Google Chrome OS Flex – Alte Macs und PCs wieder brauchbar machen

Es gibt mehrere Möglichkeiten, einem alten Computer noch einmal Leben einzuhauchen. Denn auch wenn der Apple Mac nicht mehr mit dem aktuellsten macOS kompatibel ist oder der PC kein Windows 11 ausführen kann, lassen sich noch Alltags- und Büroaufgaben damit erfüllen. Neben dem Aufspielen von Linux, etwa mit einer Xtra-PC-Alternative, gibt es dafür jetzt das Chrome OS Flex von Google. Damit sollen alte MacBook-, Mac mini- und iMac-Modelle sowie PCs verschiedenster Hersteller wieder flott gemacht werden. Der Clou von ChromeOS Flex: ein „Cloud First“-Konzept, das viele Aufgaben auf Server auslagert.

Mit Google Chrome OS Flex könnt ihr z. B. ein altes Apple MacBook wieder flott machen (Symbolbild). Infos zu ChromeOS Flex findet ihr hier, inkl. der unterstützten Mac-Modelle, Details zur Installation sowie Kritik an System und Vermarktung.

Mit Google Chrome OS Flex könnt ihr z. B. ein altes Apple MacBook wieder flott machen (Symbolbild). Infos zu ChromeOS Flex findet ihr hier, inkl. der unterstützten Mac-Modelle, Details zur Installation sowie Kritik an System und Vermarktung.

ChromeOS Flex soll alte Mac- und PC-Modelle schneller machen

Google verspricht mit dem mal „Chrome OS Flex“ und mal als „ChromeOS Flex“ zusammen geschriebenen Betriebssystem, dass alte Hardware wieder flüssiger läuft sowie Arbeiten an den kompatiblen Mac- und PC-Modellen damit schneller gehen als zuvor. Neben einem abgespeckten ChromeOS (keine Android-Apps, keine virtuellen Maschinen, kein Trusted Platform Module, etc.) liegt das vor allem daran, dass bestimmte Prozesse in die Cloud ausgelagert werden. Da also Server diese Rechenprozesse übernehmen, werden CPU, GPU und RAM des alten Computers geschont. Wie man aber schon ahnt, ergibt sich damit der Nachteil, dass man zur vollständigen Nutzung des Systems dauerhaft mit dem Internet verbunden sein muss.

Das gilt übrigens auch, wenn ihr bestimmte Büro-Programme weiterhin nutzen wollt. Denn sowohl die Office-Apps von Microsoft als auch die iWork-Apps von Apple laufen nicht unter ChromeOS oder ChromeOS Flex. Word, Excel und Co. lassen sich allerdings über office.com online nutzen. Zudem könnt ihr Pages, Numbers und Co. über die iCloud-Webseite icloud.com verwenden. Dementgegen gibt es auch lokal ausgeführte Anwendungssoftware, welche über die Taskleiste, welche an Windows erinnert, ausgewählt werden kann. Einen ersten Eindruck vom am 15. Juli 2022 in der Version 1 veröffentlichten Betriebssystem könnt ihr euch hier verschaffen.

Für wen ist Chrome OS Flex gemacht?

Zu den Zielgruppen, an welche Google das neue und kostenlose Betriebssystem vermarktet, gehören nicht nur Privatpersonen, sondern auch Unternehmen und Bildungseinrichtungen. Auf der oben verlinkten Webseite, auf welcher das System beworben wird, ist aber auch ein Zitat aufgeführt, das den Einsatz in einem Hotel beschreibt. Insgesamt richtet sich Google mit Chrome OS Flex an alle, die ihre alte Hardware mit aktuellen macOS- oder Windows-Versionen nicht oder nur sehr langsam nutzen können. Durch die Verwendung des abgespeckten und mit Online-Auslagerungen versehenen Google-Systems soll damit auch Elektroschrott vorgebeugt werden, da die Entsorgung und ein Neukauf verzögert werden.

