Bluetooth aptX, aptX HD, aptX LL und LDAC – was bedeuten diese Abkürzungen?

Will man sich Bluetooth-Kopfhörer oder -Lautsprecher kaufen, dann stolpert man hier und da über kryptische Abkürzungen. Die Kürzel aptX, aptX HD, aptX LL und LDAC sollen dabei Hinweise auf die Klangqualität geben. Doch wer weiß schon genau, was hinter dem Buchstabensalat steckt? Die Leserinnen und Leser dieses Beitrags! Denn im Folgenden erkläre ich euch, was hinter den sogenannten Codecs steckt und welche Voraussetzungen zur Nutzung es gibt.

Bluetooth aptX, aptX HD, aptX LL, aptx Adaptive, LDAC und LHDC – was bedeuten diese Abkürzungen? Hier bekommt ihr die Antwort!

Bluetooth aptX, aptX HD, aptX LL, aptx Adaptive, LDAC und LHDC – was bedeuten diese Abkürzungen? Hier bekommt ihr die Antwort!

Was ist ein Audio-Codec (und was ein Container)?

Fangen wir beim Urschleim an. Ein Codec ist ein Algorithmen-Paar, das so bezeichnet wird, weil es sich aus einem Kodierer und einem Dekodierer zusammensetzt. Diese heißen auf Englisch Coder und Decoder – zieht man die ersten beiden Silben zusammen, so erhält man „Codec“. Aufgabe des kombinierten Algorithmus’ ist es, Daten bzw. Signale digital für die Übertragung (beispielsweise über Bluetooth) zu verschlüsseln und wieder zu entschlüsseln. Übertragt ihr also Audio-Signale vom Smartphone oder Computer auf einen Bluetooth-Lautsprecher oder -Kopfhörer, dann wird keine MP3 oder AAC übertragen, sondern komprimierte Datenpakete.

Kleiner Zusatz: In Videodateien, etwa AVI, kommt neben dem Audio-Codec, nämlich MP3, auch ein Video-Codec, z. B. MPEG-4 oder H.265, zum Einsatz. Da in der Video-Datei zwei dieser komprimierenden Helfer für den kombinierten Inhalt zum Einsatz kommen, nennt man das Format auch Dateicontainer. Andere Video-Dateicontainer-Formate neben AVI sind bspw. MOV oder QT (beide QuickTime), FLV (Adobe Flash Video), usw.

Was ist Bluetooth A2DP?

Noch eine kurze Vorbetrachtung bevor es um die oben angegebenen Abkürzungen geht. Denn diese fußen alle bzw. sind entwickelt für Bluetooth A2DP. Die Zeichenkombination steht für „Advanced Audio Distribution Profile“ und dient der Stereo-Übertragung von Audio-Signalen von einer Quelle respektive einem Sender zu einem Empfänger. Letzterer ist normalerweise auch das Ausgabegerät. Unterstützt wird die Technik bei Apple seit Mac OS X Leopard sowie seit iOS 3.  

Wes bedeutet aptX?

Kommen wir nun zu aptX. Dieser Audio-Codec wurde bereits in den 1980er Jahren entwickelt; Forschungsergebnisse, die zur Erschaffung herangezogen wurden, stammten von der Queen’s University Belfast. Bis 2010 hieß der Codec übrigens noch apt-X, wurde dann aber von CSR plc übernommen und umbenannt. Seit 2015 ist der Chiphersteller Qualcomm Eigentümer von aptX; sowie auch der Weiterentwicklungen aptX HD, aptX LL und aptX Adaptive. 

Die älteste Version aptX zeichnet sich dadurch aus, dass eine Abtastrate von 48 kHz sowie eine Samplingtiefe von 16 Bit gegeben sind. Auf Deutsch heißt das, dass der analoge Sound für die Digitalisierung 48.000 Mal pro Sekunde abgetastet wird (48 Kilohertz). Digital gespeichert werden die einzelnen Messungen dann als 16-Bit-Informationen. Die maximale Übertragungsrate von aptX ist dabei auf 352 kbit/s beschränkt. Das reicht für MP3-Dateien (bis 320 kbit/s), aber nicht für CD-Qualität (1.411 kbit/s) oder gar High-Resolution-Audio (9.216 kbit/s). Das zeigt u. a. Sony hier auf.

