Selbstversuch Datenrettung: Strg_F deckt Abzocke auf

Wenn der Computer abschmiert und die Daten auf der Festplatte verloren scheinen, ist ein Begriff schnell in die Google-Suchleiste eingetippt: Datenrettung. Und schon bekommt man zahlreiche Werbeanzeigen sowie reguläre Suchergebnisse angezeigt, welche Firmen für Datenträger-Analyse, Festplattenwiederherstellung, Dateienrettung und so weiter anpreisen. Strg_F, der Doku- und Reportagen-Kanal des NDR auf YouTube, hat die größten Anbieter ausprobiert – und ist auf eine großflächige Abzocke gestoßen. Mehrere hundert oder gar über tausend Euro für die Datenrettung ausgeben? Muss nicht sein! Hier habe ich euch die wichtigsten Infos zusammengefasst.

Abzocke bei der Datenrettung – mit kostenloser Software zum selber retten der Daten, per Festplatten-Backup und / oder mit einem Boot-Stick lässt sich das Problem selber lösen.

Abzocke bei der Datenrettung – mit kostenloser Software zum selber retten der Daten, per Festplatten-Backup und / oder mit einem Boot-Stick lässt sich das Problem selber lösen.

Selbstversuch Datenrettung – ein Film von Armin Ghassim

Unter dem Titel „Selbstversuch Datenrettung: Welches Unternehmen zockt mich ab?“ findet ihr das Video von STRG_F auf YouTube. In 19 Minuten und 16 Sekunden wird aufgezeigt, wie man übers Internet einige Anbieter für Datenrettung findet, dass die meisten Firmen zwar eine lokale Datenträger-Annahme bieten, aber teils im Ausland sitzen, und vieles mehr. 

Per Rückfragen, etwa direkt am Telefon, werden die Kunden zur Wichtigkeit ihrer Daten befragt. Sind sie wichtig und müssen schnell wiederbeschafft werden, dann steigt der Preis exorbitant an. Die Unternehmen lösen ein (für Fachleute) einfaches Problem also je nach Stressfaktor der Kund/innen mit Wucher.

Software für die Datenrettung: Datenwiederherstellung selber erledigen

In den Kommentaren unter dem Video findet man einige Hinweise dazu, wie man die Datenrettung selber realisieren kann. Mehrfach wird dabei die TestDisk App genannt, deren Download ihr mit diesem Link findet. Eine Dokumentation und Anleitung für TestDisk gibt es hier. Das Programm könnt ihr auf der verlinkten Download-Seite für macOS, Windows, Linux und sogar für Dos/Win9x herunterladen.

Zudem finden sich einige weitere Kommentare, die man beachten sollte, bevor man sich in die gierigen Klauen der Datenrettung-Abzocke begibt (bzw. damit man das gar nicht tut):

Egal in welcher Stadt ihr lebt, es gibt immer diesen einen kleinen traditionellen Computerladen, der seit vielen Jahren existiert und die einfachsten Bastelarbeiten selber machen kann. Und bei allem, was dort nicht getan werden kann, kriegt man für ‘nen 10er Trinkgeld wenigstens eine gute Beratung, an wen man sich wenden kann.

[…] Falls es sich um eine HDD mit Magnetdatenträger handelt, so wäre ein physischer Schaden an den Schreib bzw. Leseköpfen der Festplatte wahrscheinlich falls per Software keine Datenrettung/Einsicht möglich war […] In ALLEN anderen Fällen kann JEDER der google benutzen kann seine Daten selber retten, wenn er keine unbegründete Angst davor hat und es einfach mal versucht!

USB-Festplatten und Sticks kosten kaum noch was und ein Backup Programm findet man gratis im Internet.  Wer für private Zwecke einen Datenretter braucht, hat leider keine Ahnung oder zu viel Geld.

