jetzt angenommen, dass möglicherweise irgendeine Routine in Controller der externen Platte für dieses Verhalten sorgt, aber sicher bin ich mir nicht.

    Überhaupt neigt diese externe (Toshiba, 2 TB) Platte dazu, im normalen Betrieb zwischendurch immer mal – recht regelmäßig: vielleicht alle 15 Sekunden – kurz für ca. 1 Sekunde Aktivitäten hören zu lassen, auch wenn eigentlich gerade nichts passiert, von dem ich annehmen würde, dass dabei Schreib-/Lesevorgänge stattfinden müssten und die interne Platte dabei offenbar friedlich vor sich hin ruht. Automatische Abfragen (soweit mir bekannt) etwa für den Maileingang habe ich abgeschaltet.

    Kann das evtl. auch eine Routine des Controllers dieses Platte sein?

    • Sir Apfelot sagt:

      Hallo Peter! Das läßt sich ganz einfach ausprobieren. Wenn du die Festplatte im Login-Screen beobachtest, dürfte sie keinerlei Aktivität vom System bekommen. Wenn sie dann trotzdem noch alle 15 Sekunden diese kurze Aktivität zeigt, dürfte es am Controller liegen. Aber was das genau sei könnte? Da bin ich auch überfragt. 🙂

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