Was bedeutet aptX HD?

Die Abkürzung HD kennt ihr sicher schon. Sie steht für „High Definition“, also eine große Auflösung. Im Hinblick auf den Codec für die Funkübertragung von Audio aptxHD heißt das: 24 Bit statt 16 Bit für die Verpackung der mit 48 kHz abgetasteten Audiosignale. Die Bitrate liegt hier bei 576 kbit/s, der Dynamikumfang bei 120 dB. Wie oben schon aufgezeigt, ist das immer noch keine CD-Qualität, jedoch ist es schon ein guter Fortschritt im Vergleich zum Vorgänger. Außerdem soll aptX HD verlustfreier sein.

Was bedeutet aptX LL / Low Latency?

Ausgeschrieben bedeutet „LL“ Low Latency, also geringe Latenz. Über die Bluetooth-Funkverbindung soll die Ende-zu-Ende-Latenzzeit mit dieser Technik auf 32 ms reduziert werden können. Interessant ist das für die Übertragung der Audiospur von Filmen, Serien, Videospielen und Videos respektive Streams. Denn bei diesen liegt die Latenz zwischen +40 ms und -60 ms. aptX Low Latency wird aufgrund der schnellen Übertragung / Echtzeitübertragung auch für Musikinstrumente empfohlen; etwa wenn man E-Gitarre oder E-Schlagzeug beim Spielen über kabellose Kopfhörer anhört.

Was ist aptX Adaptive?

Die vierte Entwicklung im Bunde, die Qualcomm unter anderem auf der dafür angelegten Webseite aufzeigt, ist aptX Adaptive. Die Technologie ist abwärts-kompatibel, nutzt ebenfalls 48 kHz bei 24-bit und ist damit nicht primär auf eine bessere Audioqualität, sondern auf das bestmögliche Audioerlebnis mit den vorhandenen Mitteln ausgelegt. Der Codec passt sich automatisch an (ist also „adaptiv“) und bietet so für Quelle, Ausgabegerät und Medienart (Audio, Video, Videospiel, Stream, etc.) die beste Synchronisation mit der höchstmöglichen Übertragungsrate sowie kleinsten Latenzzeit. Der Kompressionsfaktor liegt dabei zwischen 1:5 und 1:10; die Datenraten reichen von 276 kbit/s bis 420 kbit/s. 

Was bedeutet LDAC?

LDAC ist ebenfalls eine Technologie für die Audioübertragung über Bluetooth, stammt aber von Sony und ist damit ein Konkurrenzprodukt zu den vorgenannten Beispielen. Sonys Bluetooth LDAC bietet eine Abtastrate von 96 kHz und ebenfalls eine Datengröße von 24 Bit. Damit soll sich letztlich eine Übertragungsrate von 990 kbit/s ergeben. Das wird als Hi-Res-Audio benannt, kommt aber auch noch nicht an CD-Qualität heran. Die Technologie soll zudem adaptiv sein, also auch 330 und 660 kbit/s unterstützen.

Die Streber vom AV Hub haben die verlustfreie Übertragung von Audio über Sony LDAC zudem angezweifelt. Eine viel zu große Komprimierung und / oder ein großer Verlust von Informationen sei dafür notwendig, heißt es im Beitrag von 2015, der 2016 und 2017 aktualisiert wurde. Die Fachleute des Magazins haben u. a. Sony Australia kontaktiert und bekamen unterschiedliche Informationen als Antwort – einmal, dass es Verluste geben kann, einmal, dass dies nicht der Fall ist. Ganz verstanden habe ich die sehr langen Ausführungen nicht wirklich. Das Fazit ist aber: Sony LDAC bietet eine bessere Audio-Qualität als Qualcomm aptX HD / LL / Adaptive.

Was bedeutet LHDC?

Weder von Qualcomm noch von Sony, sondern von HWA (Hi-Res Wireless Audio) stammt der neuste Codec im Bunde: LHDC. Die Abkürzung steht für „Low Latency and High-Definition Audio Codec“; die Technologie soll also eine niedrige Latenz bei hochauflösender Audioqualität liefern. Ähnlich wie Sony gibt HWA hier 96 kHz und 24 Bit an; sowie am Ende 900 kbit/s. 

