DJI wirft bei neuen Drohnen GLONASS aus dem Navigationssatellitensystem

BEIDOU statt GLONASS

In der letzten Zeit habe ich einige Videos zum Thema DJI Mini 3 Pro angeschaut und dabei auch herausgefunden, dass es bei den technischen Spezifikationen der neuen Drohne eine interessante Änderung gibt. Während die DJI Mini 2 nämlich bei dem globalen Navigationssatellitensystem noch auf GPS, GLONASS und GALILEO setzt, findet man in den Spezifikationen der DJI Mini 3 Pro folgende Zusammenstellung: GPS, BEIDOU und GALILEO.

GPS und GNSS – wo liegt der Unterschied?

Wenn wir im Alltag von GPS sprechen, dann meinen wir eigentlich GNSS, denn in der Regel benutzen Geräte wie Smartphones nicht nur das amerikanische GPS System, sondern auch weitere Navigationssatellitensysteme – wie zum Beispiel GLONASS, BEIDOU oder GALILEO.

Die Abkürzung GNSS wiederum bedeutet „Global Navigation Satellite System“ und das könnte man auf Deutsch mit „globalen Navigationssatellitensystem“ übersetzen – abgekürzt „GNSS“. Man sieht also, wer im Alltag von Geräten mit GPS-Unterstützung spricht, meint eigentlich Geräte mit GNSS-Unterstützung.

Die neue DJI Mini 3 Pro hat als GNSS kein GLONASS mehr in Verwendung. Warum dies der Fall sein könnte, möchte ich hier im Beitrag darlegen.

Die neue DJI Mini 3 Pro hat als GNSS kein GLONASS mehr in Verwendung. Warum dies der Fall sein könnte, möchte ich hier im Beitrag darlegen.

Umstieg wegen Ukraine-Krieg?

Zeitlich gesehen könnte man meinen, dass diese Umstellung bei dem Multi-GNSS-Setup vielleicht mit dem Ukraine-Krieg zusammenzuhängen, den Russland losgetreten hat. Das GLONASS-System wird von den Russen betrieben und damit könnte es sein, dass man Bedenken hat, dass es noch langfristig in Betrieb ist.

Das würde ich persönlich jedoch seltsam finden, denn die DJI Mini 3 Pro ist sicher schon länger in der Entwicklung und ein elektronisches System wie ein GNSS wird sicher nicht innerhalb von 3 Monaten über den Haufen geworfen.

Mögliche Gründe für die Umstellung auf BEIDOU?

DJI und BEIDOU haben eine große Gemeinsamkeit: sie haben ihre Heimat in China. Entsprechend lag es für DJI nahe, auf das chinesische Pendant zu GLONASS umzustellen.

Ein weiterer Grund könnte auch die Genauigkeit sein, die bei solchen Systemen von der Anzahl der Satelliten abhängt, die im Orbit unterwegs sind. Hier hat BEIDOU mit 35 Satelliten einen deutlichen Vorsprung vor GLONASS, welches noch 24 funktionierende Satelliten in Betrieb hat.

Auf der Webseite des GNSS Beidou findet man auch eine Übersicht, wie die Abdeckung mit diesem System.

Auf der Webseite des GNSS Beidou findet man auch eine Übersicht, wie die Abdeckung mit diesem System.

Aber offenbar bedeutet eine hohe Anzahl an Satelliten nicht zwangsläufig eine hohe Genauigkeit. Ich habe mir daher für den Artikel mal die Anzahl der Satelliten und die Genauigkeit der Systeme herausgesucht und hier für euch zusammengestellt. Die meisten Systeme bieten eine freie und eine bezahlte Variante an, wobei die bezahlte natürlich viel genauere Werte liefert. In den Consumer-Drohnen kommen aber nur die freien GNSS zum Einsatz, sodass ich mich darauf beschränke.

Ein anderer Gesichtspunkt, der in meiner Tabelle verloren geht, ist die Genauigkeit in der Vertikalen, denn während manche Systeme in der Ebene eine hohe Genauigkeit haben, ist die Ermittlung von Höhen ein ganz anderes Thema. Hier hat zum Beispiel GLONASS in manchen Gebieten eine höhere Genauigkeit als das amerikanische GPS. Aber die Abdeckung von GLONASS ist nicht weltweit genauso gut wie bei GPS.

