Sir Apfelot Wochenschau KW 29, 2026

Wieder sind ein paar Tage voller Apple- und Tech-News vergangen. In der Sir Apfelot Wochenschau für die Kalenderwoche 29 des Jahres 2026 findet ihr daher u. a. diese Meldungen: BSI soll Softwareschwachstellen zur Ausnutzung an den BND melden, KI-Zusammenfassungen und Chatbot-Nachrichten unterliegen dem Medienrecht, Musikindustrie schlägt KI-Label für Songs vor, Sonnenlichtspiegel im All soll die Nacht zum Tag machen, Apple verfolgt mit Klage gegen OpenAI verschiedene Ziele, und mehr!

Nachrichtendienst-Reform: BSI soll dem BND zuarbeiten

In einem sehr interessanten und aufschlussreichen Kommentar von Prof. Dennis-Kenji Kipker bei heise online wird aufgezeigt, was ein aktueller Entwurf für die Nachrichtendienst-Reform in Deutschland vorsieht. Das Bundesinnenministerium (BMI) will damit nämlich das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) dazu verpflichten, Sicherheitslücken von Software und Systemen an den Bundesnachrichtendienst (BND) zu melden. Und das, bevor ein Patch für die entsprechende Lücke existiert.

Statt also seinem Schutzauftrag nachzukommen, soll das BSI dafür sorgen, dass Softwareschwachstellen für Überwachung und die Verletzung der Privatsphäre eingesetzt werden. Die privatgesellschaftliche IT-Sicherheits-Community würde sich in Folge zweimal überlegen, ob sie gefundene Schwachstellen ans BSI meldet. Ein Vorgehen, das bisher auf einem schwer erarbeiteten Vertrauensverhältnis aufbaut. In Folge würden sich mehr Gefahren ergeben.

Ich empfehle, den kompletten Kommentar von Prof. Dennis-Kenji Kipker zu lesen; da stecken noch weitere Details drin. Den knapp 700-seitigen Referentenentwurf für die Nachrichtendienst-Reform gibt es auf der BMI-Webseite; oder hier als Direktlink: PDF-Datei.

Rechtsgutachten: KI-Suchmaschinen und Chatbots unterliegen Medienrecht

Wie „die Medienanstalten“, also der Zusammenschluss der 14 Landesmedienanstalten Deutschlands, in einer aktuellen Pressemitteilung aufzeigen, gelten für KI-Suchmaschinen und Chatbots weitreichendere Pflichten als sie bisher erfüllen. Denn durch die Aneignung von Inhalten und teils schlecht einsehbarer Quellenangabe sind sie als Inhalteanbieter und nicht nur als neutrale Vermittler einzustufen.

KI-Suchmaschinen und -Chatbots sind Inhalteanbieter – und wir wenden deutsches Medienrecht ab sofort konsequent auf sie an. Unser aktuelles Rechtsgutachten stellt klar: KI-Antworten sind eigene Inhalte der Anbieter, das Haftungsprivileg des DSA greift hier nicht […]“, heißt es dabei von Dr. Thorsten Schmiege, dem ZAK- und DLM-Vorsitzenden. ZAK steht dabei für die Kommission für Zulassung und Aufsicht. Das erwähnte Rechtsgutachten „Integration von KI-Anwendungen in Suchmaschinen und ihre Auswirkungen auf die Meinungsvielfalt“ gibt’s mit diesem Link.

KI-Antworten führen zur zunehmenden Ver(bl)ödung des Internets

Zur Einschätzung der KI-Antworten von Google sowie der Nachrichten-Zusammenfassung von Chatbots passt ein Kommentar bzw. Erfahrungsbericht von Christian Rentrop bei Golem. Eine der Kernaussagen: Wenn User nur noch KI-Antworten konsumieren anstatt die zugrundeliegenden Webseiten aufzusuchen, dann geht deren Existenzgrundlage verloren. Wenn Userzahlen und Werbeeinnahmen einbrechen, ist qualitativer Content nicht mehr rentabel.

Die News-Seiten und Blogs werden dann entweder aufgegeben oder mit KI-Texten statt echten Redaktionsinhalten gefüllt. So fasst die Suchmaschinen-KI irgendwann nur noch KI-Inhalte zusammen, was am Ende zur Ausgabe von komplettem Nonsens führt. Oder zumindest zur Verbreitung von Falschinformationen, die von der KI halluziniert wurden. Viele der weiterhin genannten Punkte kann ich ebenfalls aus eigener Erfahrung in meinem Arbeitsfeld bestätigen.

Musikbranche zeigt Label für KI-generierte und KI-unterstützte Musik

Unter anderem der Bundesverband der Musikindustrie (BVMI) hat zwei Label für die Kennzeichnung von KI-Musik vorgeschlagen. Ein schwarzes Label mit großem „AI“-Schriftzug soll darauf hinweisen, dass die so gekennzeichnete Musik mit künstlicher Intelligenz erzeugt wurde. Ein durchsichtiges Label mit kleinem „ai“-Schriftzug hingegen soll Titel und Alben kennzeichnen, die KI-unterstützt erstellt wurden.

Laut der oben verlinkten Pressemitteilung hat der BVMI nicht allein daran gearbeitet. Hinter der Kennzeichnung stehen weiterhin RIAA, A2IM, WIN, IMPALA, The Grammys, SAG-AFTRA und die Human Artistry Campaign. Die Kennzeichnung soll laut der Mitteilung auf freiwilliger Basis erfolgen, was ich eher kritisch sehe. Sie sollte meiner Meinung nach verpflichtend sein.