Meine Empfehlung: Regelmäßige Backups machen

Hier im Blog bekommt ihr es immer wieder zu lesen, vor einem macOS-Upgrade genauso wie als Schutz vor Ransomware: Macht Backups! Nehmt euch eine externe Festplatte, einen USB-Stick, eine SD-Karte oder einen Cloud-Service zur Hand und kopiert regelmäßig euren Festplatteninhalt darauf. Einige Dienste dafür habe ich euch ja schon vorgestellt:

Bootbarer Datenträger: Festplatte, USB-Stick, DVD-ROM

Mit einigen der oben vorgeschlagenen Apps könnt ihr sogar ein bootbares Backup erstellen, also eine Sicherungskopie, von der ihr das Betriebssystem starten könnt. Das klappt auch mit einem Boot-Stick, auf dem sich nur das Betriebssystem befindet und den ihr zur Sicherheit anlegen sowie im Ernstfall zum Starten von Mac oder PC nutzen könnt: 

Damit könnt ihr im Zweifelsfall noch auf den Computer zugreifen und Daten von der Festplatte retten (falls sie noch reagiert). Zumindest könnt ihr Dateien, Ordner und Projekte von einer zweiten verbauten Festplatte sichern, falls diese noch intakt ist und ihr lediglich das Betriebssystem zum Booten und Anzeigen der Benutzeroberfläche fehlt. 

Eure Tipps gegen die Abzocke bei der Datenrettung

Habt ihr noch Hinweise, Tipps und Tricks, wie man beim vermeintlichen Verlust seiner Daten vorgehen kann? Habt ihr schon einmal die Dateien einer gecrashten Festplatte wiederhergestellt; und wenn ja, mit welcher Software? Lasst gern einen Kommentar da, damit zukünftige Leser/innen hier eine kleine Hilfe-Sammlung finden 😉

Sir Apfelot auf SteadyHQ unterstützen

5 Kommentare

  1. Beatrix Willius sagt:

    Besser als ein Backup sind mehrere Backups. Cloud UND auf Festplatte. USB Sticks sind viel zu klein und ich habe einen nach dem anderen verloren.

    Wenn die Festplatte zu groß ist und man Daten auslagert, muß man von den Daten zwei Kopien anfertigen.

    Auch wenn jetzt laut Gericht Cookies zustimmungspflichtig sind, heißt das bitte nicht, daß man in vorauseilendem Gehorsam nun die Warnung an die Stirn geklatscht bekommt. Ich hoffe, daß dieses Urteil einkassiert wird. Sorry, das Urteil ist absurd.

    • Sir Apfelot sagt:

      Hallo Beatrix! Da hast du recht – in beiden Sachen. Ich nutze auch Cloud, Time Machine und lokale Festplatte für Backups. Irgendwas davon klappt dann in der Regel im Notfall.

      Wegen der Cookies: Ja, das Ding ist echt ein bisschen hart und nervig. Ich nehme es wieder raus, bis sich die Gerichte da einig geworden sind.

    • Werner sagt:

      Da kann ich mich nur anschließen. Daten sollten mehrfach und am besten nicht am selben Ort regelmäßig gesichert werden.

      Sollte man aber dennoch einmal eine Datenrettung benötigen, würde ich dennoch Ontrack empfehlen. Habe damit bislang sehr gute Erfahrungen gemacht.

      LG Werner

  2. Thomas sagt:

    Backups sind einfach unabdinglich! Ich verwende dafür eine Kombination aus Cloud-Speicher für die permanente Datensicherung und zwei verschlüsselten externen Festplatten für ein wöchentliches Backup. Diese werden an unterschiedlichen Orten aufbewahrt um bei einem Brand auf der sicheren Seite zu sein.

    Da Kunden von mir schon einmal einen Datenverlust hatten und damit zu mir kamen, wurde ich auch schon konfrontiert mit diesem Thema. Als Österreicher bin ich aber dennoch zu Ontrack gegangen, da diese a) am professionellsten wirkten und b) eine Niederlassung in Österreich haben. Mein Kunden waren damals zufrieden mit dem Service von Ontrack.

    Beste Grüße
    Thomas

  3. Björn sagt:

    Es ist wirklich schade, dass durch solch unseriöse Unternehmen die gesamte Branche beschmutzt wird.
    Mein Tipp gegen Abzocke wäre es, sich verschiedene Meinungen einzuholen. Beratungen sind üblicherweise kostenfrei.
    Ein kleiner Hinweis dazu: logische Fehler sind in der Regel immer günstiger als mechanische oder elektronische Defekte.
    Ebenfalls kann man checken, wo der tatsächliche Firmensitz ist, um dubiose Annahmestellen auszuschließen.

    Gruß Björn

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.