Kinder und Smartphones: Dokumentation, Handysucht und mehr

Kind mit Smartphone, iPhone

Smartphones für Kinder: Wo sind die Grenzen? – diese Frage wird in der am 28. Mai 2017 ausgestrahlten Folge der Reportage-Reihe „Jetzt mal ehrlich“ auf ARD-alpha gestellt. Die Sendung könnt ihr in der BR-Mediathek nochmal ansehen. In diesem Artikel habe ich ein paar Ansichten, Daten und Fakten aus der Doku zusammengefasst, ein paar Zusätze dazu gepackt und überdies interessante Links für euch zusammengetragen. Ein paar Denkanstöße zu den Themen Kinder und Smartphones, Medienkompetenz sowie allgemeiner Umgang mit Smartphone, Tablet und Co. also.

Kinder und Smartphones

Rasante Ausbreitung von Smartphones

Smartphones sind nicht nur omnipotent, sondern auch und vor allem omnipräsent. Überall, in aller Hände und manchmal auch noch an den Ohren einiger Leute kann man die kleinen Alleskönner sehen. Laut der oben erwähnten Reportage aus Bayern gab es 2009 in Deutschland 6 Millionen Smartphone-Nutzer.

Nach nur sechs Jahren, 2015, gab es bereits 46 Millionen Smartphone-Nutzer in der BRD. Es gibt eigentlich niemanden, der nicht weiß, was ein Smartphone oder Tablet ist. Und gefühlt gibt es auch niemanden vom Kind bis zum Greis, der nicht so ein Gerät besitzt. Umso wichtiger ist es, sich mit dem Thema Kinder und Smartphones auseinanderzusetzen.

Handy- und Mediensucht bei Kindern und Jugendlichen

Natürlich sind Erwachsene nicht vor einer übermäßigen Nutzung der Technologie oder gar einer Sucht gefeit. Jedoch gehören Smartphones für viele Kinder und Jugendliche seit sie denken können zum Alltag; oder anders: es gibt eine frühe Gewöhnung. Die vielen Inhalte und Möglichkeiten zeigen dabei eine komplexe, randvoll gefüllte Welt voller Entdeckungen, voller Wissen, aber auch voller Unsinn, Spielen und konkreten Gefahren. Einer Selbsteinschätzung nach bezeichnen sich laut der Reportage 8% der Kinder zwischen 8 und 14 als suchtgefährdet. Ein Abdriften in eine Parallelwelt und das Vernachlässigen der realen Außenwelt ist dabei nicht ausgeschlossen.

Vivian Perkovic, ARD-alpha, BR

In der Reportage von ARD-alpha wird in diesem Zusammenhang ein ehemaliger Handysüchtiger vorgestellt, der über seine Obsession mit Handys und Smartphones spricht. Eine solche muss sich, wie man an seinem Beispiel sieht, nicht daraus ergeben, dass man stets und ständig mit anderen kommunizieren und soziale Medien nutzen will. Vielmehr können die Geräte und Inhalte auch als Ersatz für soziale Kontakte dienen; etwa bei einer Ausgrenzung  seitens der Gleichaltrigen.

Eure eigene Suchtgefährdung könnt ihr übrigens auf smartphone-addiction.de untersuchen.

Festgelegte Digitalzeit: Erziehungsmethode und Schutz

Es gibt verschiedene Einschätzungen und Empfehlungen zur Digitalzeit, die Kindern täglich gewehrt werden kann und soll. Im Rahmen der angesprochenen Reportage werden diese Zahlen genannt:

  • 7 – 10 Jahre: 45 Minuten
  • 11 – 13 Jahre: 60 Minuten
  • ab 14 Jahren: 90 Minuten

Kinder und Smartphones: Pro oder Contra

Eine Aussage, die die Journalistin Vivian Perkovic in der Reportage trifft, finde ich als Kern der Sache ganz wichtig: „Smartphone: ja oder nein – darum geht es gar nicht, sondern darum, ob wir damit richtig oder falsch umgehen. Und erst recht unsere Kinder.“ – Das heißt, dass es kein Schwarz oder Weiß gibt, sondern vor allem die Konzentration auf Medienkompetenz und Erziehung. Kinder müssen lernen, in Maßen und Grenzen die Möglichkeiten von Smartphone, Tablet, Internet und Co. zu probieren. Zudem sollte dies nicht unbegrenzt und unbeaufsichtigt geschehen. Die Eltern sind allerdings in der Pflicht, ebenfalls Kompetenz mitzubringen.