Schaut man sich auf der Homepage zur Technologie die Produkte an, die bisher damit kompatibel sind, findet man vor allem Huawei-Smartphones und einen Bluetooth-Verstärker; keine Kopfhörer oder Lautsprecher. Sony bietet neben seinen Xperia-Smartphones zumindest Walkman-Produkte, Kopfhörer und Soundbars für den Fernseher an.

Wichtig für die Verwendung der Codecs!

Das waren bis hierhin viele Informationen, Zahlen und Hinweise. Am wichtigsten ist eigentlich: aptX HD, LDAC und LHDC sind für kompatible Geräte die von der Klang-Qualität her besten Optionen. Die aptX-Weiterentwicklungen sorgen für geringere Latenz (LL) bzw. für die Kopplung verschiedener Standards (Adaptive). 

Am allerwichtigsten für die Verwendung ist aber, dass sowohl die Quelle (Smartphone, Tablet, Computer, etc.) als auch das Wiedergabegerät (Kopfhörer, Lautsprecher, Soundbar, Soundsystem, etc.) den gleichen Standard unterstützen. Kann der Sender nur aptX, dann bringen Ohrstöpsel mit aptX HD keinen Mehrwert. Zudem sind die Technologien von Qualcomm, Sony und HWA nicht untereinander kompatibel. Schaut also vor dem Zubehör-Kauf auf die technischen Daten eurer Ausgabegeräte 😉

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4 Kommentare

  1. yanis sagt:

    Ich habe diesen Artikel gelesen: [Link zum Hersteller entfernt]

    Dann, Ist die Latenz gering, solange es sich um ein aptX-Headset handelt?

    • Sir Apfelot sagt:

      Hallo Yanis! Ja, das ist korrekt. Wobei natürlich auch das Smartphone den aptX-Codec unterstützen muss. Sonst geht es natürlich nicht. Noch geringere Latenz bietet übrigens der aptX Adaptive Codec, den Qualcomm 2018 vorgestellt hat. Aber das iPhone/iPad unterstützt meines Wissens noch nicht mal den normalen aptX-Codec. Ich denke, die setzen nur auf Bluetooth und Airplay 2…

  2. Mr.minit sagt:

    Hallo,

    ich habe mir vor kurzem die BeoPlay H9 3.Generation Kopfhörer gekauft. Nun habe ich über Amazon Prime, dessen unlimited Angebot ich schon seit längerem nutze, von der neuen Zusatzoption (Amazon Music HD) gehört. Bezüglich der Frage welche Kopfhörer von diesem Angebot profitieren gibt Amazon folgendes Statement:

    Kabellose Kopfhörer, die fortschrittliche Bluetooth-Funktionalitäten, entweder mit den Qualcomm-Standards aptX/aptX HD oder Sony LDAC, verwenden, können die Wiedergabe von HD/Ultra HD (bis zu 24-Bit, 48 kHz) unterstützen.

    Meine Frage ist nun, ob die Kopfhörer diesbezüglich von diesem Upgrade profitieren würden, denn soweit ich weiß verfügen die Kopfhörer lediglich über aptX LL was sich, soweit ich das richtig verstanden habe, lediglich auf die Latenzzeit aber nicht auf die Audioqualität auswirkt.

    Vielen Dank für Ihre Bemühungen und beste Grüße

    

    • Sir Apfelot sagt:

      Hallo Mr. Minit!Eine gute Frage und ich musste tatsächlich ein bisschen recherchieren, um die Antwort zu finden, denn selbst Wikipedia gibt hier keine Aussage zu. Es ist jedoch so, dass aptX LL tatsächlich aptX Classic mit niedriger Latenz ist. Was du benötigst, ist aptX HD. Nur dieser aptX HD Codec bietet tatsächlich high definition sound und damit eine Qualität “besser als CD”, wie es in den Beschreibungen oft zu finden ist. Der BeoPlay H9 unterstützt leider kein aptX HD. Dadurch wäre ein Upgrade auf Amazon Music HD für dich wenig sinnvoll. VG! Jens

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