Nach Kritik an seinen mit Kameras ausgestatteten Smart Glasses hat der Meta-Konzern, zu dem auch Facebook, Instagram und WhatsApp gehören, stärkere Privatsphäre-Maßnahmen angekündigt. Doch diese kommen viel zu spät. Und sie bearbeiten nur eine der vielen Baustellen, von denen an anderer Stelle direkt neue eröffnet werden.

Kapitel in diesem Beitrag:
Das Problem mit den Kamera-Brillen
Sowohl die mit Ray-Ban herausgebrachten Meta-Brillen als auch die kürzlich vorgestellten und komplett in Eigenregie hergestellten Modelle des Konzerns verfügen über hochauflösende Kameras. Diese können nicht nur für KI-Anfragen zur Umgebung genutzt werden, sondern auch für die Aufnahme von Fotos und Videos.
Dabei soll eigentlich ein LED-Licht darauf hinweisen, dass die Person mit der Brille gerade eine Aufnahme macht. Doch das bloße Abkleben der LED reichte bisher schon aus, damit das Gegenüber nicht mitbekommt, dass es gefilmt oder fotografiert wird. Bei YouTube, auf Social-Media-Seiten, auf Erwachsenenseiten und so weiter kursiert entsprechendes Material.
Der Privatsphäre-Schaden, der durch Kamerabrillen ermöglicht wird, ist bereits angerichtet. Und für zahlreiche Menschen, vor allem für viele Frauen, zum Problem geworden. Zum Thema empfehle ich diese Reportage:
Ein paar Maßnahmen zur Beschwichtigung von Meta
Meta hat diese Woche eine Pressemitteilung mit dem Titel „Meta’s AI Glasses: Your Questions Answered“ (Metas KI-Brillen: Eure Fragen beantwortet) veröffentlicht. Darin wird unter anderem auf das Problem der abgedeckten LEDs eingegangen.
Meta gibt diesbezüglich an, dass alle Modelle ab der zweiten Generation der Meta KI-Brillen mittlerweile die Kamera deaktivieren, wenn die LED abgedeckt ist. Außerdem soll die Kamera nach einem Update auch dann nicht mehr funktionieren, wenn die LED-Elektronik deaktiviert bzw. abgetrennt oder die LED zerstört wurde.
Zudem sollen Inhalte auf Social Media, welche die Deaktivierung der Aufnahme-LED zum Thema haben, stärker nachverfolgt und gelöscht werden. Da Meta aber nur auf seinen eigenen Plattformen aktiv werden kann, ist das nicht mehr als ein Marketinggag. Das Internet besteht nunmal nicht nur aus Insta und Facebook, auch wenn Meta das begrüßen würde.
Im Großen und Ganzen versucht Meta bezüglich seiner Kamerabrillen nur zu beschwichtigen und nach zahlreicher Kritik ein paar hastige Updates nachzuschieben. Das Grundproblem wird damit aber nicht gelöst. Wer die fast unsichtbaren Kameras in den Brillen unerkannt nutzen will, wird auch zukünftig Wege dafür finden.
Die nächste Privatsphäre-Baustelle wartet schon
Während Meta an einer Stelle die Kritik an den KI-Brillen adressieren will, da lässt das Unternehmen die künstliche Intelligenz an anderer Stelle direkt wieder ungezügelt frei.
In der Meta AI App, auf Instagram und bei WhatsApp gibt es (zumindest für US-User) das „Muse Image“-Werkzeug, bei dem u. a. die Profilbilder anderer Leute für die Bilderzeugung genutzt werden können.
Wer das eigene Bild nicht irgendwann in einer KI-Verunstaltung sehen will, bekommt eine Opt-Out-Option, wie die BBC aufzeigt. Obwohl dies bei Anwendung klaren Menschenverstands allenfalls eine Opt-In-Situation sein sollte. Nur Bilder von Leuten, die aktiv zustimmen, sollten verwendet werden können. Aber so ist es leider nicht.
Wie gehabt sieht Meta die User und ihre Inhalte nur als Daten, die für Werbung und seit ein paar Jahren fürs KI-Training gut sind. Wie man die eigenen Accounts bei Meta löscht, erfahrt ihr hier: Facebook / Instagram / WhatsApp.
Warum „Move Fast And Break Things“ nicht mehr zeitgemäß ist
Facebook wurde als Vorgänger des Meta-Konzerns in den 2000ern durch den Spruch „Move Fast And Break Things“ (Agiere schnell und mach Dinge kaputt) bekannt.
Während der Spruch in der frühen Internetzeit noch seine Berechtigung hatte und angerichteter Schaden nicht zu groß sowie teilweise behebbar war, hat sich die Situation mittlerweile komplett geändert. Denn es kommen nicht mehr nur langsame Entwicklungsprozesse zu Schaden.
Mittlerweile werden nicht nur alte Vorgehensweisen, Unternehmensstrukturen und eher langsame Entwicklungsabläufe „kaputt gemacht“, um voranzukommen. Es geht in heutiger Zeit eher um Privatsphäre, Vertrauen und ganze Existenzen.
Wenn Menschen als Kollateralschaden für die Entwicklung von digitalen Angeboten herhalten müssen, sollte man vielleicht mal ein-zwei Gänge runter schalten. So sieht man es mittlerweile auch beim Business-Magazin Forbes: Why It’s Time To Stop Saying “Move Fast And Break Things”.
Wie wird Apple mit dem Privatsphäre-Problem umgehen?
Apple steckt aktuell mitten in der Entwicklung eigener KI-Brillen. Diese werden ebenfalls mit ein-zwei Kameras ausgestattet sein. Damit ermöglichen sie die Nutzung von Visual Intelligence und Siri AI im Hinblick auf Fragen zur Umgebung bzw. zu einzelnen Objekten.
Doch wie wird die Aufnahme von Fotos und Videos gehandhabt? Wird sichergestellt, dass diese nicht heimlich geschehen kann? Und wie sicher gegen Manipulation werden die Brillen und ihre Aufnahme-Indikatoren sein?
Diesen Fragen wird sich Apple stellen müssen. Vor allem als Hersteller der AirTags, die nach der Markteinführung 2021 mit einigen Sicherheitsmaßnahmen ausgestattet werden mussten, um nicht (nur) als High-End-Werkzeuge für Stalker angesehen zu werden.
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Johannes ist selbstständiger Redakteur und Texter. Seit über 10 Jahren schreibt er regelmäßig für Sir Apfelot.