Denn nur wer sich informiert, kann mitreden. Somit werden Inhalte und Tätigkeiten am Smartphone nicht pauschal abgewertet, sondern mehr oder minder fundiert bewertet. Zudem sollte es Regeln geben, die Erwachsenen und Kindern eine gewisse Sicherheit geben. Zuletzt sollte man natürlich auch ein Vorbild sein und nicht selbst pausenlos an digitalen Medien hängen. Im Großen und Ganzen muss nicht stets und ständig geschaut werden, was die Kinder genau machen – aber ein Austausch sollte stattfinden.

Übrigens: der Reportage nach gibt es in 51% der Familien (in Bayern) keine Internetregeln, welche die Nutzung des Internets, erlaubte Inhalte, feste Zeiten oder ähnliches festlegen.

Smartphones und Handys in der Schule

Das Smartphone kann in der Schule als Störung gelten oder als Werkzeug genutzt werden. So lässt sich die Nutzung der Geräte auch dosieren und deren Einsatz lenken. An einigen Schulen wird offen mit Smartphones umgegangen, sie werden sogar in den Unterricht eingebunden. An anderen Schulen sind Handys und Smartphones strikt verboten.

Wahrscheinlich ist aber die Zahl jener Schulen am größten, bei denen etwas dazwischen der Fall ist: vielleicht ein Verbot, keine richtigen Konsequenzen bei Verstoß und eine minimale Einbindung in Unterricht oder andere Angebote. Viele überforderte Lehrer wollen sich dazu weder mit Maßregelungen noch mit der Einbindung der Geräte in den Unterricht beschäftigen.

In der Dokumentation wird der Dienst Kahoot! als Möglichkeit vorgestellt, das Smartphone zur Vermittlung von Lerninhalten zu nutzen. Damit ist auch eine schnellere Wissensüberprüfung für Lehrer und Schüler möglich.

Kleinkinder und digitale Medien

Es ist kein Geheimnis, dass auch Kinder, die noch nicht richtig sprechen oder gar lesen bzw. schreiben können, mit Smartphones und Tablets beschäftigt werden. Und das nicht nur bei einem Mangel an Alternativen, sondern regelmäßig und lange. Die meisten Eltern setzen dabei auf augenscheinlich kindgerechte Inhalte und Lernmaßnahmen.

Lern-Apps können aber allenfalls Inhalte, kaum aber Fähigkeiten vermitteln. Erstens sind sie nicht interaktiv genug, um Fragen zu beantworten oder die Aussprache zu verbessern. Zweitens bestehen die einzigen motorischen Übungen aus Wischen und Tippen – und das im Schwerstfall im Sitzen oder Liegen bei gleicher Haltung über einen längeren Zeitraum.

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Weitere Informationen, Links und mehr

Wenn ihr noch mehr wissen wollt, dann schaut euch am besten das Video in der BR-Mediathek an. Dort kommt auch der Chefredakteur von CHIP zu Wort, der seine Kinder nur an sein eigenes Smartphone lässt, aber ihnen kein eigenes gibt. Denn das Geben des elterneigenen Mobilgeräts sei eine Belohnung, meint er, während das Entziehen des kindeseigenen Geräts eine Bestrafung wäre. Klingt logisch.

Weitere Informationen bietet auch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend:

Noch mehr Infos gibt es auch bei der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, beispielsweise in der Vorstellung der Ergebnisse der BLIKK Studie 2017. Und noch ein letzter Link, der euch sicher schon durch entsprechende Kampagnen bekannt ist: Schau hin! (Was Dein Kind mit Medien macht.)

Lasst gern eure Gedanken und Erfahrungen zum Thema als Kommentar da 😉

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