Kurzer kritischer Einschub: Daten, Kundenbindung und Greenwashing

Man kann aber auch einen kritischen Blick auf das Angebot werfen. Und das mach ich jetzt einfach mal. Denn durch die Auslagerung zahlreicher Aufgaben auf Server entsteht für Google natürlich die Möglichkeit, die Art und Häufigkeit dieser Aufgaben zu überwachen. Daraus ergibt sich ein Überblick über das Verhalten der Nutzer/innen. Durch den begrenzten Support einzelner Geräte (s. u.) von teils nur ein-zwei Jahren, kann man ChromeOS Flex auch als Werbung für ChromeOS und Chromebooks ansehen. „Ihr wollt nach Support-Ende weiter das Betriebssystem nutzen, an das ihr euch jetzt gewöhnt habt? Dann kauft ein Chromebook!“, könnte man Google in den Mund legen.

Was mich außerdem arg stört, das ist diese in die Hände und Köpfe der Nutzer/innen gelegte sowie stark geheuchelte Verantwortung, was die Vermeidung von Elektroschrott angeht. Niemand hindert Google oder andere Hersteller daran, modulare Rechner auf den Markt zu bringen, die sich leicht reparieren lassen und deren Teile gut – oder zumindest besser als aktuelle Technik – zu recyceln sind. Die Verantwortung für Umweltschutz, Abmilderung der Klimakatastrophe und Schaffung von wirklich nachhaltigen Produkten liegt nunmal bei den Unternehmen, allen voran bei großen Tech-Firmen. Und Opas Bemühungen, digital eine lustige Einladung für den 75. Geburtstag zu basteln, auf Server auszulagern, das spart nun auch keinen Strom oder Bandbreite.

Diese Mac-Modelle sind mit Chrome OS Flex kompatibel

Naja, wenn ihr trotzdem an Chrome OS Flex für den Apple Mac interessiert seid, dann haltet euch fest. Denn es werden ganze neun Modelle unterstützt. An anderen Modellen muss man das Ganze auf eigenes Risiko hin ausprobieren. Die unterstützten Versionen von Apple Mac mini, Apple iMac, Apple MacBook, Apple MacBook Air und Apple MacBook Pro bekommen nicht allzu lange Support und bei einigen gibt es auch möglicherweise Funktionseinschränkungen. 

Mac-Modell Hinweis Support-Ende
iMac 11,2 (2010) Getestet und zertifiziert 2024
iMac 12,1 (2011) Geringfügige Fehler möglich 2024
Mac Mini 7,1 (2014) Getestet und zertifiziert 2026
MacBook 7,1 (2010) Geringfügige Fehler möglich 2023
MacBook Air 5,1 (2012) Getestet und zertifiziert 2025
MacBook Air 6,1 (2013) Getestet und zertifiziert, aber Webcam funktioniert nicht 2026
MacBook Air 7,2 (2015) Getestet und zertifiziert, aber Webcam funktioniert nicht 2027
MacBook Pro 9,2 (2012) Getestet und zertifiziert 2025
MacBook Pro 11,2 (2014) Getestet und zertifiziert 2025

Die komplette und aktuell gehaltene Übersicht findet ihr mit diesem Link. Falls Google noch weitere Apple-Computer für das neue System zertifiziert, dann werden sie dort in der entsprechenden Übersicht auftauchen. Neben den zertifizierten Apfel-Computern findet ihr auf der verlinkten Seite zudem die unterstützten PC-Modelle dieser Hersteller und Marken: Acer, Advantech, AOPEN, ASUS, Dell, Elo, Fujitsu, HP, Intel, Justice, Lenovo, LG, Microsoft, Minisforum, Panasonic, Toshiba und Zotac. Hier werden einige Modelle sogar bis 2030 unterstützt. Dann müssen sich auch vormalige Windows-Nutzer/innen entscheiden, ob sie sich nochmal umgewöhnen wollen.

ChromeOS Flex Boot-Stick erstellen: So (kompliziert) geht’s!

Ja, aber wie kann ich denn nun Google Chrome OS Flex auf dem Mac installieren? Nun, das geht auf einem unnötig komplizierten Weg, der wesentlich einfacher sein könnte. Vergesst alles, was ihr über Image-Ersteller als Einzelprogramme wisst (also, vergesst ANYmacOS). Um einen ChromeOS Flex Boot-Stick zu erstellen, braucht ihr erst einmal den Chrome Browser:

  1. Installiert und öffnet den Chrome Browser
  2. Installiert darin wiederum die „Programm zur Chromebook-Wiederherstellung“-Erweiterung
  3. Stellt über die Einstellungen sicher, dass das Plug-in nach der Installation aktiviert ist
  4. Startet mit einem Klick auf das Symbol der Erweiterung
  5. Wählt das gewünschte System sowie den eingesteckten USB-Stick (mindestens 8 GB Speicherplatz erforderlich) aus und los geht’s