GNSSBetreiberAnzahl der SatellitenGenauigkeit (horiz.)
GPSUSA247 m
GLONASSRussland245 - 7 m
GALILEOEuropa304 m
BEIDOUChina3510 m

Man sieht, dass ein Austausch von GLONASS durch BEIDOU aufgrund der Genauigkeit eigentlich nicht gerechtfertigt sein kann. Ich nehme daher an, dass die Entscheidung von DJI getroffen wurde, um die chinesische GNSS-Alternative zu fördern. Das ist aber reine Spekulation. Wer mehr weiß, darf gerne einen Kommentar hinterlassen.

Hohe Genauigkeit durch Kombination mehrerer Systeme

Interessant ist aber, dass man durch die Kombination von GPS und GALILEO schon eine Genauigkeit von wenigen Zentimetern erreicht. Die DJI Mini 3 Pro nutzt GPS, BEIDOU und GALILEO und damit wird auch klar, warum die Drohnen von DJI wie angenagelt in der Luft stehen. Sie haben durch das GNSS einfach eine sehr genaue Positionierung und halten so ihre Position durch die extrem schnelle Nachregelung durch die Ansteuerung der Motoren.

Die DJI Mini 3 Pro ist nach meinem Wissen die erste DJI Drohne, welche auf GLONASS verzichtet und stattdessen auf das chinesische Pendant BEIDOU setzt (Foto: Sir Apfelot).

Die DJI Mini 3 Pro ist nach meinem Wissen die erste DJI Drohne, welche auf GLONASS verzichtet und stattdessen auf das chinesische Pendant BEIDOU setzt (Foto: Sir Apfelot).

A-GPS – mehr Funknetze für höhere Genauigkeit

Die Systeme auf dem Smartphone arbeiten mit dem Assisted Global Positioning System, kurz A-GPS, um die Standortgenauigkeit noch weiter zu erhöhen. Das Verfahren nutzt zusätzlich zu den GNSS-Daten Bluetooth, WLAN, mobile Daten und die genaue Entfernung zu Mobilfunkmasten. Mit den zusätzlichen Informationen wird eine genaue und schnelle GPS-Ortung gewährleistet – in manchen Fällen sogar, wenn die Sichtbarkeit der GPS-Satelliten eingeschränkt ist.

Dass diese Systeme auch in den DJI Drohnen Verwendung finden, halte ich für ausgeschlossen, da die Drohne keine Mobilfunkmasten ohne SIM-Karte auswerten kann. Wenn ich hier falsch liege, freue ich mich aber über eine Verbesserung von euch.

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3 Kommentare

  1. Peter Wilhelm sagt:

    Das Problem an GLONASS ist die Fehlweisung. Die Fehlweisung ist eine in Navigations-Satellitensystemen eingebaute Technik, die vom Militär eingeschaltet werden kann. (Zivile) Navigationsgeräte werden dann ganz oder zeitweise fehlgeleitet. Es werden künstlich Abweichungen zwischen 50 m und 5 km generiert.
    Die Navigationssysteme des eigenen Militärs verfügen über eine Dekodierstufe, die diese Fehlweisung herausrechnen kann.

    Auch die USA verfügen über eine entsprechende Technik, weshalb während der Irak-Kriege auch Geocaching zeitweise keinen Spaß gemacht hat.

    Wenn Russland nun dauernd oder immer wieder in Kriege verwickelt ist, die dafür sorgen dass diese Fehlweisung häufiger eingeschaltet wird, dann wäre das ein unzuverlässiger Technikpartner für Drohnen.

    • Jens Kleinholz sagt:

      Hi Peter! Sind diese Fehlweisungen dann regional begrenzt oder weltweit? Scheinbar eher weltweit, wenn das Geocaching in DE bei GPS betroffen war. Aber ja, das ist schon ne doofe Sache. Ein Grund mehr auf diese bescheuerten Kriege zu verzichten.

  2. Ich mutmaße mal, dass ältere Satellitennetze, die auf wenigen Satelliten basieren, nicht so genau umgestellt werden können, wie Netze aus sehr vielen Satelliten.

    Die Fehlweisung der Amerikaner war übrigens lange Jahre standardmäßig eingeschaltet, weshalb frühe Navigationssysteme gerne mal das Auto 5 Meter neben der Straße darstellten. Ich erinnere mich noch sehr gut daran, ein koffergroßes Teil unterm Beifahrersitz, in dem 2 CDs rotierten. Nur rechts/links-Anweisungen ohne Straßennamen, ohne Spurführung usw.
    War, glaube ich, von Kenwood. Als dann die Daten nicht mehr stimmten, konnte Kenwood die Nachfolge-CD nicht mehr liefern, auf die man Anspruch hatte. Stattdessen habe ich dann ein neues Navi bekommen. Da steckte alles schon im Radio.

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