Zur Bedeutung der AI- und ai-Label heißt es:

„KI-generiert“ bedeutet dabei, dass generative KI verwendet wurde, um die kreativen Elemente der Aufnahme vollständig oder zum größten Teil zu erzeugen. Dazu gehören beispielsweise:
•  von KI erzeugter Leadgesang oder
•  von KI erzeugte zentrale Instrumentalparts oder
•  vollständig durch Prompts erzeugte Musik.
 

„KI-unterstützt“ bedeutet, dass die Aufnahme im Wesentlichen von Menschen erstellt wurde und Ausdruck menschlicher Kreativität ist, dass aber für einige Ausdruckselemente generative KI verwendet wurde. Der Gesang und die Hauptinstrumente wurden von Menschen eingespielt.

Sonnenlichtspiegel im Erdorbit: FCC genehmigt Satelliten, der die Nacht zum Tag macht

Die Federal Communications Commission (FCC) der USA hat den Plan der Firma Reflect Orbital zur Entsendung eines Sonnenlichtspiegels in den Erdorbit abgenickt. Der Satellit mit eigenem Antriebssystem soll im Low Earth Orbit (LEO) fliegen und mit einem Spiegel Sonnenlicht auf die Erdoberfläche schicken – angeblich um die Stromerzeugung mit Solarpanelen bei Nacht zu ermöglichen oder eine Beleuchtung für Such- und Rettungsaktionen zu liefern.

Vorerst soll nur der eine Demonstrationssatellit platziert werden. Reflect Orbital plant aber letztlich ein ganzes Netzwerk von Sonnenlichtspiegel-Satelliten in der Erdumlaufbahn; ähnlich den Starlink-Ketten von SpaceX. Auch die weiteren Spiegel könnten entgegen der Einwände von astronomischen Vereinigungen und Umweltschutzorganisationen genehmigt werden. Dass die USA die Satelliten zudem nur im zivilen Bereich einsetzen werden, kann man durchaus bezweifeln.

SpaceX will noch mehr Satelliten in die Umlaufbahn schicken

Gleichzeitig liegt der FCC ein Antrag von SpaceX vor. Dieser sieht vor, weitere 100.000 Satelliten für das Starlink-Netzwerk in den niederen Erdorbit zu schicken. Auch dies hat nicht nur negative Folgen für astronomische Arbeiten, sondern erhöht das Kollisionsrisiko von Satelliten und Weltraumschrott enorm.

Zum Vergleich der Forderung: Bisher befinden sich rund 11.000 Starlink-Satelliten im niederen Erdorbit. Nebst zahlreichen anderen Satelliten und jenen, die noch hinzukommen werden – von anderen US-Unternehmen genauso wie von Unternehmen und Militärs auf der ganzen Welt.

Apples Klage gegen OpenAI erreicht mehrere Ziele auf einmal

Kürzlich haben wir ja aufgezeigt, dass Apple eine Klage gegen OpenAI, dessen Hardware-Abteilung und zwei ehemalige Mitarbeiter eingereicht hat. Dabei soll es um Unternehmensgeheimnisse gehen, die von den ehemaligen Apple-Angestellten mit zu OpenAI genommen wurden. Die Klage und die dafür eingereichten Unterlagen geben nun Aufschluss über weitere Daten – und geben Anlass, über die tatsächlichen Ziele Apples zu spekulieren.

Wie u. a. 9to5Mac zitiert, so arbeiten mittlerweile mehr als 400 ehemalige Apple-Leute bei OpenAI. Ob jene, die sensible Informationen zur Produktentwicklung bei Apple kennen, sich an die Verschwiegenheitsklauseln ihrer ehemaligen Arbeitsverträge halten oder ihr Wissen in die Produktentwicklung bei OpenAI einfließen lassen, lässt sich da kaum überwachen. Durch ein weiteres Verfahren könnte OpenAI aber zur Vorlage von interner Kommunikation verpflichtet werden.

Apple erreicht damit gleich mehrere Ziele:

  • Feststellung, ob tatsächlich Firmengeheimnisse weitergegeben wurden
  • Mögliche Verurteilung oder zumindest Kündigung von OpenAI-Leuten
  • Schadensersatzzahlungen von OpenAI an Apple
  • Vernichtung vertraulicher Unterlagen mit Apple-Bezug bei OpenAI
  • Allgemeines Ausbremsen der Produktentwicklung bei OpenAI

Außerdem würde Apple damit eventuell jene eigenen Angestellten aufhalten, die aktuell über einen Wechsel zu OpenAI, Meta, Anthropic oder einen anderen Tech-Riesen nachdenken. Jenen, die bereits gewechselt sind, würde der iPhone-Hersteller mit dem Verfahren nahelegen, Apple-Interna weiterhin für sich zu behalten.

LEGO setzt das iMac G3 Ideas-Set auf „Parking Lot“-Status

LEGO hat diese Woche bekannt gegeben, dass einige der von Fans gestalteten „Ideas“-Sets, welche die nötigen 10.000 Unterstützer erreicht haben, auf den „Parking Lot“-Status gesetzt wurden. Dieser Parking Lot (Parkplatz) bedeutet, dass die Sets noch nicht verworfen wurden, aber eine Entscheidung über die letztliche Herstellung und den Verkauf noch etwas mehr Zeit in Anspruch nimmt.

Eines der 75 Sets, die dafür unter die Lupe genommen wurden, stellt den iMac G3 von 1998 dar. Es ist davon auszugehen, dass LEGO vor der Produktion Rücksprache mit Apple halten muss, da unter anderem das Firmenlogo enthalten ist. Auch bei anderen Sets sind mit großer Wahrscheinlichkeit einige Verwendungs- und Darstellungsrechte zu klären. Ich persönlich würde mir neben dem iMac auch das Bob’s Burgers Set holen :D

Die neuen Sets werden auf der oben verlinkten Seite in einem Video gezeigt und vorgestellt.

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