Die komplette Schritt-für-Schritt-Anleitung mit bequemen 17 Schritten findet ihr mit diesem Link. Dieser führt euch zum Installation-Guide des Systems, in dem auch das Aufspielen auf den alten Rechner sowie die erste Verwendung geschildert wird. Aktuell ist das Ganze noch nicht auf Deutsch verfügbar. Komisch, wo es doch so eine lange Beta-Phase des Systems gab und Google seit 2006 einen eigenen Online-Übersetzungsdienst unterhält. 



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6 Kommentare

  1. Wolli sagt:

    Man braucht nicht unbedingt *den* Google Chrome Browser. Mit dem chromebasierten Vivaldi Browser kann man genausogut die Erweiterung aus dem Chrome Web Store installieren und den Flex USB Stick erstellen.

    Ich werde aber eher versuchen, ein Linux auf meinem mid 2009 MBP 8GB/SSD zu installieren. Chromos ist einfach zu restriktiv, und unterstützt meine Kiste nicht mal mehr – genau wie Crapple, die seit OSX 10.9.5 das super funktionierende Gerät zu Elektroschrott erklärt haben.

    • macmarine sagt:

      Ist das mit dem Elektroschrott sicher? Mein altes MBP early 2008 (6GB, SSD) verträgt ohne Bastelei noch MacOS El Capitan (10.11.6). Damit kommt man jetzt auch nicht sehr viel weiter, aber für einfache Aufgaben reicht es immer noch aus und zumindest läuft noch ein halbwegs aktueller Brave Browser.

      Mit dem dem macOS High Sierra Patch Tool (http://dosdude1.com/highsierra/) könnte auf dem MBP 2009 auch noch 10.11.13 nutzbar sein.

      • macmarine sagt:

        Sorry, ich meinte natürlich MacOS 10.13.x – ein Problem beim Patch ist die Version der Airport-Karte im MBP (Abfrage via Systeminformationen/Netzwerk/WLAN): man braucht eine 0x14E4, 0x8D – mein 2008er MBP hat leider nur die 0x14E4, 0x8C. Das Ethernet-Interface funktioniert aber auf jeden Fall.

        • macmarine sagt:

          Und noch ‘ne Korrektur: ich wollte es jetzt wissen und habe das alte MBP 4,1 (early 2008) mit o.g. High Sierra Patch Tool auf MacOS 10.13 gebracht. Die letzte Version des Tools unterstützt inzwischen auch die ältere Airport-Karte, das Touchpad, die iSight. Läuft ziemlich flott.

          Damit das System-Update klappt, muss vorher SIP deaktiviert werden!

          • Jens Kleinholz sagt:

            Sehr cool! Danke für den Tipp! Ich hab zwar gerade keinen so ollen Mac, dass ich das mal testen wollte, aber es gibt sicher ein paar Leute, die sich darüber freuen!

      • Wolli sagt:

        @macmarine

        Den dosdude gibt es noch? Danke für den Tipp!

        Hatte mit einem seiner Patcher vor Jahren schon den early 2009 Mini (auch aufgerüstet) aktualisiert. Hat auch jetzt gut geklappt, High Sierra 10.13.6 ist jetzt der aktuelle Stand und man kann endlich den aktuellen Firefox (samt Plugins für den eigenen nicht-Apple Passwortverwalter) installieren.

        Vor allem konnte ich mich wieder vernünftig im Mac App Store anmelden, denn unter 10.9.5 kam nur ein Anruf aus den USA, ohne Eingabefeld für den Code zu haben.

        Ich muss allerdings sagen, das aktuelle XFCE Manjaro läuft deutlich fluffiger von der SSD, *und* hat meine Standardprogramme für plattformübergreifendes Basteln weitestgehend an Bord (AUR Repo). Java, adb Tools, Mediathekview, vernünftige Browser ab Werk. Muss nur noch herausfinden, wie ich den EFI Bootloader wieder auf "Linux first" zurück schalte. Der grub ging beim OSX Update kaputt und es ist ermüdend, immer an das Drücken der rechten Taste zu denken.

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